Geschmackssache: Max is(s)t befreundet…

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Max' Kulinarische Kolumne - Zwiebelsuppe mit Käse-Crostini

Alle Welt spricht von Facebook, obwohl es manche nicht mal richtig aussprechen können. Über diesen Kanal soll oder will man sich mit Freunden umgeben und mehr oder weniger sinnig austauschen. Na gut, immerhin kann man sich die, anders als bei Verwandten, aussuchen. Meine etwas über 1.600 Facebook-Bekannten nenne ich aber vorsichtiger Weise nur Kontakte. Weil: So mancher entpuppt sich als übler Dampfplauderer, Blender und Möchtegern. Blockieren. Andere sind  sehr sympathische Typen, bei denen man sofort Freundschaft im  Geiste spürt.


Einer von meinen gut vier Fünftel Kontakten aus dem kulinarischen Umfeld ist der Österreicher Paul Ivic, den ich auch persönlich kenne. Er ist der einzige Sternekoch aus dem Nachbarland, der ein vegetarisches Restaurant betreibt. Aus seinem Winterküchen-Kochbuch habe ich mir eine Zwiebelsuppe mit Käse-Crostini herausgesucht. Dazu kommt für vier bis sechs Personen ein Kilo Gemüsezwiebeln unters Messer. Schälen, halbieren, die einzelnen Schichten trennen, in ungleich große Stücke schneiden und in drei Esslöffel Kokosfett eine knappe halbe Stunde sanft garen. 

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Danach die Zwiebeln mit einem Teelöffel edelsüßem Paprikapulver bestäuben, mit 100 Milliliter Weißwein ablöschen und diesen fast völlig reduzieren lassen. Nun müssen zwei Liter Gemüsefond samt vier Pfefferkörnern, vier Zweigen  Zitronenthymian und zwei Lorbeerblättern in den Topf. Alles aufkochen lassen und etwa eine dreiviertel Stunde bei niedriger Hitze ganz leicht (!) köcheln lassen.


Für die Crostini wird der Backofen auf 150 Grad Oberhitze vorgeheizt. Sodann werden zwei Esslöffel Butter zerlassen und darin je Esser eine  Brotscheibe von beiden Seiten angeröstet. Die werden auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech gegeben, mit einem Gemisch aus 300 Gramm Bergkäse, grob zerstoßenem Pfeffer, Kümmel und nochmals edelsüßem Paprikapulver bestreut und etwa fünf Minuten im Ofen gratiniert.


Den Gemüsefond bereitet der Koch übrigens selbst zu. Dazu schneidet er vier Karotten, eine Knolle Sellerie und eine Petersilienwurzel sowie zwei Stangen Lauch, vier Zwiebeln und einen halben Kopf Wirsing in ca. ein Zentimeter große Stücke und lässt die in reichlich drei Liter Wasser samt zehn Pfefferkörnern, Salz, zwei Esslöffeln glutenfreier Miso-Paste, zehn Zweigen Petersilie und vier Lorbeerblättern aufkochen und bei mittlerer Hitze auf- und dann auf anderthalb Liter Fond einkochen. Abseihen und sofort verwenden, oder gut gekühlt aufbewahren.


Die Zwiebelsuppe in Kombination mit den Käse-Crostinis schmeckt gar trefflich und hat eine recht belebende post-kulinarische Wirkung. Der Paul nimmt es mir natürlich nicht übel, dass ich das Ganze mit etwas Bissfestem kombiniert und zu den Crostinis eine grobe Bratwurst aus Ludwigslust in Szene gesetzt habe. Dazwischen mal ein Löffel der köstlichen Suppe und ein Schluck helles Köstritzer. Das ist so ganz nach Max‘ Geschmack.


Und was hat das nun mit Freunden zu tun? Ganz einfach: Paul Ivic hat mir handschriftlich in sein Kochbuch geschrieben: „Mit den Zutaten ist es wie mit Freunden… Je sorgfältiger ausgewählt, desto größer die Freude.“ Wie recht der Mann doch hat. Das könnte zu meinem Leitspruch werden.

Diese Kolumne erschien am 14. November 2017  in der Schweriner Volkszeitung.

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