Seiten-Blicke: Saisonale Leckerbissen

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Geschmackvoll: Aufforderung zum Mitmachen

Meine Freude über kulinarische Verwöhneinheiten ist besonders dann riesig, wenn ich merke, dass in einem Restaurant sozusagen mit Herzblut gekocht. Da spielen Sterne- oder Gourmetansprüche überhaupt keine Rolle. Man muss bei einem Gericht die Liebe zum Beruf gleichermaßen entdecken und schmecken. Sie wissen schon: Das Auge isst mit. Es trifft in diesem Sinne so gar nicht meinen Geschmack, wenn ein Gasthaus nur mit leeren Worthülsen à la "Futtern wie beim Muttern" wirbt  und diesem Anspruch mit Fertigprodukten aus Mikrowelle und Fritteuse sowie Geschmacksverstärkern aller Art so gar nicht gerecht wird. Gastronomie, die auf kulinarische Beliebigkeit und Einheitssoßen setzt, sind deshalb nicht nur mir ein Grauen. Ganz zu schweigen von übervollen Tellern, die das Produkt an sich mehr verschleiern und verfälschen, als geschmacklich entdecken lassen. Umso mehr bin ich darauf gespannt, was Sie als Leser für Einfälle haben, eben diesen Geschmack zu entwickeln und damit vielleicht auch familiäre küchentechnische Traditionen weiterzugeben. Ich bitte Sie, liebe Leser, stillen Sie meine diesbezügliche Neugier und reichen Sie Rezepte ein, die Lust zum Nachkochen schüren und kreativ kochende Ideen hervorbringen.

Lohsdorf. Die meisten Dinge im Leben sind mit einer kleinen Geschichte verbunden. Die Geschichte, von der ich jetzt schreibe, begann an einem Samstag im Juli 2008. Ich war sozusagen auf kulinarischer Entdeckungsreise durch Sachsen und zwei Termine waren buchstäblich geplatzt. Für diesen Ärger wurde ich aber trotzdem noch entschädigt. Denn mit dem malerischen "Landgasthaus zum Schwarzbachtal" unweit der Burg Hohnstein hatte ich einen echten kulinarischen Geheimtipp entdeckt.

Inhaberin und Küchenchefin Barbara Siebert hatte mich mit ihren aufgeweckten Augen und einfühlsamen Beschreibungen ihrer Koch-Philosophie sehr beeindruckt. Sie ist gleichermaßen der lebende und lebendige Beweis dafür, dass man auch als kulinarischer Seiteneinsteiger ebenso exzellente wie authentische Gerichte auf den Tisch zaubern kann. Dazu muss man wissen, dass die Köchin eine promovierte Germanistin ist, die 2002 aus der Not eine Tugend machte und selbst das Zepter in der Küche übernahm. Inzwischen, verrät sie augenzwinkernd, hat sie gelernt, sich in ihrem Reich die Zeit nicht zum Feind zu machen, sondern in die Qualität der Speisen zu investieren.

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Ihre kulinarische Kreativität nimmt die Siebert aus einer Mischung von eigenen Intentionen, einer Gabe zur gelungen Kombination von Zutaten, reichlich Literatur in ihrer gut bestückten Küchen-Bibliothek und schier immerwährender Neugier und Freude, den Gästen stets etwas Unverwechselbares auf den Tisch zu zaubern. Dabei hält sie nahezu stoisch an ihrem Grundsatz fest, die Produkte möglichst aus der Region zu beziehen und kreativ saisonal zu kombinieren. Soll auch heißen, sie bietet zwar keine typisch-regionale Küche, hantiert aber vorwiegend mit regionalen Produkten von Erzeugern, die sie persönlich kennt und wertschätzt.

Und vor allem tischt sie das auf, was ideenreiche Küche ausmacht. Ihr drei Menüs, darunter ein Regional- und eine vegetarisches Menü, sind bezeichnend für unkonventionelles Kochen, das sich keinen strengen Rezept-Regeln unterordnet, sondern Kreativ-Küche mit einem Tick Spontaneität verkörpert. Man darf ihr Angebot guten Gewissens als anspruchsvolle Landküche mit Gourmet-Potenzial bezeichnen, die keinen Vergleich mit Spitzengastronomie zu scheuen braucht.

Ein Hochgenuss sind ihre Sauerampfersuppe mit Streifen vom Zander, ihre mediterran angehauchten Vorspeisen und die hauchzarten Fisch-Variationen. Man muss durchaus kein Vegetarier sein, wenn man von ihrem "Alles Käse"-Angebot, bestehend aus Kartoffeltäschchen, gefüllt mit Wehrsdorfer Blauschimmelkäse, Ziegenkäse-Kartoffel-Törtchen mit Tomaten sowie Kartoffelpuffer mit Cunnersdorfer Käse und Radieschenquark mehr als begeistert ist.

Dem stehen auch die Fleischgerichte in nichts nach, die sie anspruchsvoll in Szene setzt. Ich habe ein formidables  Rumpsteak mit geschmelzten Tomaten, Basilikumkartoffeln und einem Hauch Knoblauch genussvoll verzehrt. Echt empfehlenswert. Und immer wieder Kräuter, Kräuter und Blüten. Hier beweist die Chefin ein untrügliches Gespür für geschmackliche und visuelle Effekte. Das wird noch verstärkt durch die Tatsache, dass die Kräuter und Blüten meist jedes Mal ganz frisch aus dem eigenen Garten gepflückt werden. So entstehen neben den Zutaten für diverse Gerichte fantasievolle Schöpfungen wie Löwenzahnblütenmousse mit Holunderblüten-Himbeertörtchen und Tannenspitzenparfait.

Und was andere Restaurants mit einem aufwendigen Service vorhalten, erledigt Barbara Siebert schlicht und einfach im Koch-Outfit mit entwaffnender Ehrlichkeit, Freundlichkeit und Humor. Kurz: Sie sagt, was Sache ist, und die Gäste warten gern ein Weilchen länger. Nicht zu vergessen, das in dem gastlichen Haus gelegentlich auch Kammermusikabende und Autorenlesungen stattfinden. Und wem er Aufenthalt in dem geschmackvollen ländlich-rustikalen Ambiente des Restaurants gefallen hat, der kann sich bei entsprechender Reservierung in den wunderschönen, individuell eingerichteten Zimmern des Landgasthauses zur Ruhe betten und vom Frühstücksbuffet träumen.

 Diese Kolumne und dieser Beitrag erschienen im Rahmen der Seite
"Kochen & genießen" in der Schweriner Volkszeitung vom 7. April 2015.

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