Geschmackssache: Max is(s)t verärgert…

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Max' Kulinarische Kolumne - Geburtsttagsmenü mit Überraschungen

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Den Spruch hat weiland Erich Kästner geprägt. Ob er dabei auch an kulinarische Geselligkeit gedacht hat, ist nicht verbürgt. Auf jeden Fall finde ich es gut, wenn sich eine Familie aus gutem Grund ab und zu einmal trifft, um vom Urenkel bis zur Urgroßmutter alle in trauter Runde zu vereinen. So geschehen anlässlich eines 75. Geburtstages in einer bekannten Lokalität zwischen Parchim und Neustadt-Glewe. Und: nein, ich war nicht der Jubilar, obwohl ich manchmal so alt aussehe…

Eigentlich hatte ich mich innerlich auf eine Art samstägliches Brunch-Buffet eingerichtet. War aber nicht. Die Organisatoren hatten sich auf ein ausgedehntes Mittagsmenü verständigt, bei dem auch viel Zeit zum Klönen bleibt. Macht ja nichts, ist bekanntlich Geschmackssache. Was allerdings auf den Tisch kam, hat mich und viele anderen nicht überzeugt. Eine sogenannte Hochzeitssuppe vorab, drei Sorten Fleisch als Hauptgang und ein Dessert als Nachtisch. Ist ja ok, aber sonderlich fantasievoll ist es nicht, an einem Geburtstag eine Hochzeitsuppe zu kredenzen. Die Krönung war allerdings die Zubereitung und der Geschmack selbst. Unter aller Kanone.

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Die, genau genommen, Geburtstagssuppe betrat im Glanze eines einzigen dicken Fettauges/-filmes  den separaten Raum. Ob das Fett oder Öl war, undefinierbar. Geschmacklich wenig abgestimmt. Trotz Gemüse und den obligatorischen (Fertig-)Fleischklößchen ein dürftiges kulinarisches Entrée. Das Schweinefilet kam mit stattlicher Figur daher, war aber bis ins Mark dröge und fast kalt. Beim zum Teil ziemlich lädierten Kasselerbraten mussten offensichtlich auch die letzten Reste herhalten. Und das als eine Art Fleisch Hawaii, also mit Ananas, zubereite Hähnchenfleisch hätte auch eine sorgfältigere geschmacklich-kombinatorische Zubereitung verdient.

Die Krönung aber waren die Soßen. Und jeder weiß, wie wichtig die Max sind. Gereicht wurden drei: Eine undefinierbare braune Buttersoße mit einer zwei Finger dicken Fett-/Ölschicht obenauf und einem erdölartig anmutenden Gemisch aus feinen Semmelbröseln, in denen ein Teelöffel sich standhaft halten konnte. Weiterhin eine Sauce Hollandaise. Die war in jeder Beziehung sowas von „fertig“ und drohte jeden Moment, zu kollabieren, sprich: zu gelieren. Die dritte Soße war Fett unter den Salzkartoffeln. Genau genommen gab es noch eine Alternative, nämlich keine Soße.

Als Nachtisch wurde eine kreativ sehr weit hergeholte Crème brûlée aufgetischt. Das war eine süße Puddingmasse mit Johannisbeeren und einer dünnen Scheibe Kiwi. Zucker zum typischen Karamellisieren war offensichtlich aus und für einen Handgasbrenner war wohl kein Geld da. Zur Ehrenrettung sei gesagt: Das Radeberger war gut temperiert und hat entsprechend gemundet. Davon konnte ich aber als Kraftfahrer leider nur zwei kleine trinken. Danach gab’s Gänsewein.

Fazit: Außer dem schönen Klönschnack und einer gepfefferten Rechnung war alles eine kulinarische Nullnummer. Werbung für M-V geht anders. Ich kenne das Haus noch aus besseren Tagen als ein sympathischer Heidelberger den Laden führte und mit seinem Team für exzellente Küche sorgte. Ein wohlklingender neuer Name ist eben nicht alles. Die kulinarische Wahrheit zeigt sich auf dem Teller. Eine kochtechnische Betrachtung mit O-Tönen von Profiköchen als Anleitung für Hobbyköche zum Handeln in vergleichbaren Fällen gibt’s auf meinem Portal als kritische Zugabe.

Diese Kolumne erschien am 15.12.2015 in der Schweriner Volkszeitung.

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