Geschmackssache: Max is(s)t verführerisch…

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Max' Kulinarische Kolumne - Suppe vom Lila Luder mit Pastinakenherzen & Tafelspitz mit Gemüsejulienne

E-Mail-Post von Ute, der Köksch aus Rosenow: „Lieber Maxe, der Frühling naht, die Knospen sprießen. Ich möchte dich gern mit einem Lila Luder mit Herz verführen.“ Alter Falter, das ging durch Mark und Bein. Die kopfkinotechnische Leinwand war flugs aufgespannt, über die Reizwäsche, Kerzenschein, guter Wein und betörende Musik flimmerten. Wie kommt die Ute bloß darauf, dass ich solchen Reizen erliegen könnte? Aber ich weiß natürlich auch, dass meine kulinarische Freundin aus der „Dörpschaul“ immer etwas um die Ecke denkt und den Schalk im Nacken hat.

Ich nichts wie ran an den PC und eine Nachricht an meinen kochenden Freund Joachim Rummel in Boizenburg abgesendet: Was hat es mit einem Lila Luder auf sich? Der schickte mir einen überdimensional grinsenden Smiley und sendete vielsagend das Wort „Urmöhre“. Und ich hatte nichts Besseres zu fragen, ob nach dem U noch ein „h“ fehlt. Spätestens jetzt aber musste die Suchmaschine ran. Die klärte mich auf: Das Lila Luder ist eine Kreuzung der lila Ur-Möhre mit der orangen Möhre, die wir heute kennen. Das Luder ist innen orange und außen lila, hat also ein durchaus verführerisches Outfit. Außerdem vereint sie den leicht süßlichen Geschmack und den Vitamin A-Gehalt der heutigen Möhre mit Stoffen wie Anthocyanen, die auch in blauen Weintrauben, Johannes- und Brombeeren vorkommen und den Körper gegen Krebs und vor freien Radikalen schützen. Das muss einem doch mal gesagt werden. Aber eigentlich habe ich mir das ja gleich gedacht…

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Sozusagen als „luderliche“ Vorspeise möchte die umtriebige Köksch  mit einer Suppe vom Lila Luder mit Pastinakenherzen und frischen Bärlauchstreifen aufwarten. Die bereitet man für zwei Personen so zu: Eine Zwiebel wird geschält und in kleine Würfel geschnitten. Dann zwei bis drei der „ludrigen“ Möhren putzen, hobeln beziehungsweise in Streifen oder Würfel schneiden sowie zwei bis drei Kartoffeln schälen und würfeln. Nun wird die Zwiebel in Rapsöl angebraten, die Möhre dazugegeben und mitgedünstet. Alles mit etwas Rohrzucker bestreuen und karamellisieren lassen.

Dann kommen auch die Kartoffeln in den Topf, die kurz gedünstet werden. Das Ganze wird mit etwa einem halben Liter Gemüsebrühe abgelöscht und gar geköchelt. Inzwischen schält man eine Pastinake, schneidet sie in dünne Scheiben und sticht oder schneidet daraus Herzchen aus, die in Rapsöl knusprig gebacken und schließlich auf Küchenpapier abgetropft werden.

Die fertige Suppe wird ganz nach Geschmack mit Salz gewürzt, püriert und angerichtet. Obenauf kommen die Pastinakenherzen und in feine Streifen geschnittener Bärlauch. Denkbar ist natürlich auch, die Suppe mit würzig gerösteten Semmelwürfeln anzureichern, die „fürnehm“ auch Croutons genannt werden. Ich würde die leicht in Schinkenspeck schwenken, das ergibt eine besondere Note. Und für den Speck allein reicht mein Appetit auch noch. Sozusagen als anregendes Amuse Bouche.

Für den Hauptgang aber haben wir Männer uns etwas ausgedacht. Joachim Rummel hat einen fabelhaften Tafelspitz mit Meerrettichsoße, Blattsalat und Gemüsejulienne kreiert. Wo Sie das Rezept dazu finden, werden Sie mittlerweile wissen. Da steht auch nochmal die Rezeptur mit dem Lila Luder drin. Ich meine, das alles passt ganz toll in den Frühling, der geschmacklich mit jungem Gemüse, Kräutern und Blüten lockt. Und der Verführungsversuch des Lila Luders in Gestalt der Köksch hat mir wieder einmal bewiesen: Ich könnt‘ Frauen haben. Wenn die nur wollten…

Diese Kolumne erschien am 5. April 2016 in der Schweriner Volkszeitung.

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