Geschmackssache: Max is(s)t kommodig…

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Max' Kulinarische Kolumne - Pikante Linsensuppe mit Fleischeinlage

Seit weit über zehn Jahren bin ich auf Facebook zu Gange. Dort traue ich mich so manchen humorigen, teilweise auch bissig-kritischen Kommentars. Einer meiner zahlreichen Kontakte ist Schauspielerin und Regisseurin Johanna Schall. Das ist die Enkelin von Helene Weigel und Bertolt Brecht. Sie war auch Schauspieldirektorin am Volkstheater Rostock und ist eine kluge, angenehme virtuelle Gesprächspartnerin. Mehr noch, sie hat auch ein Faible für schmackhaftes Essen. Grund genug, ab und an mit ihr darüber zu parlieren.


Kürzlich schwärmte sie von Würstchen mit deftiger Kartoffelsuppe. Auf meinen nicht wirklich ernst gemeinten Einwand, es müsste doch eigentlich Kartoffelsuppe mit Würstchen heißen, entspann sich eine nahezu kulinarisch-philosophische kontroverse Diskussion mit den üblichen Plattitüden Dritter. Also Gelaber, wie man es im Norden nennt. Facebook eben. Für mich war es jedoch eine Anregung, mal wieder etwas kommodiges zu kochen. Das ist eine plattdeutsche Bezeichnung, die man für behaglich oder gemütlich verwenden kann.

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Und was ist an trüben, nasskalten Wintertagen kommodiger, als eine wärmende Suppe zuzubereiten und zu genießen. Ich fand eine extraordinäre (sprich: hammergeile) Linsensuppe, die von Paul Ivic kreiert wurde. Den Koch lernte ich einst am Schwielochsee kennen. Heute leitet er das Restaurant Tian in Wien (und München), das zu den wenigen weltweit gehört, die für rein vegetarische Küche mit einem Michelin-Stern geehrt wurden.


Lassen Sie sich zu einem Geschmackserlebnis der besonderen Art verführen. Dazu nehmen Sie 300 Gramm Beluga-Linsen und 200 Gramm rote Linsen. Die werden ein bis zwei Stunden in Wasser eingeweicht, danach abgeseiht. Dann geht es ans kleinkalibrige Schnippeln von 100 Gramm Knollensellerie, 200 Gramm festkochenden Kartoffeln sowie zwei roten Zwiebeln, die in feine Streifen geschnitten werden. Nun werden 150 Gramm Champignons geviertelt und mit drei Esslöffeln Olivenöl angebraten, danach gesalzen.


Dann kommen auch die Zwiebeln, Linsen, Kartoffeln und der Sellerie dazu. Alles kurz mitrösten, mit einem Esslöffel Miso-Paste, einem Teelöffel gelber Currypaste, einem Esslöffel Mehl und einem Teelöffel Tomatenmark aromatisieren und gut miteinander verrühren. Sodann wird ein halber Liter Gemüsefond aufgegossen und die Suppe bis zu 20 Minuten gekocht. Abgeschmeckt wird mit mildem Apfel-Essig, Salz, Pfeffer und etwas Majoran. Angerichtet wird mit längs halbierten und in Olivenöl goldbraun angebratenen Frühlingszwiebeln. Dann kann das kommodige Essvergnügen beginnen. Dazu mundet frisches Brot „wunnerbar“. Ein finaler Köm ist auch nicht übel.


Dass ich diese formidable Suppe nicht wirklich vegetarisch gegessen habe, können Sie sich vielleicht denken. Ich habe dem Ganzen feine Würfel von Wellfleisch untergejubelt. Das bringe ich immer vom Leipziger Hauptbahnhof mit, wo es eine Fleischerei neben Wurstsuppe und tollen Fleisch- und Wurstspezialitäten anbietet. Das Fleisch, man kann auch Bauchfleisch nehmen, gibt der Suppe noch eine besondere geschmacklich-bissfeste Note. Danach ruht es sich gar trefflich. Und dass die Linsensuppe am nächsten Tag noch köstlicher schmeckt, wissen Sie sicher ohnehin.

Diese Kolumne erschien am 7.1.2021 in der Schweriner Volkszeitung und der Neuen Osnabrücker Zeitung sowie im Nordschleswiger des sh:z Verlags.

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