Seiten-Blicke: Ein kulinarischer James Bond

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Geschmackvoll: Kochende Kreativität

Wenn wieder einmal Besuch ins Haus steht, ist oft guter Rat teuer, was man auf Tisch bringen soll: Zum Grillen ist das Wetter nicht wirklich ideal. Wiener Würstchen und Kartoffelsalat hat es erst beim letzten Mal gegeben. Wurst- und Käseplatten werden auf Dauer schon mal langweilig. Und ein riesiges Menüs soll es schließlich auch nicht sein. Eine pfiffige Idee ist dann immer, wenn man einmal in die etwas exotischere kulinarische Trickkiste greift. Da gibt es tausendundeine Ideen, die beileibe keine Kochausbildung oder einen extra Kochkurs erfordern. Ganz im Gegenteil, mit meist einfachen Zutaten und ein wenig Mut zum außergewöhnlichen Gewürz kann man geschmackliches Entzücken bei seinen Gästen entfachen. Wenn es dazu noch ein paar passende Erläuterungen und einen guten Tropfen gibt, steht einem ebenso gemütlichen wie anregenden Abend in geselliger Runde nichts mehr im Wege. Die einzige Hürde bei solchen Aktionen: Man muss sich ein wenig über passende Zutaten und Gewürze schlau machen und einen Laden finden, der das alles im Angebot hat. Aber diesbezüglich sind die Möglichkeiten schon recht ausgereift. Man kann sich ja schließlich gut vorbereiten. Das macht zudem Spaß und fordert die eigene "kochende" Kreativität heraus.

Schwerin/Heilbronn. Sein Name: Karl Röske. Sein Job: Foodhunter mit der Lizenz zum Entdecken. Seine Mission: Der Menschheit vergessene oder noch unbekannte Lebensmittel zugänglich zu machen, die zudem gesundheitlich vorbeugende oder heilende Aspekte beinhalten. Er ist also eine Art kulinarischer Geheimagent. Röske lacht und meint augenzwinkernd: "Mit James Bond hat das nicht viel zu tun. Ich bin sozusagen ein Jäger des guten Geschmacks, schaue auf meinen Reisen Köchen und Privatpersonen in die Töpfe, rede mit Winzern, Destillateuren, Schokolatiers. Und ich sauge aus ihren Erfahrungen den Nektar, der zu neuen kulinarischen Erlebnissen führt."

Wozu, frage ich Röske, braucht die Welt angesichts einer riesigen Lebensmittelindustrie solche Foodhunter wie ihn? Seine Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: "Gerade die gehobene Gastronomie wünscht immer wieder neue und unbekannte Geschmacksrichtungen. Demzufolge helfe ich beispielsweise Köchen mit meinen Erfahrungen, Produkten und Gewürzen auf die kulinarischen Sprünge." Außerdem, so Röske weiter, wüsste ohne ihn viele Köche, Privatpersonen und Unternehmen nichts über die vorbeugende oder heilende Wirkung von Lebensmitteln. So würden seine Entdeckungen nicht nur die Gastronomie bereichern, sondern auch die Forschung, wenn es beispielsweise um gesunde Kraftnahrung gehe.

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Meinem Einwand, Normalverbraucher und auch Köche wüssten im Detail nicht richtig mit Gewürzen aller Couleur umzugehen, begegnet Röske gelassen. Sein Argument: "Man kann ein Essen nicht wirklich überwürzen. Man kann es höchsten versalzen. Wenn ich sehe, wie und wie viel in anderen Ländern gewürzt wird, kann man nur staunen." "Wir sollten hier viel mutiger sein und auch gerade die Frische mit einbeziehen", so sein Plädoyer. Vor allem aber, meint der Foodhunter, sollte beim Kochen alles Natur sein. Genprodukte, im Labor erzeugte Nahrungs- und Lebensmittel wie Analogkäse haben in der Küche nichts zu suchen. Seiner Meinung begehen die Verbraucher den Fehler, dass alles schnell gehen muss und man einfach zu ungesund und zu einseitig isst.

Karl Röske weiß aber auch, dass uns die Natur alles zu bieten. Der Fehler liegt nur darin, dass man Wissen in ernährungstechnischer Hinsicht oft nicht gezielt einsetzt, oder dieses Wissen nicht mehr abrufbar hat, weil es verloren gegangen ist. Das Ziel müsste sein, so seine Überzeugung, das Wissen der Großmütter wieder zu aktivieren, die nicht nur sehr bodenständig-delikat sondern vor allem auch gesundheitsfördernd kochen konnten.

In diesem Sinne ist sich Röske mit seinem Freund Peter Franke aus dem Spreewald einig, dass wahrlich gegen alles ein Kraut gewachsen ist. Da ist es, schmunzelt Röske, gar nicht so dumm, wenn sich der Koch wie im arabischen Raum seinen Gästen gegenüber auch als Arzt versteht. Gesundheit kann man schmecken, essen sollte man deshalb auch als Therapie verstehen. Das gelte gleichermaßen für das Kochen am eigenen Herd.

Für diese ebenso schmackhafte wie gesunde Küche hat, unterstreicht Karl Röske, der deutsche Garten alles zu bieten. Das reicht von Karotte über Anis und Beifuß bis hin zu Fenchel und dutzenden anderen Zutaten für die Küche. Röske: "Genauso können wir aber von der Goji Beere bis zum Wasabi Dinge aus anderen Ländern in unseren Garten bringen, die auch in heimischen Gefilden wachsen." Seine Reisen nach Südamerika, Asien oder in Europa seien in diesem Sinne immer dann vom Erfolg gekrönt, wenn er Produkte und Ideen mitbringt, die den heimischen Küchenzettel ergänzen. Damit das logistisch gut klappt, weiß Röske als kulinarischer 007 übrigens "seine Miss Moneypenny" virtuell an seiner Seite: Lebensgefährtin Christina Pohl bereitet seine Reisen mit vor und sichert ihm von zu Hause aus das Hinterland ab, wie er es scherzhaft nennt. Ganz zu schweigen davon, dass sie es auch trefflich versteht, seine geschmacklichen Intentionen umzusetzen.

Diese Kolumne und dieser Beitrag erschienen im Rahmen der Seite
"Kochen & genießen" in der Schweriner Volkszeitung vom 27. Januar 2015.

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