Auf der Suche nach neuen Rezeptideen schaue ich mich natürlich auch auf Reisen um. So treibe ich mich gelegentlich sogar in der Uckermark herum. Die gehört ja zu einem kleinen Teil auch zu Mecklenburg und grenzt gleich hinter Lychen an die Mecklenburgische Seenplatte. Auch der Stammsitz des Weihnachtsmannes in Himmelpfort wird der einzigartigen wald- und seenreichen Region zugeordnet. So hat es sich ergeben, dass ich seit geraumer Zeit auch mecklenburgisch-brandenburgische Beziehungen zu einer exzellenten Köchin a.D. pflege, die mich nicht nur kulinarisch inspiriert.
Die Frau hat in ihrer aktiven Zeit im Restaurant am Templiner See sogar für politische Granden wie Stolpe, Platzeck, Momper und Merkel gekocht und war fester Bestandteil der brandenburgischen Riege zur Grünen Woche. Kurz und gut: Sie hat mir oft den Gaumen nach bodenständigem Geschmack wässrig gemacht. Dazu gehören auch Sauerkrautwickel. Die haben es mir angetan und sind außerdem sehr einfach zuzubereiten.

Nehmen Sie dafür etwa kleinfingerdicke Schweinebauchscheiben, die richtig üppig mit Senf (aus Bautzen, versteht sich) bestrichen werden. Darauf kommt noch reichlich Sauerkraut, das Sie mit der flachen Hand leicht ausgedrückt haben. Ehrensache ist natürlich, dass das würzige Kraut aus dem Spreewald stammt. Nun werden die Fleischscheiben ohne weiter zu würzen wie Rouladen eingerollt und in eine Kasserolle gelegt. Wenn Sie mehr Esser von diesem Geschmack überzeugen wollen, können Sie die Dinger auch auf ein Backblech mit etwas höherem Rand platzieren.
Alles rein in den auf knapp 200 Grad Umluft vorgeheizten Backofen und ohne Fett auf Sicht so lange garen, bis die oberste Schicht des Fleisches schön goldbraun ist. Dann die Minirouladen vorsichtig in Wickelrichtung drehen und die andere Seite bräunen. Sie können natürlich auch mit einem Zahnstocher fixieren. Der Könner aber macht das „freihändig“. Final wird das Ganze noch mit Wasser angegossen, eventuell auch mit etwas Sahne angereichert und kann nun noch eine geraume Weile köcheln.
Dazu gibt’s Klöße, die Sie aus Trockenmasse „Halb & halb“ (Hagenow bietet sowas als mecklenburgische Komponente in recht guter Qualität an) herstellen und mit einem Kräuter-Potpourri Ihrer Wahl vermischen. Darin können Sie geröstete Semmelwürfel verstecken. Tun Sie Ihrer Kombinationslust keinen Zwang an. Die Klöße können Sie auch aus Fertigteig formen. Dann wird es ein Dreiländer-Gericht mit thüringischer Beteiligung. Ich koche die Klöße meist nur kurz auf und lasse sie dann deutlich länger als auf der Packung empfohlen köcheln. So werden sie fluffig weich. Ein wolkiges Träumchen.
Beim Anrichten können Sie die Krautwickel ganz nach Geschmack noch mit Chiliflocken, grobem Pfeffer oder anderem Gewürz bestreuen. Dazu gibt’s als Nachspeise einen „Reichen Offizier“, den Sie in meiner Rezeptothek entdecken können. Und nun raten Sie mal, was ich mir am Wochenende zum Essen wünsche … In diesem Sinn: Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Ausprobieren meiner Rezept-Ideen ... Mahlzeit.
Das Kolumnen-Titelfoto für den Monat November zeigt ein Gericht aus dem Menü im Restaurant "Küche im Keller" in Gera: Kartoffelroulade | Rote-Bete | Trüffelcreme | Schnittlauchöl
Diese Kolumne erschien am 29.11.2025 in allen 9 Regionalausgaben der Schweriner Volkszeitung, in den Norddeutschen Neuesten Nachrichten und im Prignitzer sowie in 10 Regionalausgaben des Nordkurier in MV und der Uckermark.
Hier finden Sie ein paar Vorschläge zum Weiterlesen.
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