

Es hat sich sicher herumgesprochen, dass ich ein Faible für geflügelte Worte besitze. Dass diesbezüglich das Internet eine endlose Fundgrube ist, dürfte niemand verwundern. Auf diesem Weg habe ich auch das Adjektiv zu dieser Kolumne gefunden und für gut befunden, denn es bietet viele Facetten der Auslegung. In kulinarischer Mission greife ich aber auch täglich gedruckte Anregungen auf, die meine private Bibliothek reichlich bietet. Entdeckungsvergnügt wie ich bin, habe ich heute wieder einmal den Altmeister Kurt Drummer bemüht, der mich schon ein Vierteljahr kulinarik-wissenschaftlich beschäftigt. Sie ahnen gar nicht, wie spannend die Lektüre seiner Kochbücher ist und die kochende Kreativität anregt.
In Wismar waren kürzlich die 22. Heringstage. Ich habe die Gunst der Stunde genutzt und ein paar von den fangfrischen Dingern erworben und als gefüllte Variante zubereitet. Ähnliches steht zwar bereits in meiner Rezeptothek, aber die Kombination mit Drummers Zutaten geben dem Ganzen ein besonderes geschmackliches Vergnügen.
Also Marsch an den Küchentisch: Die gut gewaschenen und geschuppten, vom Kopf entfernten und entgräteten Fische werden innen leicht gesalzen und gepfeffert. Für die Füllung schwitzen Sie feingehackte Zwiebeln und Schwarzbrotwürfelchen in Margarine an und würzen ebenfalls mit Pfeffer und Salz. Alles gut durchschwenken, mit verquirlten Eiern durchrühren und rasch wieder vom Herd nehmen.
Diese Mischung wird auf die Innenseiten eines Herings gestrichen und ein Double davon daraufgelegt und fest angedrückt. Der Herings-Doppeldecker wird nun in Mehl gewendet und durch mit Muskat und gehackter Petersilie gewürztem Ei gezogen. Sodann in Semmelmehl wenden, nochmals gut andrücken und in heißem Öl beidseitig goldbraun braten. Das reicht für zwei Personen für ein deftiges Frühstück bzw. empfiehlt sich als schmackhafte Kombination mit Kartoffelstampf oder Kartoffelsalat und Beilagen wie Rote Bete und Zitronenecken.
Eine andere Variante, Fisch schmackhaft in Szene zu setzen bietet Ronny Siewert aus Heiligendamm, der gemeinsam mit Andre Münch aus Warnemünde sozusagen der Doyen des Kulinarischen Corps des Landes ist. Er bereitet ein geiles, portioniertes Hechtfilet als Vor- oder Hauptspeise zu. Der Fisch wird mit einer Mischung gewürzt, die Sie samt einer Empfehlung für eine Kombination mit einem Gazpacho meiner Rezeptothek entnehmen und kreativ anpassen können. Mit etwas Olivenöl mariniert wird das Filet, alternativ kann man auch anderen Fisch wie Zander, Kabeljau oder Heilbutt verarbeiten, mit Klarsichtfolie bei 65 Grad Umluft etwa eine Viertelstunde in den vorgeheizten Ofen gegeben.
Zum Schluss werden die Filets in aufgeschäumter Butter in einer Pfanne kurz arrosiert, also übergossen. So entfalten sich sie Aromen, der Fisch bekommt nochmal Temperatur und einen feinen, nussigen Geschmack. Es darf ideenreich angerichtet werden. Das gönne ich mir in Kürze. In diesem Sinn: Ich wünsche Ihnen vergnüglichen Erfolg beim Ausprobieren meiner Rezept-Ideen ... Mahlzeit.
Das Kolumnen-Titelfoto für den Monat April zeigt ein Gericht aus dem aktuellen Menü im Restaurant von Joannis Malathounis in Kernen-Stetten im Remstal: Süsswassergarnele | Krustentiertapioka | Alblinsen | kandiertes Eigelb
Diese Kolumne erschien am 5.4.2025 in allen 9 Regionalausgaben der Schweriner Volkszeitung, in den Norddeutschen Neuesten Nachrichten und im Prignitzer sowie in 10 Regionalausgaben des Nordkurier in MV und der Uckermark.
Hier finden Sie ein paar Vorschläge zum Weiterlesen.
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