Geschmackssache: Max is(s)t dual…

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Max' Kulinarische Kolumne - Hering unter der Decke + Janssons Versuchung

Was ich an Ekkehard „Ekke“ Hahn immer wieder faszinierend finde, ist seine Fähigkeit, auch mit seinen blitzenden Augen zu sprechen. Die kochenden Plaudereien mit dem Vollblutschauspieler gehören in diesem Sinne zu den schönsten kulinarischen Erlebnissen, die mir bisher widerfahren sind. Dementsprechend huscht mir stets ein schelmisches Lächeln übers Gesicht, wenn ich hin und wieder eine Botschaft von ihm erhalte.


So in diesen Tagen, als er mir zwei Gerichte aus der Kategorie Jahresendspeisen zusendete. Das eine ist ein traditionelles polnisches Weihnachtsessen und wird „Hering unter der Decke“ genannt. Das andere hat den geheimnisvoll klingenden Namen „Janssons Versuchung“. Den zugedeckten Hering kannte ich aber bereits. Der „gültet“ also nicht, lieber Ekke Hahn. Den nehme ich für mich in Anspruch, zumal der auch ganz einfach zuzubereiten ist.


Dazu legt man mundgerechte Stücke von Matjesfilets in eine Auflaufform. Darauf kommt eine Schicht klein gewürfelte Rote Bete sowie eine weitere Schicht in Scheiben geschnittener, bissfest gekochter und mit gehacktem Knoblauch vermengter Möhren. Damit sind die Schichten noch nicht erschöpft. Denn nun werden hauchdünne rohe Porree-Ringe aufgelegt. Das alles wird mit Salz, Pfeffer und etwas Essig abgeschmeckt. Zuletzt kommt noch eine Schicht klein gewürfelter, hartgekochter Eier zum Einsatz.


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Ekke Hahn will das Ganze mit Mayonnaise abdecken. Abgelehnt, bei mir kommt Crème fraîche zum Einsatz. Diese pikante Schichtspeise wird kühl gestellt. Nicht vergessen, sie gut durchziehen zu lassen.


Jetzt kommt der Auftritt des Sängers Hahn. Dessen Spezialität soll auf den schwedischen Opernsänger Per Adolf „Pelle“ Janzon zurückgehen, der auch als Feinschmecker galt und sich dieses Gericht stets nach einer Opernaufführung einverleibte.  Dazu gibt man ebenfalls schichtweise in eine Auflaufform geschälte, in dünne Stifte geschnittene Kartoffeln, halbierte Anchovisfilets und in Butter goldbraun gedünstete Zwiebeln.


Zum Schluss nochmal eine Schicht Kartoffeln. Sahne, Butter und die Anchovis-Marinade drüber und bei 170 Grad 20 Minuten backen. Nach einem weiteren Schuss Sahne nochmals 20 Minuten backen. Fertig ist ein wohlschmeckendes, zugegeben nicht gerade kalorienarmes, Gericht für kalte Winterabende oder eine Mittagsmahlzeit, die man so nebenbei zubereiten kann.


Dass dazu ein  kühles Bier und ein Köm ganz gut munden, verriet mir Ekke Hahn schmunzelnd. Schmeckt auch vor vier, blinzelte er mir zu. So kann es gehen, wenn zwei Männer im besten Alter miteinander „plachandern“. Entsprechend schwer habe ich mich mit dem Motto dieser Kolumne getan. Das hätte auch „schichtweise“, „durchgedreht“ oder „sagenhaft“ lauten können. Eine weitere Variante wäre „singend“ gewesen. Denn wie Sie sicher wissen, kann der Hahn ja auch ganz trefflich (nein: nicht krähen) singen. Auch das verbindet uns, wenngleich meine Stimme nur zu bestimmten Melodien ganz passabel klingt.


Aber ich könnte mir vorstellen, mit Ekke Hahn stimmige Küchenlieder zu singen. Was der Krug und der Brauer konnten, gelingt uns auch. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Duett à la „Kann denn essen Sünde sein, darf es niemand wissen, wenn man gut isst, wenn man einmal alles vergisst, vor Glück…“ Die Krönung wäre allerdings die Neufassung des legendären „Sentimental Journey“ mit dem Text: „Komm‘, wir machen einen kleinen Einbruch in die Konsum-Fleischerei…“. Bleibt nur zu hoffen, dass uns dabei nicht die Polenta erwischt…

Diese Kolumne erschien am 22. November 2016  in der Schweriner Volkszeitung.

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