Geschmackssache: Max is(s)t wissenschaftlich…

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Max' Kulinarische Kolumne - Burger "Der schöne Jacques/Max"

Ein Sprichwort sagt, dass ein gelehrter Bär im Wald nicht weit kommt. Kulinarisch gesehen soll das wohl heißen, dass Meister Petz vor der Beute verhungert, wenn er zu dusselig damit umgeht. Was der These von der Wissenschaft als brotlose Kunst stützt. An solche Sprüche musste ich denken, als mir ein Buch mit dem bezeichnenden Namen „Burger unser“ in die Hände kam. Denn es stellte sich heraus, dass es nahezu eine wissenschaftliche Abhandlung über die Herstellung der monströsen Dinger handelt, die man mit einem gelben M in Verbindung bringt. Die sind eigentlich so gar nicht mein Ding.


Diese Burger-Bibel aber hat mich eines Besseren belehrt. Das sind kleine Menüs in faszinierend geschmacklicher und optischer Vielfalt. Das Buch darf man, der darin enthaltenen Wissenschaft geschuldet, nicht lesen. Das muss man studieren. Und nicht im Sessel, sondern am Küchentisch, mit Bleistift und Zettel. Schon für die Terminologie ist ein Semester Studium erforderlich. Das Drunter und Drüber heißt nämlich Bun. Gemeint ist das Brötchen drum herum. Ich nenne es mal Ober- und Unterbau. Und was das Bun auf die Mütze bekommt, heißt Topping. Quatsch, das ist eben der Schmuck des Oberbaus. 

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Das Drin heißt Patty und besteht aus Blends. Das ist das Grundlagenstudium für die Herstellung der Klopse und die Zusammensetzung des Fleischs. Max übersetzt das mit Grundlage und Machart. Und zu guter Letzt gibt es noch die Soßen und Beilagen. Das ist erstaunlich simpel und lasse ich sprachlich durchgehen. Alles klar? Wohl eher nicht. Faust lässt grüßen: „Ich bin so klug als wie zuvor…“ Egal, nichts wissen, macht nichts. Hauptsache, man weiß, wo es steht und wie es geht.


Ich stelle Ihnen mal das Innenleben eines Burgers vor, der ganz nach meinem Geschmack ist. Der heißt  „Der schöne Jacques“. Bei mir heißt der Jakob aber Max. Man(n) gönnt sich ja sonst nichts. Dessen Ober- und Unterbau ist ein Brötchen aus einer Kartoffel-Teigmischung. Geschmückt wird das Ganze mit Haferflocken. Drin ist ein flacher gebratener Klops aus Kalbfleisch. Beilagen sind eine würzige Mischung aus Karotte, Chili und Ingwer, eine Paste aus Erbsen und als Krönung Jakobsmuscheln. Bescheiden nenne ich die nicht in Max um. Auch Pancetta kommt zum Einsatz. Sie wissen schon, das ist deftiger, luftgetrockneter Bauchspeck vom Schwein.


Das alles, und mehr, wird gut gewürzt kunstvoll zwischen Ober- und Unterbau gestrichen und geschichtet, so dass ein Burger neuen Typus entsteht. Mir hat das Ding jedenfalls die Sprache verschlagen. Allein deshalb, weil man davon ganz schön Maulsperre kriegt. Der kluge Bär, pardon: Mann, schneidet sich den Problemburger aber mit einem Steakmesser in mundgerechte Teile. Dafür braucht man nicht mal ein Studium.


Das genaue Rezept müssen Sie sich diesmal wahrlich von bekannter Quelle aus dem Internet ziehen. Dort stelle ich auch noch weitere „wissenschaftliche“ Grundlagen vor. Die sind für mich der Beleg für die Richtigkeit der These, dass die Wissenschaft die Jugend nährt und das Alter ergötzt, wie Cicero weiland sagte. Denn Essen soll ja bekanntlich der Sex des Alters sein. Alles „dumm Tüch“. Der wahre Geschmack kommt eben meist erst im Alter.

Diese Kolumne erschien am 13. Juni 2017  in der Schweriner Volkszeitung.

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