Geschmackssache: Max is(s)t historisch…

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Max' Kulinarische Kolumne - Bunter Kartoffelsalat

Aller Einstieg ist schwer. Heute soll es um alte Kartoffeln gehen. Da das aber zu falschen Schlüssen führen könnte, bringe ich den Begriff „historisch“ ins Spiel. Passt ja auch zu meiner archivarisch-historischen Ausbildung. Also merken: Historisch ist gleich alt, und alt ist gleich frisch. Wie war das doch gleich mit dem analytischen Grundsatz, wenn zwei Größen einer Dritten gleich sind… Einfach mal bei Kant nachschlagen. Ob der kochen konnte, sei allerdings dahingestellt.


Aber in Sachen Kartoffeln kennen sich die Mecklenburger schließlich aus. Nicht zuletzt wird ja hierzulande der Schnack gepflegt „Rin inne Kötüffeln, rut ut de Kötüffeln“. Aber so chaotisch soll es nun in Sachen historische Kartoffeln doch nicht zugehen. Bei meinen Recherchen zum Thema war ich baff, was es diesbezüglich alles zu entdecken gibt. Wer ein wenig mit sinnigen Begriffen spielt und Google damit füttert, wird erstaunt sein, was man an alten Kartoffeln ausgraben und daraus zaubern kann.

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Zugegeben, eine „Mark“ mehr muss man für solche Dinger berappen. Trotzdem bin ich fernab von dem Gedanken, ein Vorkocher für Besserverdienende zu sein. Es geht mir einfach um Anregungen, sich esstechnisch auch mal etwas Besonderes zu gönnen. Darum schlage heute einen „bunten“ Kartoffelsalat mit frischen, alten, historischen „Kötüffeln“ vor.


Dazu kann man zu gleichen Teilen beispielsweise blau-, rot- und gelbfleischige festkochende Kartoffeln verwenden. Die werden als Pellkartoffeln gekocht, warm abgepellt und in nicht zu dicke Scheiben geschnitten. Dann kommt eine Zwiebel unters Messer, die mit etwa 100 Milliliter Gemüsebrühe über die Kartoffeln gegeben wird. Danach wird eine Mischung aus Öl, Kräuter-Essig, Salz und Pfeffer hergestellt und unter die Kartoffeln gehoben. Alles kurz ziehen lassen und mit Kräutern wie Kresse, Schnittlauch und Petersilie anrichten. Schon haben wir den Salat.


Dass das Max nicht ausreicht, werden Sie ahnen. Sie können nun ganz historisch-alt weiterkochen und in vegetarischer Richtung mit altem Gemüse kombinieren. Auch hier hilft das Internet und stachelt kochtechnische Fantasie und kombinatorischen Wagemut ungemein an. Deshalb gibt’s an bekannter Stelle neben dem Rezept auch noch weiteren Anregungen für kartoffel-historische Verbindungen.


Fisch und Fleisch als bissfeste Ergänzung zu Kartoffelsalat sind aber auch nicht vom Teller zu schubsen. Die Palette reicht von in Roggenschrot gebratenem Fisch wie Hering oder Stint über deftige Wurst und Schinken bis hin zu einem Steak oder Bratklopsen, die im Norden Frikadellen heißen und gleich hinter Grabow zu Buletten mutieren. Geschmacklich richtig geil ist auch ein ostpreußischer Kartoffelsalat nach Art meines Vaters. Der Salat ist in Verbindung mit einer heißen Brühpolnischen ein kulinarischer Abgang erster Güte.


Nun fehlt nur noch die Pointe in Sachen „alt oder historisch“. Na ja, zumindest denke ich nicht an Kartoffeln, wenn ich im Krug beim Frühschoppen gelegentlich den Begriff „ihr alten Tüffel“ fallen lasse. Die „alten“ aber springen sofort darauf an. In diesen Sinne: Nicht „rin“ oder „rut“, sondern „ran“ an die Kartoffeln.

Diese Kolumne erschien am 31. Januar 2017  in der Schweriner Volkszeitung.

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