Seiten-Blicke: Immer an der Elbe lang

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Geschmackvoll: Genuss ist bleibende Erinnernung

Ich liebe die Landschaft an der Elbe sehr. Der ebenso kraftvolle wie Ruhe ausstrahlende Strom hat etwas faszinierendes an sich. Hier kann man entdecken und entspannen, den Alltag hinter sich lassen. Und weil es hier stets um anspruchsvolle Kulinarik geht: Man kann die Elbe auch als Genießer erleben. Im sogenannten Dreiländereck von Brandenburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern gibt es dafür eine Vielzahl von Gastlichkeiten aller Couleur, vom stilvollen Hotel, über den urigen Landgasthof bis zur einfachen Restauration kann man sich alles aussuchen und verweilen. Dass diesbezüglich vom kulinarischen Anspruch her Unterschiede bestehen, liegt in der Natur der Sache. Kein geringerer als Goethe hat weiland einmal gesagt: Kein Genuss ist vorübergehend, denn der Eindruck, den er zurücklässt, ist bleibend... Was er damit auch immer gemeint haben mag, der Dichter war bekanntlich in jeder Hinsicht kein Kostverächter, er hat recht. Denn auch Essen hinterlässt bleibende Eindrücke, in die eine oder andere Richtung. Den Köchen kommt also die Aufgabe zu, die Nachhaltigkeit des kulinarischen Erlebnisses zu formen. Bleiben Sie in diesem Sinne neugierig, was ich auch künftig für Sie entdecke.

Mödlich/Boizenburg. Für meinen 25. Beitrag im Rahmen dieser "kochen & genießen"-Seite habe ich mich auf kulinarische Entdeckerfahrt begeben und bin im Dreiländereck entlang der Elbe ganz neugierig gewesen, was es da Empfehlenswertes zu vermelden gibt. Ich kann es vorwegnehmen, das Ergebnis ist durchwachsen. Aber allein die herrliche Landschaft am blauen Band der Elbe ist diese Reise wert: Weitläufige Elbwischen, malerische Gehöfte, kilometerlange Alleen als grüne Tunnel, verträumte Dörfer und weidende Schafherden. Kurz: Ein einmaliges Naturerlebnis.

Meine Tour beginnt in Lenzen. Hier gibt's eigentlich kulinarisch nichts besonderes zu vermelden. Empfehlenswert hier vielleicht nur das "Haus am See", das maritime Hausmannskost und exotische Spezialitäten verspricht. Probiert habe ich es nicht. Ein paar Kilometer weiter weiß ich aber in Mödlich ein Restaurant, das ich nur empfehlen kann. In der "Alten Fischerkate" habe ich mich mit Küchenchef Jan Dreßler verabredet.

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Der freundlich-aufgeweckte junge Mann sagt auch gleich, was man in seinem Restaurant erwarten kann: "Wir leben auf dem Land, unmittelbar an der Elbe. Dem entspreche ich mit meiner Küche, denn der Gast erwartet hier Gerichte, die in die Region passen. Was nicht heißt, dass ich mir keine Überraschungen einfallen lasse." Im Angebot sind meist Gerichte der brandenburgischen und mecklenburgischen Küche mit frischen und hochwertigen Produkten aus der Region.

Darunter natürlich Fisch aller Couleur, den der Fischer exklusiv für Jan Dreßler anliefert. Daraus zaubern seine beiden Köche, ohne Geschmacksverstärker, versteht sich, schmackhafte Variationen. Gut gefüllte und ohne Effekthascherei angerichtete Teller, auch, wie es der Gast hier erwartet. Der Küchenchef vergisst aber nicht, zu sagen, dass es seine Mannschaft auch trefflich versteht, Fleischgerichte zuzubereiten, die keinen Vergleich mit anspruchsvoller Küche zu scheuen brauchen. Das glaube ich ihm aus Erfahrung auf's Wort. Aber ich muss weiter.

Eine echte Überraschung war für mich nur ein paar Autominuten weiter der "Alte Hof am Elbdeich" in Unbesandten. Dieses Haus samt dem herrlichen Anwesen hat Potenzial zum echten Geheimtipp. Die Speisekarte ist auch hier ganz auf die Region ausgerichtet, verrät aber einiges vom kulinarischen Anspruch der Betreiber. Lammfilet, Rindertopf, in Kräuter marinierte saisonale Gemüsesorten mit Hirtenkäse und Camembert. Oh, wenn ich dort genügend Zeit gehabt hätte...  

Dafür geht's dann kulinarisch eher als Niemandsland weiter. Durch eine Umleitung musste ich ab Tripkau noch näher an die Elbe. Hier im niedersächsischen Teil der Kurzreise, verhungert oder verdurstet der Wanderer buchstäblich. Es sei denn, man hat sich picknicktechnisch eingedeckt.

Einzig in Neuhaus, der heimlichen Hauptstadt dieser von Mecklenburg umschlungenen Enklave, wartet empfehlenswerte Gastlichkeit beispielsweise im Hotel "Hannover" oder dem gegenüberliegenden "Lindenhof". In Dömitz kann ich guten Gewissens nur das Restaurant am Dömitzer Hafen empfehlen. Dort kann man neben Fisch & Co. auch eine Auerochsenprodukte genießen. Das ist einmal eine ganz neue geschmackliche Nuance. Ein paar Kilometer weiter, wieder im Niedersächsischen angelangt, gibt es noch den Gasthof Holm mit keiner überragenden, aber bodenständig-deftigen Küche. Dann ist auch ab hier wieder bis Boizenburg "Schicht im kulinarischen Schacht".

Dort kehre ich wie selbstverständlich bei Gudrun und Joachim Rummel ein, deren Gastlichkeit ich schon seit über 20 Jahren zu schätzen weiß. Der Küchenchef (Foto) bietet eine Vielzahl sehr pikanter Gerichte an. Sein Schmorgurkentopf aber ist schon eine Legende. Allein dafür lohnt sich ein Ausflug an den malerischen Wall in der Elbestadt. Dem konnte ich schließlich nicht widerstehen. Jetzt hätte ich fast ausgerufen: "Lecker". Nix da, vorzüglich abgeschmeckt und angerichtet...

Und Joachim Rummel vergisst auch nicht, zu erwähnen, dass es in Krusendorf nahe Neuhaus mit dem "Landhaus Elbwiesen" noch eine Adresse für gutes Essen gibt. Aber aufgepasst, das Haus  hat ab März nur am Wochenende und im Winter nur nach Vereinbarung geöffnet. Zu guter Letzt sei noch darauf hingewiesen, dass man auch im "Restaurant Stadt Boizenburg" gut essen kann, das im Volksmund immer noch "Kohlenstaub" genannt wird.

Diese Kolumne und dieser Beitrag erschienen im Rahmen der Seite
"Kochen & genießen" in der Schweriner Volkszeitung vom 19. August 2014.

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