Restaurant mit geschmacklichem Gleisanschluss

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Restaurant "Schönblick"

Berliner Straße 48 - 15569 Woltersdorf

www.restaurant-schoenblick-woltersdorf.de

Es ist eine alte Weisheit, die manchmal sogar die Frauen einsehen: Die besten Geschäfte werden in der Kneipe gemacht. Demzufolge ist es nicht verwunderlich, dass man(n) im gastronomischen Umfeld die besten Kontakte knüpfen kann, wenn man nach kulinarischen Empfehlungen sucht. So geschehen, als  ich mit der Brandenburger Kochfamilie in Kontakt kam, die mit dem Brandenburger Bierkarpfen exzellente geschmackliche Variationen in Szene gesetzt hat.


Ein Mitglied der kochverrückten Familie ist Ralf Achilles. Der ist ein waschechter Berliner Junge, hat sich aber längst in den grünen Speckgürtel des Bundeshauptdorfes verdrückt und betreibt mit Lebensgefährtin Florentin Staude das Restaurant „Schönblick“ im gleichnamigen Ortsteil von Woltersdorf.


Und das liegt im Landkreis Oder-Spree, also im Land Brandenburg. Da hat er aber Glück gehabt, der Ralf. In Sachen Brandenburger Kochfamilie. Mit der Frau an seiner Seite ist es ohnehin ein Glücksgriff, wie beider funkelnden Augen verraten.

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In sein Restaurant gelangt man übrigen sogar mit einem ziemlich nostalgischen Gefährt, einer Tram der Linie 87 der Schöneicher-Rüdersdorfer-Straßenbahn. Die ruckelt und zuckelt sich von der bekannten Woltersdorfer Schleuse quer durch den Ort bis nach Rahnsdorf. „Und det is schon Berlin…“ Und nur wenige Meter vor dem zwischen Eichendamm und Ahornallee gelegenen Restaurant hält die Tram: Alles, was gutes Essen schätzt, raus. Und rein die gute Stube von Ralf und Florentin. Das scheinen nicht nur viele Woltersdorfer zu wissen. Denn Achilles erklärt mir bei meinem Besuch in seinem Haus, dass vor allem Stammgäste ziemlich regelmäßig bei ihm einkehren und immer wieder die Karte auf neue Speisen prüfen und für gut befinden. Und so ganz umsonst bekommt man ja auch nicht das Siegel „Brandenburger Gastlichkeit“.


Drinnen im „Schönblick“ offenbart sich mir ebenso schlichte wie gediegene Gastlichkeit. Die Wände in warmen Rottönen gehalten. Das Interieur in dunklem Braun. Dazu hat die Gastgeberin geschmackvolle Accessoires ausgewählt, die den Raum nicht überladen, aber schönen Blickfang im Detail bieten. Am Abend sorgt indirektes Licht für eine stimmungsvolle Atmosphäre. Der Blick auf den Tresen verspricht manchen guten Tropfen.


Und Florentin Staude verrät stets charmant und kompetent, was der gut gefüllte Weinkeller zu bieten hat. Dazu gehören Spitzenweine aus Sachsen und anderen deutschen Anbauregionen ebenso, wie internationale Weine beispielsweise aus Italien und Chile. Warum Saale-Unstrut und Frankreich eher nicht vertreten sind, muss ich gelegentlich hinterfragen.

Ein Blick auf die Karte zeigt, dass Ralf Achilles Minimalist und Perfektionist in einem is(s)t. Er bietet eine vergleichsweise kleine Karte, die aber den Anspruch an deliziöse Küche verkörpert und vor allem von frischen, saisonalen Zutaten geprägt ist. Im Interview verrät mir der Küchenchef, dass er nichts von abgedroschenen Schlagworten wie „brutal lokal“ hält, aber schon darauf achtet, dass die Region auch geschmacklich auf den Teller kommt.


Dass ihm dabei auch geschmacklich-kombinatorische Ausrutscher mit internationalen Einflüssen unterlaufen, ist ausdrücklich erwünscht. Eine feurige spanische Fischsuppe, verrät er mir schmunzelnd, schmeckt durchaus auch im Sommer gut. Und mit mediterranen Akzenten versehene Gerichte kommen nicht nur gut an, sondern machen auch (s)ein gewisses kulinarisches Markenzeichen aus.


Seine aktuelle Karte hat diesbezüglich als geschmackliche Beispiele u.a. süß-saure Aubergine mit Tomate und Ziegenkäse, Pastrami mit Senfcreme auf Zucchinipuffer, Bohnencremesuppe mit Mozzarella und gar eine Schwedische Sommersuppe mit Lauch und Lachs zu bieten. Als Hauptspeisen tischt er Rückensteak vom Bechlin-Beef mit Kräuterbutter und grünen Bohnen auf.


Mir gefällt, dass er sich traut, das Kotelett vom bunten Bentheimer Schwein mit Pfifferlingen und Blaubeeren zu kombinieren und Hähnchenbrust unter der Bautzener Kruste mit Kraut und Rüben zu inszenieren. Und ich weiß von der Kochfamilie, dass seine Kalbsbäckchen nahezu legendär sind.

Und komisch, keiner regt sich auf, weil Bautzen nicht in Brandenburg liegt. Geschmack kommt für ihn immer zuerst. Das gilt auch für die Rigatoni mit Käse-Speck-Soße, Spinat und weißen Bohnen, die Möhrenpfannkuchen mit Spitzkrautsalat, oder das Zanderfilet im Serrano-Schinkenmantel auf geschmorten Dillgurken. Zum Nachtisch gibt’s Variation von Sommerbeeren, Mallorquinischer Mandelkuchen mit eingelegten Aprikosen und Karamelleis, Eis in allen Geschmacksrichtungen und/oder deftige Käseplatten.


Zur Klarstellung: Die Karte habe ich noch nicht getestet. Deswegen wird mein MGQ auch nur punktuell und nicht vollständig ausgewiesen. Dazu war der Interview-Termin zu früh angesetzt und meine Zeit zu kurz, um genussvoll zu verweilen. Mein individuelles Menü steht aber gedanklich schon fest. Verrate ich aber noch nicht. Nur so viel: Ein ausgesprochen süßer Gang wird nicht dabei sein. Max steht auf Käse, der angeblich den Magen schließen soll. Es ist jedenfalls bereits gebont, dass es demnächst ein Arbeitsgespräch, ich mag Brainstorming begrifflich eher nicht, in Sachen Kochfamilie geben wird. Da teste ich den Achilles auf Aubergine, Bechlin-Beef & Co.

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Aber so ganz wie der geschmacklich Unbedarfte von Achilles rede ich trotzdem nicht. Denn ich habe beim Finsterwalder Kochfamilientreffen eine erstklassige Kreation von Ralf buchstäblich genossen. Dort hat er eine fantastische Karpfenpraline mit Blutwurst Krüger-Kersten-Schaum und Rahmsauerkraut auf den Teller gezaubert.


Donnerlippchen. Das war Achilles vom Feinsten, traf ganz Max‘ Gaumen und war zudem sehr attraktiv, aber nicht übertrieben artifiziell angerichtet. Mein bescheidener Lohn dafür: Das Foto prägte einen Monat lang das Titelbild meiner Kolumnen. Wie das Rezept zu diesem tollen Gericht „geht“, kann man hier nachlesen. Aber dafür muss man als Laie üben. Der Geschmack wird für die Mühen lohnen. Versprochen.


So, genug gesabbelt. Ergänzt wird dieser kurze Bericht mit einer ausführlichen Bewertung des Menüs, das ich mir bald einverleibe. Und ich werde den Ralf auf dem Schirm behalten und neugierig sein, was er sich immer wieder kulinarisch einfallen lässt. Dazu gehören nämlich auch interessante Themenabende wie Expeditionen ins Bierreich, Liaisons aus Wild & Fleisch oder Whisky-Circles.

Etwas mehr gestalterische und strukturelle „Gefälligkeit“ könnte die Homepage des Restaurants vertragen. Das kann man redaktionell und auch im Bild besser in Szene setzen. Und auch die Aktualität kommt mir hier und da auch ein wenig zu kurz. Aber das kann man ja auch ändern. Die Straßenbahnlinie nach Berlin wurde schließlich auch nicht an einem Tag erbaut. Ralf Achilles, der sich als technisch-gestalterischer Laie outet, hat schließlich Freunde, die dem Internet-Auftritt mehr schönblickenden Geist einhauchen können.


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    Max’ Geschmacks Quotient (MGQ)

Der MGQ ist der Quotient aus der Summe der Einzelbewertungen in Bezug auf 
Angebot / Geschmack / Präsentation / Preis-Leistung / Service / Ambiente / Konzept

Kategorie: Restaurants - Juni 2019
aktuell noch nicht abschließend bewertet

  • Angebot 92%
  • Geschmack 95%
  • Präsentation 95%
  • Preis-Leistung %
  • Service %
  • Ambiente 93%
  • Konzept 94%

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