Kommentiert: Wozu is(s)t die Straße da…

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Die Brandenburger Kochfamilie geht neue Wege in der regionalen Kooperation

Immerhin bin ich beruflich täglich Minimum zehn Stunden im Internet unterwegs. Und das gut 350  Tage im Jahr. Ein freier Journalist braucht schließlich immer wieder Anregungen, Themen und auch neue Kontakte. Dazu ist das sogenannte Social Media zwar nicht unbedingt in jeder Hinsicht ein Segen, aber ein Multiplikator mit gelegentlichem Synergieeffekt. Und man(n) merkt auch schnell, mit welchen virtuellen Zeitgenossen man sich ernsthaft austauschen kann. Sind auch Dünnbrettbohrer und Dampfplauderer unterwegs. Von den politisch Unterbelichteten mal ganz abgesehen. Die gehen bei mir ohne Rücksicht schon nach einigen Stunden über die Wupper.


So hat es sich ergeben, dass ich Schritt für Schritt auf eine kulinarische Vereinigung namens „Brandenburger Kochfamilie“ aufmerksam geworden bin, die in Sachen kulinarischer Kooperation neue Wege beschreiten will. Zu den Akteuren dieser bunten Truppe gehören Peter Franke aus dem Spreewald ebenso wie Daniel und Christian Reuner aus dem Berliner Speckgürtel. Das sind sozusagen die alten Hasen, mit denen ich schon lange virtuell und auch persönlich verbandelt, sprich: befreundet, bin. Was ich erst mehr oder weniger aus dem virtuellen Augenwinkel wahrgenommen habe, hat mir jedoch immer mehr Interesse und Respekt abgewonnen.

Die Köche und anderen Verbündeten im kulinarischen Umfeld haben sich auf diese lockere Weise zusammengeschlossen, um Spaß beim Kochen und Lust auf gemeinsames Essen und Trinken zu haben, aber auch die Möglichkeiten für den fachlichen Austausch zu nutzen. Vor allem geht es jedoch  darum, Produkte und Erzeugnisse der Region in ihrer Vielfalt und Qualität zu präsentieren und kulinarisch einzusetzen. Damit will man, das ist erklärtes Ziel, Gästen und Verbrauchern den Blick für heimische Produkte zu schärfen und die Identifizierung mit dem Land und seiner Produktvielfalt zu unterstützen.


Kurzum, ich war und bin von der Vielfalt der Mitmacher in dieser Familie beeindruckt, habe das Ganze näher hinterfragt und neue Kontakte geknüpft. Vor allem aber war ich regelrecht heiß auf einen Termin im August in Finsterwalde. Dazu hatte die Kochfamilie gemeinsam mit der „Brandenburger Bierstraße“ eingeladen. Als passionierter Biertrinker war das natürlich ein Muss. Und als kulinarisch ambitionierter Journalist sowieso, denn es stand als Thema, den Brandenburger Karpfen geschmacklich-kombinatorisch in Szene zu setzen.

Zugegebenermaßen gehört(e) dieser Fisch bisher nicht zu meinen Favoriten. Noch genauer: Ich kann mich nicht erinnern, Karpfen schon einmal bewusst gegessen zu haben. Wohl aber daran, dass ich keine Gelegenheit ausließ, mich davor zu drücken. Kopfkino eben. Warum auch immer.


Da ich aber bereits im Vorfeld des Finsterwalder Treffens in Sachen des fischigen Großmauls recherchiert und eine Kolumne in der SVZ geschrieben habe, war ich neugierig wie Bolle. Soll auch heißen: Die Rezepte von Jakob Tracy, dem Kapitän der Deutschen Köche Nationalmannschaft, oder von Ralf Achilles aus Woltersdorf bei Berlin und Frank Busch aus Weißwasser haben mich mächtig wuschig gemacht und meinen Gaumen in Habachtstellung gebracht.


Logische Folge: Rein ins Auto. Rauf auf die A24, mittenmang durch Berlin und dann halbwegs entspannt in die Sängerstadt im Süden Brandenburgs. Und ich bin pünktlich zur Präsentation der facettenreichen Karpfenkreationen angekommen. Vor dem Essen mussten die aber noch als Fotos in Szene gesetzt werden. Also Gaumen noch für eine Weile stillhalten.

Ralf Achilles: Karpfenpraline mit Blutwurst Krüger-Kersten-Schaum und Rahmsauerkraut

Frank Bansner: Kochklopse vom Brandenburger Karpfen an Bierkapernschaum auf Rote Bete-Kartoffelstampf

Jens Beiler: Karpfenfilet gebacken in Ziegenkäsekruste mit Wacholder-Schwarzbier-Sauce und märkischer Rotknolle

Frank Busch: Gegrillter Karpfen mit Roggenbier Glasur auf Süßkartoffel-Bacon-Stampf mit fermentierter Aronia-Rote Bete, Bier-Kaviar und Wriezener-Senf-Schaum

Torsten Kleinschmidt: Brandenburger Bierbratkarpfen, süß-sauer und herb-würzig mit märkischem Bier eingelegt

Oliver Langheim: Karpfensülze auf Treberbrot mit Meerrettichcreme und Bierschaum

Bernd Norkeweit: Karpfen mit Bier-Meerrettich im Brotmantel mit Rote Bete-Apfelsalat an Bierschaum

Wolfgang Schalow: Karpfen im Bierteig


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Gekostet habe ich natürlich alles. Nun könnte man die einzelnen Gerichte sozusagen kulinarisch in ihre Bestandteile sezieren und darüber dozieren. Ist gar nicht nötig, und auch nicht mein Ding. Für mich war es wichtig, dass ich sozusagen bei der Geburt des „Brandenburger Bierkarpfens“ dabei war und exzellenten Genuss in Verbindung mit großer Kreativität kennengelernt habe. Überrascht haben  mich im Detail der kombinatorische Mut und der Einsatz feiner Aromen und Kräuter.


Was da aufgetischt wurde, hält auch verwöhnten Ansprüchen stand, kann man in jedes Fine-Dining-Menü einbauen. Das ist nicht nur für mich gelebte geschmackliche Brandenburger Regionalität auf sehr hohem Niveau und bietet viel Spielraum für weitere kulinarische Ideen. Die Verbindung mit dem „Medium“ Bier war dabei eine, so gar nicht vordergründige, aber raffinierte geschmackliche Liaison. Alter Falter, da schlagen die Geschmacksknospen Purzelbäume. Meine Favoriten, daraus mache ich auch keine Geheimnis, waren übrigens die Karpfenpraline und die Karpfensülze, aber auch das Filet in der Ziegenkäsekruste. Was den anderen Gerichten keinen Abbruch tut. Alles bestens.


Apropos Bier: In dieser Beziehung bin eher ein Freund der „klassischen“ Sorten nach Pilsner Brauart und bevorzugt ostdeutscher Herkunft. Die Biere von diversen Kleinbrauereien haben für mich manchmal den Anstrich eines „Kunstbieres“. Da bin ich nicht für exotische Aromen und Beigaben, sondern eher ein Verfechter des Spruchs: „Hopfen und Malz – Gott erhalt’s“. Was jedoch in Finsterwalde gut gezapft und ausreichlich genossen habe, war ein vorzüglich süffiges Bier, das in die Region und auch fantastisch zu deftigen Speisen passt. Das gilt übrigens auch für das Fürstenwalder Bier, dass ich tags darauf in Woltersdorf bei Ralf Achilles kennenlernen durfte. Ich denke, ich werde auch in dieser Beziehung mal neue Wege beschreiten und mich auf die Brandenburger Bierstraße begeben.

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Mein kurzes Fazit: Der Aufenthalt in Finsterwalde hat mir neue geschmackliche Horizonte geöffnet. Ich stimme Lars Dettmann, dem Geschäftsführer des Brandenburger Landesfischereiverbandes, und Gastgeber Uwe Oppitz, Chef des Finsterwalder Brauhauses und der Macher der „Brandenburger Bierstraße“, ausdrücklich zu: Mit dieser Veranstaltung der Kochfamilie ist etwas ganz Neues und Visionäres entstanden.


Denn diesen Faden weiterzuspinnen, birgt so viel Potenzial für die Region und Brandenburger Geschmacklichkeit in sich. Das eröffnet noch ungeahnte Möglichkeiten der Kooperation von Köchen, Genusshandwerkern, Brauern und Produzenten im weitläufigen kulinarisch-gastronomischen Umfeld. Und hat natürlich auch eine Art Vorbild- und Animierfunktion zum Mitmachen.


Das auch dank solche positiv-umtriebiger Macher, die diese illustre Runde formiert und letztlich geprägt haben. Chapeau, Uwe und Frank Bansner, die am Abend zu einem "sehr bescheidenen" Essen abseits von Karpfen & Co. sowie trinkbarem Allerlei vom Feinsten eingeladen hatten. Es ist deshalb weniger eine Drohung, denn ein Versprechen, dass ich diese Aktivitäten weiter verfolge und journalistisch begleiten werde.

Ich bin ja inzwischen mit den handelnden Personen recht gut vernetzt und werde den Kontakt zu Bernd Norkeweit gut pflegen. Der hat sich, trotz anfänglicher Bedenken wegen virtueller Selbstdarstellung, als angenehmer und sehr ideenreich-engagierter Gesprächspartner „entpuppt“. Danke, lieber Bernd...


Auch das sind gute Erfahrungen, die solche Treffen ergeben. Ich habe ja sogar eine Zigarre genossen, die wohl Boxer Axel Schulz kreiert hat, oder nach ihm benannt ist. Der war bisher so gar nicht mein Typ. Die aromatische Zigarre aber wäre ein guter Ansatz, auch zu dem Bierbotschafter eine neue „Denkweise“ zu entwickeln. Hier müsste der finale Smiley hin. Den verkneife ich mir aber. Der müsste noch erfunden werden.


Ich sage einfach nur „danke, und bis bald…“

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