Geschmackssache: Max is(s)t verlustfrei…

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Max' Kulinarische Kolumne - Kartoffelküchlein mit Kräuteröl

Dieser Tage sagte mein Kneiper zu mir: „Gestern war hier der Verlust der Muttersprache angesagt.“ Soll wohl heißen, die Gäste haben (mindestens) einen mehr getrunken, als sie Durst hatten. Da kann es schon mal zu Lautverschiebungen kommen. Geiler Spruch jedenfalls. Nun denken Sie aber nicht, es gilt heute das Motto: „Das bisschen, was ich nicht esse, kann ich auch trinken…“ Ich werde Ihnen kein Gericht andrehen, von dem Sie „trunkig“ werden und sprachliche Aussetzer bekommen. Aber ein wenig flüssig soll es schon sein.


Denn: Ich habe mir eine Karaffe zugelegt, in der man Kräuteröl selbst zubereiten kann. Und richtig: Ich verwende das Gefäß, um „mein“ Kräuteröl zu kreieren. Ist eigentlich ganz einfach, weil weitestgehend kreative Kür. Was rauskommen soll, ist ein schmackhaftes, gesundes Öl, das man vielseitig einsetzen kann. Am besten ist, Sie verwenden geschmacksneutrales Öl, etwa aus Sonnenblumen oder Raps. Wenn vorwiegend mediterrane Kräuter zum Einsatz kommen, eignet sich auch gutes, mildes Olivenöl. Da sollten Sie nicht auf die Mark, respektive den Euro schauen.

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Für das feste Innenleben des Öls können Sie eigentlich alle denkbaren Gewürzkräuter verwenden und sich geschmacklich austoben. Für mein Öl, das die nächsten 14 Tage „reift“, habe ich ein paar Knoblauchzehen halbiert, drei schöne Chilischoten erworben und Rosmarin, Thymian, etwas Salbei, zwei Lorbeerblätter, bunte Pfefferkörner und Basilikum eingesetzt. Einiges davon gibt immerhin mein Kräuterbalkon her. Das alles kommt in die gut gesäuberte und trockene Flasche und wird dann bis zur Halskrause im Öl ertränkt, damit keine Luft rankommt, oder die Bestandteile dem Schimmel ausgesetzt sind. Ist das Öl einmal zur Verwendung freigegeben, kann man immer auch wieder etwas nachschütten, damit eben dieser Schimmeleffekt nicht eintritt.


Nun haben Sie die Qual der Wahl, das würzige Öl in diversen Speisen zu verarbeiten. Ich schlage vor, sich mal an eine Art Kartoffelküchlein zu wagen. Weitere Anregungen zum Thema gibt’s in meiner virtuellen Rezeptothek. Mischen Sie für die Küchlein einen Teil, etwa 100 Gramm, Dinkelmehl mit fünf Teilen Weizenmehl. Dann lösen Sie einen Teelöffel Zucker und gut einen halben Würfel Hefe in einem Viertelliter Wasser auf.


Alles rein in eine Mulde des Mehls, alles abgedeckt eine Viertelstunde gehen lassen, dann gut kneten, Salz und drei Teelöffel Olivenöl hinzugeben. Nochmals kneten, warmstellen und eine Dreiviertelstunde gehen lassen. Nach wiederholtem Kneten Küchlein, etwa so groß wie ein kleiner Handteller, formen und auf mit Backpapier ausgelegte Backbleche geben. Darauf kommt noch eine Mischung aus feingemörsertem Fenchelsamen und reichlich einem halben Pfund Schmand.


Bekrönt wird das Ganze mit hauchdünnen Scheiben roher Kartoffeln mit Schale und etwas weiterem Fenchelsamen. Nun werden die Küchlein bei 180 Grad etwa eine halbe Stunde gebacken und im warmen Zustand mit dem Kräuteröl bestrichen. Wer dazu eine bissfeste Zugabe braucht, kann dünne Scheiben würziger Paprikawurst wie Chorizo dazugeben oder ganz zum Schluss leicht mit erwärmen.


Dazu mundet ein Glas guten Rotweins. Oder Sie gönnen sich danach einen Köm, ohne bei dem Wort „Donaudampfschifffahrtsgesellchaft“ sprachliche Defizite fürchten zu müssen.

Diese Kolumne erschien am 15. Juli 2020 in der Schweriner Volkszeitung.

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