Kommentiert: Großes kulinarisches Kino am Rhein

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Party im Bootshaus Mainz begeisterte 650 Gäste

Genau genommen habe ich mich selbst eingeladen. Oder besser gesagt: Ich habe bei Frank Buchholz angefragt, ob ich als mit kulinarischer Ausrichtung schreibender Journalist an seiner Big Bottle Party teilnehmen kann. Und das hat etwas zu bedeuten. Denn solche sprachlich-anglizistisch angehauchten „Events“ sind mir eher suspekt. Dann lieber solche Mottos wie „Fressen und Saufen bis zum Abwinken…“ Hier muss ein Smiley hin. Aber wer mich kennt, weiß das auch so einzuordnen.


Gelockt haben mich aber die Namen der kochenden Akteure wie Franz Feckl, Sebastian Prüßmann, Markus Pape und Mike Süsser. Und natürlich auch die anderen, die ich noch nicht persönliche kannte, aber teils bereits längere Zeit über Facebook „streitbar“ verbunden bin. Stimmts, Franz Keller… Dass allerdings die beiden „Fränze“, der Feckl und der Keller sen. nicht dabei waren, habe ich einigermaßen verdaut, obwohl ich ersteren gern mal wieder getroffen und mit letzterem endlich gern mal ein persönliches Wort gewechselt und ein Glas Wein getrunken hätte. Holen wir nach, gelle…


Kurz und gut: Der Frank hat mich „akkreditiert“ und ich bin am frühen Sonntagmorgen mal eben gute 560 Kilometer durch fünf Bundesländer gedüst und war mit einer respektablen Fahrzeit von fünf Stunden schon in meinem Hotel am Mainzer Stadtrand.  

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Hatte sogar noch über eine Stunde Zeit, mich auf die Big Fete am Rheinufer einzustimmen und einen Parkplatz zu suchen, der später noch (m)ein erwartetes Verhängnis sein sollte. Soll heißen: Ein Knöllchen mit einem Gruß von der Mainzer Stadtverwaltung. Auch das ist eine Art von Gastfreundschaft.


Im Bootshaus  angekommen, wurde für mich sofort augenscheinlich: Hier hat ein ganzes Team eine Veranstaltung organisiert, die perfekt bis ins Detail geplant war. Soll auch heißen: Frank Buchholz, der an diesem Tag sozusagen „Mann für alle Fälle“, und sein Team haben Unglaubliches geleistet, um die rund 650 Gäste, wie mir Frank bescheinigte, bestens zu betreuen und kulinarisch wie weintechnisch zu überraschen.


Der Gastgeber legte überall mit Hand an, versorgte die einzelnen Stationen mit frischem Eis, kümmerte sich um neues Besteck und Geschirr. Und fand trotzdem immer wieder Zeit und Muße für launigen Small-Talk, auf gut deutsch auch leichte Unterhaltung genannt. Respekt jedenfalls schon an dieser Stelle allen Mitwirkenden , vor allem auch dem Service- und Küchenmitarbeitern, denen der Schweiß buchstäblich auf die Stirn geschrieben war.


Auf das Thema Wein gehe ich an dieser Stelle nicht ein. Dafür gibt es andere Experten wie Hendrik Thoma, der sozusagen wein-live von der Veranstaltung berichtete. Max beschränkt sich „nur“ auf die „Nebensache Essen“. Die jedenfalls war ein exzellentes Angebot geschmacklich-kombinatorischer Kreationen, die ich im besten Sinne des Wortes genossen habe.

Aufgetischt wurden sehr attraktiv und anspruchsvoll angerichtete Speisen, die wohl für jeden Geschmack etwas parat hatten. Alles zu schaffen, war mir nicht vergönnt. Meine Trefferquote liegt aber gut bei 90 Prozent. Auch ein armer und ausgehungerter Journalist is(s)t eben mal satt. Hier wäre Platz für den nächsten Smiley. Geschenkt.


Auch jedes Gericht einzeln und ausführlich zu bewerten, ist bei einer solchen Veranstaltung ein Unterfangen, für das man nicht genügend Zeit und Muße hat. Als beschränke ich mich eher auf geschmackliche Details, die mir im Gedächtnis geblieben sind.


Dazu gehört das geschmacklich toll abgerundete und mit einer fruchtig-scharfen Note versehene Iberico-Bresaola aus dem Hause Bolland ebenso wie die Bouillabaisse, die vom Rungis Express mit eher dezenter Schärfe, aber gut gewürzt in  Szene gesetzt wurde. Der Einstieg war formidabel. Es konnte weitergehen.

Zu den geschmacklichen Überraschungen zählte für mich auch die Sülze vom Tintenfisch, die Mario Gamba hauchdünn und nahezu puristisch angerichtet hatte. Ich hatte beim ersten Anblick auf Pilze getippt. Dass es Tintenfisch war, hätte ich sicher ganz zuletzt oder gar nicht erraten. Zumal diese Art von Meerestieren sonst nicht zu meinen Favoriten gehört. Das aber war ein sommerlicher Hochgenuss mit AHA-Effekt.


Auch die Vertreter von Franz Feckl setzten auf die mediterrane Schiene und kombinierten eine Garnele mit pikanten fruchtigen und leicht säuerlichen Noten. Geschmacklich-kombinatorisch ziemlich ins Zeug gelegt hatte sich auch Mike Süsser mit seiner Ochsenschwanz-Variation. Das war ein Gaumenkitzel der besonderen Art. Nur, wer zeitweise keinen Sitzplatz hatte, der musste im Stehen mit dem Spargel ganz schön hantieren. Das galt auch für den geschmacklich wunderbar in Szene gesetzten und raffiniert kombinierten Chicorée von Sebastian Prüßmann. Wie Mike den Ochsenschanz in Würfel gebracht hatte, verriet er mir allerdings nicht und setzte nur sein bekannt schelmisches Lächeln auf.

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Ziemlich selbstbewusst präsentierte Kay Baumgardt aus der schweizerischen Fernsicht seine sommerlich-frische Kreation. Nahezu euphorisch erklärte er mir: „Das ist das Dessert der Zukunft, das soll mein Markenzeichen werden.“ Dem stand jedoch das Saibling-Ceviche von meinem Freund Markus Pape in nichts nach. Auch, wenn er diesmal nicht so ausgeprägt wie sonst von ihm gewöhnt die Zitrusnote betonte – das war ein Gaumenkitzel, den ich mir sogar ein zweites Mal gegönnt habe. Samt einem Glas guten Weißweins.


Etwas Potenzial verschenkt hat sich für meinen Geschmack Oliver Glowig. Keine Frage, das Zitronenrisotto war besten auf die rote Garnele abgestimmt. Aber mengenmäßig hat einem das bereits beim Anblick etwas erschlagen. Soll heißen, das Risotto war überdimensioniert angerichtet. Ein gut gefüllter Esslöffel hätte der Garnele besser getan.


Genau das Tarik Rose hat mit seinem hauchzarten und pikant gewürztem Wildlachs getan. Nahezu puristisch angerichtet, aber schon ein Augenschmaus. Gleiches galt für die Fleisch-Stulle mit Schweinenacken als geschmackliches Kontrastprogramm zu den verschiedenen mediterran ausgerichteten Angeboten. Und die Bärlauch-Gnocchi von Katja Hack waren der Hammer. Die möchte ich nochmal in aller Ruhe genießen. Das werde ich gelegentlich in ihrem Gasthaus nachholen.

Ganz mein Geschmack waren auf die deftigen Gerichte wie der Schweinebauch vom Grill, der Saftschinken mit Meerrettich oder die Rinderbrust aus dem Smoker, die Michaela L . Bade vom Bootshaus angerichtet hatte.  Ganz zu schweigen davon, dass ich auch neugierig auf den Keller war, der seinem Anspruch tre geblieben ist, vom Einfachen das Beste anzubieten. Seine Blutwurst-Blumenkohl -Variation hat dem voll und ganz Rechnung getragen. Die Blutwurst war zwar für meinen Geschmack recht gut gesalzen. Das hat jedoch der gegrillte Blumenkohl ausgeglichen. Wunderbar.

Auch um die Käsespezialitäten der Speths aus Gstaad und den hammergeilen karamellisierten Ziegenkäse von Oliver Benz bin ich nicht herum gekommen. Alter Falter, das war etwas für den Gaumen meines Vaters Sohn. Irgendwie verpasst habe leider ich den Gang von Frank Rosin. Da war ich wohl in Masse zu Gange, in der sich der Meister tummelte. Aber das Dumpling vom Schwarzfederhuhn ist ja auch auf der Karte seines Restaurants. Kann man also nachholen.

Mein kulinarisches Fazit: Frank Buchholz hat es trefflich verstanden, Geschmack in vielfältigster Weise zu organisieren und in Szene zu setzen. Was angeboten wurde, war von kochtechnischer Klasse, Raffinesse und Kreativität gekennzeichnet. Es gab keine geschmacklichen Einbrüche. Man konnte sich ganz dem Schlemmen hingeben und zudem so manchen köstlichen Tropfen genießen.

Hier nochmals die einzelnen Gerichte im Überblick (Ich hoffe, ich habe den einzelnen handelnden Personen die richtigen Häuser zugeordnet. Wenn nicht, bin ich für jeden Hinweis dankbar.):

Franz Feckl (Landhaus Feckl in Ehningen), vertreten durch Jonathan und Patrick: Rote Salzwassergarnele mit Mango und Passionsfrucht

Katja Hack (Gasthof Hack in Borken): Bärlauch-Gnocchi auf Peperonata alla Piemontese

Stephan Conze (ThyssenKrupp Quartier in Essen): Schweinebauch vom Grill mit Gurkensalat, Anisschmand und Kartoffelcrunch

Salvatore Gala: Pasta mit Scampi

Jan Bolland & Jens Fischer (B ollAnt’s in Bad Sobernheim): Bresaola vom Iberico mit Mais, Avocado und BBQ-Aromen

Falk von Rüden (Rungis Express): Bouillabaisse

Mario Gamba (Locanda Gamba in München): Sülze vom Tintenfisch

Stephan Stohl (Roses Manufaktur in Westerkappeln): Stulle mit Nacken vom Kräuterschwein und Spitzkohl

Michaela L. Bade (Bootshaus Mainz): Brisket aus dem Smoker mit Cole slaw

Uwe Schmidt (Metzgerei Schmidt in Koblenz): Saftschinken, Meerrettich, Boosthaus-Kruste

Tarik Rose (Restaurant Engel in Hamburg): Mild geräucherter Wildlachs mit Avocado, Wasabi, Wildkräutersalat in Zitrusvinaigrette und Pankcrunch

Susanne & Robert Speth (Restaurant Cesery in Gstaad): Brie de Meaux mit Trüffel und kleinen Raclette-Kartoffeln

Markus Pape (Meisenheimer Hof in Meisenheim): Ceviche vom Hunsrücker Saibling mit Petersilie, Erbsenkresse und gepopptem Reis

Oliver Glowig (Restaurant Villa Borghese in Rom): Zitronenrisotto mit roter Garnele und Lakritzpulver

Mike Süsser (Koch Event Studio in Scharnstein im Almtal in Oberösterreich): Ochsenschwanz mit gebackenem Mitsukan-Spargel, Gänsestopfleber-Hollandaise, Röstzwiebel-Jus und Goa Kresse

Kay Baumgardt (Gasthaus Zur Fernsicht in Heiden, Schweiz): Gurke, Gin und Passionsfrucht

Frank Rosin (Restaurant Rosin in Dorsten): Dumpling vom Schwarzfederhuhn

Andreas Stüber (Stübers Restaurant im Rhein Hotel in Bacharach): Chop Suey vom Bacharacher Maibock mit Mittelrheinkirschen

Oliver Benz (Restaurant benzoliver in Ober-Olm): Karamellisierter Ziegenkäse auf Ratatouillegemüse, Rucola und Trüffelkartoffelchip

Felix Blum (freiberuflicher Koch in Mainz): Green Sunwarrior mit Erdbeere, Kresse, Holunderblüte und Popcorn

Franz & Franz Keller (Die Adler Wirtschaft in Hattenheim) : Gegrillter Blumenkohl mit Blutwurst auf Blumenkohlcreme

Sebastian Prüßmann (Villa Rothschild Kempinski in Königsstein im Taunus): Gegrillter Chicorée mit Orangen-Fenchel-Chutney, gepickelten Radieschen und Wildkräutern

Natürlich sind solche Veranstaltungen stets auch Gelegenheiten, neue Menschen kennenzulernen. Die hatte die Party am Rhein en masse zu bieten. Es waren alle Facetten von Feinschmeckern da. Dazu gehörten jene, die sich lauthals als solche bezeichneten und „wie die Sau am Trog mampften“. Aber auch die, was ja an sich kein Makel ist,  die gesehen werden wollten. Und schließlich war die Mehrzahl der Besucher von jenen geprägt, denen der Genuss im Gesicht geschrieben stand. Die haben auch nicht so viel darüber gesprochen, sondern einfach genossen.


Spätestens jetzt muss ich noch ein Wort zu Frank Rosin  sagen. Der war für viele sozusagen der Stargast am Rhein. Und er hat, ich wiederhole mich, das Bad in der Menge genossen und sich nahezu friedfertig allen Selfie-Wünschen ergeben. Der Typ war bisher medial eher ein rotes Tuch für mich. Grund dafür war nicht selten seine „große Schnauze“ im Fernsehen. Soll auch heißen, er ist nicht zimperlich in der Wahl seiner Worte und Argumente. Die muss man wahrlich nicht immer gut finden. Aber sind wir nicht alle hin und wieder ein wenig Rosin? Ist Max nicht der kulinarisch schreibende Rosin? Ok, man muss das nicht in jedem Fall gut finden. Aber zeichnet solche „Typen“ wie ihn und mich, jedem auf seinem Gebiet, nun mal aus.

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In diesem Sinne habe ich den, als Koch unbestritten exzellenten, Rosin als Freund im Geiste kennen und auch ein wenig schätzen gelernt. Er hat übrigens in vielem Recht, was in der Szene eher hinter vorgehaltener Hand diskutiert wird. Dass er das auf seine Weise offen und ohne Rücksicht auf Rang und Namen artikuliert, ehrt ihn mehr als man es ihm ankreiden kann. Obwohl natürlich manchmal auch der Ton die Musik macht.


Und ein Frauentyp ist der Rosin auf jeden Fall. Nach dem Motto: „Was kann der Franki denn dafür, dass er so schön ist…“ siegt er beim weiblichen Geschlecht immer glatt. Selbst das verbindet ihn mit mir, denn auch ich kann sagen: „Ich könnte Frauen haben…“ Leider wissen die das nicht alle… Köstlich übrigens eine kleine Bootshaus-Episode am Rande. Sprach mich eine etwas aufwendig aufgemachte Lady mit Sommerhut, oberen mittleren Alters und weintechnisch schon leicht dezimierter Zungenfertigkeit an: „Wo is’sen hier der Rosin? Sein Essen ist mir ja egal, aber der Kerl ist knackig…“ À la bonne heure, wer kann solche Komplimente schon für sich in Anspruch nehmen.


Zu guter Letzt: Danke, Frank Buchholz, danke an alle Köche und Winzer. Danke an das fleißige und freundliche Team vom Bootshaus. Und auch Dank an den da oben, der dieses herrliche Wetter am Rhein gezaubert hat. Der liebe Gott scheint  ein Koch oder ein anderer Feinschmecker zu sein.

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