Seiten-Blicke: Kulinarisches Müritz-Potpourri

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Geschmackvoll: Der Weg zum Genuss

Wie schnell die Zeit vergeht. Das ist bereits meine 50. Folge im Rahmen der "Kochen & Genießen"-Seite. Grund genug, wieder einmal auf kulinarische Entdeckungstour zu gehen. Die Müritzregion war das Ziel meiner Begierde. Auch diesmal kann ich Grundsätzliches vorwegnehmen: Das gastronomische Angebot ist ebenso vielseitig wie reichhaltig. Im Detail wird wohl aber mit dem Begriff regionale Küche etwas inflationär umgegangen. Soll auch heißen, nur verlockende Bezeichnungen machen den Geschmack eines Gerichts und den Anspruch der Regionalität nicht aus. Diese Lokalitäten lasse ich aber aus gutem Grund aus. Es gibt genug Gutes zu berichten, wenngleich man auch die sehr wohl vorhandenen Unterschieden in Qualität und Präsentation der Speisen nicht einfach unter den Tisch kehren sollte. Eindeutige Regel: Essen gewinnt nur durch Frische, aber auch durch gekonnte Kombination von Produkten und Aromen sowie ansprechende Präsentation. Das schätzen leider viele Gäste noch immer weniger als einen vollen Teller unter dem Motto "viel & billig". Das, meine ich, ist der falsche Weg zum Genuss und verkommt zu reiner Nahrungsaufnahme. Wer macht denn sowas...

Waren/Müritz. Die kulinarische Müritz-Rundreise beginnt am Ostufer des riesigen Binnensees in Boek. Im Hotel Müritz-Park gibt's ein Restaurant "Auszeit". Das hat seinen Namen verdient. In schlichtem, naturbezogenen Ambiente wird hier echte Frischeküche mit Zutaten der Region angeboten. Dazu gehört Fisch aus der Müritz und Wild aus heimischen Wäldern. Empfehlenswert die Boeker Fischpfanne oder der deftige Hirschbraten. Wenige Kilometer weiter lädt die rustikale Bolter Mühle zum Verweilen ein. Da ist zwar Winterschlaf bis Ostern. Aus eigenem Erleben kann ich aber die Speisen sehr empfehlen. Hausgemachte Gerichte mit Pfiff und Schmackes. Der Fischtopf vom Feinsten. Fisch und Co. wird auch in Rechlin im "Spinnaker" oder im gleich daneben liegenden "Möwennest" angeboten. Keine Nobelläden, aber ehrliche Hausmannskost. Gerade richtig für die Rast bei der nächsten Müritzwanderung.

Etwas abseits der Müritz liegt die Scheune Bollewick. Die bietet nicht nur einen Marktplatz für tausendundeine Kleinigkeiten, sondern mit der Dorfschenke und dem Gutsherrenkeller ländlich geprägtes gastronomisches Flair mit den rustikalen Speisen und Scheunenklassikern. Landküche eben, die nicht unbedingt etwas für Kalorienzähler ist. Weiter geht's ins benachbarte Röbel. Dort hat es mir vor allem die Müritz-Terrasse, ein schlicht-elegantes Restaurant mit herrlichem Seeblick und mit einer Küche mit Anspruch, angetan. Das trifft im besonderen auch auf das Gutshaus Ludorf zu. Dort werden im Restaurant "Morizaner" vor allem regionale Produkte raffiniert kombiniert und in Szene gesetzt. Sie wissen schon: Das Auge isst mit.

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Im Ambiente und Angebot ähnlich sind Landhotels wie in Gotthun, Sietow und Sembzin. Auf den Tisch kommen ohne viel Schnickschnack und meist monströs aufgemacht die üblichen Verdächtigen von Soljanka über Schnitzelvariationen bis hin zu Steaks mit wohlklingenden Namen. Durchweg empfehlenswert sind aber, so frisch verarbeitet, die Fischgerichte wie Zander, Wels oder Maräne. Besonders reizvoll liest sich für mich die Sembziner Speisekarte. Leider Ruhetag. Wenn geöffnet, sollte man sich auch die Alte Stellmacherei in Sietow zu Gemüte führen. Das werde ich nachholen.

Nicht vorbei kommt man sprichwörtlich an Klink. Das ehemalige von-Schnitzler'sche-Schloss wartet im Restaurant "Garten Eden" und im "Ritterkeller" mit royaler Dorade oder Hirschrücken im Kräuter-Pfeffer-Mantel ebenso auf, wie mit glasierten Linguini (flache Spagetti) mit gegrillten Garnelen und Jakobsmuscheln oder einer zünftigen Brettljause. Ich kam an den Linguini nicht vorbei. Echt Klasse. Wenige Meter weiter gibt's im Gutshaus am Schloss Klink amerikanische Küche mit saftigen Steaks und Burger-Variationen aller Couleur. Das war mir dann doch zu viel. Ich wollte nach Waren.

Die "Hauptstadt" der Müritzregion ist ein wahres gastronomisches Eldorado an Kneipen, Gasthäusern und Restaurants. Die kann man im Rahmen einer solchen Seite nicht mal im Ansatz halbwegs beschreiben. Empfehlenswert neben der leider noch größtenteils geschlossenen Hafengastronomie sind in der historischen Altstadt der urig-gemütliche Ratskeller-Brauereigasthof mit Leckereien deftig-regionaler Küche sowie einer reich gedeckten Fischtafel. Mich hätte der Maränenkaviar gereizt. Bestellt habe ich mir aber als kleine Nachspeise ein Rindercarpaccio. Leider geschmackliche Fehlanzeige. Die Mikrowelle ließ grüßen. Ebenfalls auf Brauereigenüssse ausgerichtet ist das Brauhaus am Tiefwarensee. Küche brautypisch mit regionalen und saisonalen Schmankerln inklusive diverser Biersorten, die fachkundig erläutert werden.

Fest avisiertes Ziel aber war für mich das Restaurant "Kleines Meer" im gleichnamigen Hotel am Warener Alten Markt. Das hat ein dezent-elegantes, modernes Ambiente und einen wunderschönen Blick auf die Müritz. Küchenchef Hendrik Türk und sein Team bringen Gerichte auf den Tisch, die er selbst als einfache, aber überraschende Küche "rund um die Müritz" mit internationalen Einflüssen definiert. Türk: "Die Produkte müssen gut, durch unser Handwerk perfekt zubereitet und attraktiv in Szene gesetzt sein." Das gelingt ihm trefflich: Die auch individuell auswählbaren Menüteile sind sehr sorgfältig ausgewählt und kombiniert. Mein Favorit ist das Menü Kleines Meer, bestehend aus Entenleber, Steinpilz-Cremesuppe, gebratenem Störfilet mit Schwarzwurzeln und Flusskrebsen, in Rotwein geschmorter Kalbsschulter und Spekulatiusmousse mit Sauerkirschsorbet. Auch dazu hatte ich keine Muße. Das möchte ich dann schon mit meiner Frau genießen, zumal das Haus auch "Zimmer mit Aussicht" bietet.

Letzte Ansage: Wer dann Waren in Richtung Malchow verlässt, sollte in Roez mal in der Alten Schmiede anhalten. Dort warten im Restaurant "Smädstuv" auch die eine oder andere kulinarische Überraschung mit Gerichten rund um die Tüfften. Man sagt, dass es dort beim Alt-Mecklenburger Kartoffelgelage kulinarisch recht zünftig zugehen soll. Das nur als abschließender Geheimtipp...

 Diese Kolumne und dieser Beitrag erschienen im Rahmen der Seite
"Kochen & genießen" in der Schweriner Volkszeitung vom 24. Februar 2015.

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