Ich lass’ die Musik nie vorbeigehen…

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Dagmar Frederic feiert runden Geburtstag und spielt die Rolle ihres Lebens

BERLIN   In Eberswalde geboren studierte sie nach einer Lehre als Apothekenhelferin in Berlin an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler". Der legendäre Fernsehunterhalter Heinz Quermann entdeckte sie schließlich für die Bühne. Da ihr Geburtsname Schulz gesangs- und showtechnisch schon besetzt war, verpasste ihr Mentor und Gesangspartner Peter Wieland einen passablen Künstlernamen: Dagmar Frederic war geboren.


Sie sang fortan unter diesem Namen zahllose Schlager, Evergreens, Musical-Melodien und eroberte auch als charmant-eloquente Moderatorin die Herzen ihres Publikums. Sie hat nicht einmal Probleme damit, dass sie als "Valente des Ostens" bezeichnet wird. "Na und", meint die Frederic im Gespräch, "diese Bezeichnung hätte mich doch nicht besser treffen können. Schließlich bin ich unter anderem wegen Caterina Valente und Bärbel Wachholz überhaupt in die Unterhaltung eingestiegen."

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Und nun die "Dolly". Wenn man sich ein wenig mit dem Leben der Dagmar Frederic beschäftigt, möchte man meinen, dass das 1964 uraufgeführte Musical eigens dafür geschrieben und komponiert wurde, damit sie 2015 in der Hauptrolle auf der Bühne stehen kann. Denn das ist in vieler Hinsicht die Rolle ihres Lebens. Operndirektor Wolfgang Lachnitt, der die Dolly in Neustrelitz inszeniert, meint: "Dolly Levi, verwitwete Meyer, und Dagmar Frederic - das ist zu 100 Prozent Deckungsgleichheit. Zwischen beide passt kein Blatt Papier." Auch die Künstlerin schmunzelt: "Ja, da ist schon was dran. Mein Leben bietet viele Geschichten, von denen ich keine missen möchte."


In dem Musical singt sie "Ich war immer eine Frau, die gern was arrangiert, teils aus Neugier, teils aus Geldgier, manches Mal..." Kein Problem, ihre Antwort kommt spontan: "Neugier ja und immer. Geldgier bedingt, immerhin schläft man ohne Schulden ruhiger ein. Aber Geld ist längst nicht alles." Auch am Arrangieren mangelt es ihr offenbar nicht. Immerhin ist sie dank musikalischer Begabung und positiver Umtriebigkeit seit 53 Jahren erfolgreich im Show-Business. Und eher beiläufig erzählt sie, dass sie sogar den bekannten Berliner Tierpark-Direktor Heinrich Dathe mit seiner späteren Ehefrau verkuppelt hat. Und einmalig, wie sie als Dolly singt, ist sie sowieso. "Schließlich gibt es mich ja nur einmal", so die Entertainerin lachend.


Apropos Geldgier: Zu dem 10-jährigen Verfahren im Streit um das Erbe des früheren stellvertretenden Kulturministers winkt sie ab: "Keinen Kommentar mehr." Lässt aber dann doch wissen, dass sie sich von Gazetten aller Couleur in den medialen Dreck getreten fühlt. Sie werde im Übrigen künftig überall und lautstark dagegen argumentieren, dass Rechtsanwälte Betreuer sein dürfen. Die gelegentlich kolportierte Aussage, dass sie wegen des Ausgangs dieses langwierigen Verfahrens ihr Haus in Woltersdorf mangels Masse in der Kasse verkaufen musste, verweist sie ins mediale Märchenreich. Der Umzug war längst geplant Nun fühle man sich in der großzügigen und ruhig gelegenen Wohnung im Berliner Südosten sehr wohl.


Die Frederic und die Männer sollen auch nicht unerwähnt bleiben. Sie streckt die Hände wohlig über den Kopf und meint: "Auch das ist ein Teil Dolly an oder in mir. Jede Beziehung war zu ihrer Zeit genau die richtige Entscheidung. Das trifft auch auf Peter Wieland zu, den ich heute bei gemeinsamen Auftritten als früheren Geliebten, Ehemann und guten Freund ankündige. Darauf möge sich jeder seinen Reim machen."Ihr privates Refugium jedenfalls ist heute die Zweisamkeit mit Ehemann Klaus, der ihr in jeder Beziehung zur Seite steht und der ruhende Pol in ihrem Leben ist.


Und wie sehr trifft sie der oft hämisch vorgetragene Vorwurf, Erich Honeckers Liebling gewesen zu sein? Gar nicht, so die nicht unerwartete Antwort. Frederic: "Jeder Staat schmückt sich mit seinen bekannten Gesichtern. Ich war vor allem wegen der Qualität meiner Arbeit gefragt. Es ist außerdem bekannt, dass eher Katja Ebstein Honeckers Liebling war." Auch die Tatsache, dass sie seinerzeit im neuen Friedrichstadtpalast das erste Lied singen durfte, erfüllt sie noch heute mit Stolz. Es war ihr in Anwesenheit des gesamten diplomatischen Korps eine Ehre in dem Revuetheater zu singen, das sie noch heute als ihr künstlerisches Wohnzimmer ansieht.


Den Rummel um ihre "Ehrenbezeigung" bei der Enthüllung Honeckers Wachsfigur in Berlin sieht sie übrigens sehr gelassen. Im Nachhinein freue sie diese eher lustig-spontane Entscheidung sogar. Es wurde über sie geredet und Deutschland hatte neben dem Lieblingsfeind Putin nun auch noch die Frederic. Hausverbot im Palast habe sie aber nicht, stellt sie klar. Da sei wohl dem Intendanten das Wort ein wenig falsch interpretiert worden.


Alles in allem, so Dagmar Frederic, freue sie sich riesig über die Rolle als Dolly, die für sie ein echter Höhepunkt ihrer langen Karriere ist. Immerhin steht sie damit in großen musikalischen Schuhen, aber man könne eben Dolly-Darstellerinnen wie Barbra Streisand, Judy Garland, Dagmar Koller oder Gisela May nicht miteinander vergleichen. Deshalb wolle sie "ihrer" Dolly eine ganz eigene Prägung geben. "Bühnenbild und Maske sind grandios", schwärmt die Künstlerin,


Dagmar Frederic feiert am 15. April ihren 70. Geburtstag und gastiert ab 3. bis 27. Juli im Schlossgarten von Neustrelitz in der Paraderolle als Dolly Meyer. Und sie verspricht wie Dolly, "die Musik nie vorbei gehen zu lassen" und den Beruf erst dann aufzugeben, wenn Stimme, Körper und Geist nicht mehr mitmachen.

Dieser Beitrag erschien am 11. April 2015 im Nordkurier.

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