Seiten-Blicke: Österliche Kreativität

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Geschmackvoll: Kulinarische Auferstehung

Ostern ist sicherlich nicht nur für mich ein besonderes Fest. Nach den Wintermonaten regt sich im besten Sinne des Wortes wieder Leben. Goethe nennt es zwar "Bildung und Streben". Aber ich bin mir sicher, der alte Geheimrat hätte als Feinschmecker nichts dagegen, wenn man seine Worte auch auf kulinarischen Genuss ausrichtet. Ganz in diesem Sinne bin ich gerade jetzt auf der Suche nach dem passenden Gemüse und trefflichen Gewürzen für leichte, frühlingshafte Kost. Solche, die Leib und Seele nicht nur zusammenhält, sondern im besten Sinne des Wortes beflügelt. Kein Wunder also, dass ich nahezu jeden Tag die sprießende Entwicklung auf unserem Kräuterrad im Garten verfolge. Bald werden von diesem Ort aus Düfte locken, denen man schwer entkommen kann. In diesem Zusammenhang kann ich nur empfehlen: Lassen Sie sich von leichten und bekömmlichen Gerichten inspirieren. Überraschen Sie mit raffinierten gewürztechnisch-geschmacklichen Kombinationen. Es lohnt sich in jedem Falle, einmal Küchen-Traditionen mit opulenten Festtagsbraten zu durchbrechen und Ostern damit noch mehr den Hauch genussvoller Leichtigkeit zu verleihen.

Hagenow. Auch wer nicht unbedingt zu den Jüngern des Fastens gehört, freut sich auf das Osterfest. Ist es doch meist der willkommene Anlass, nach der winterlich-kulinarischen Bescheidenheit einmal wieder richtig zu schlemmen. Trotzdem muss das Fest der Auferstehung keine Völlerei sein. Man ist durchaus gut beraten, ideenreich und kalorienbewusst zu Werke zu gehen. Damit tut man sich selbst einen Gefallen und erfreut Familie und Gäste, die sich am Tisch zu einer Osterplauderei versammeln.

Vor allem aber sollte man auch möglichst unaufgeregt, stressfrei und  wenig aufwendig an das österliche Essen herangehen.  Da empfiehlt sich als geschmacklich anregender Einstieg ein frischer Salat, der rasch und ohne viel Aufwand zubereitet werden kann. Der Kombination der Zutaten ist dabei keine Grenze gesetzt. Einfach mal der Fantasie freien Lauf lassen und Kopfsalat und Co. mit schmackhaften Zutaten wie Pfifferlingen, grünem Spargel, Mais und natürlich einem frischen Ei in Szene setzen. Auch Mangold, Feld- oder Endiviensalat eignen sich bestens, um das Immunsystem nach des Winters düsterer Enge wieder in Gang zu bringen. Sieht gut aus, schmeckt gut und schlägt sich garantiert nicht auf die Hüften. Wer eine Suppe bevorzugt, ist mit Kresse oder Champignons auf der sicheren Seite, die man mit Frischkäse oder fettarmer Creme kalorienbewusst auf den Tisch bringen kann.

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Ähnliches gilt auch für den Osterbraten selbst, der durchaus nicht mit fetten Soßen auf den Magen schlagen, sondern zum leichten Genuss werden soll. Dazu braucht man beispielsweise Lammkoteletts nur mit ein wenig Olivenöl einzustreichen, Zitronensaft, Salz, Pfeffer und Thymian dazu zu geben und das Ganze einige Minuten im Backofen zu grillen. Dazu gibt's keine Pasta oder Kartoffelgratin, sondern gedämpftes Gemüse wie Möhren, die nur in etwas Butter geschwenkt und dezent mit Honig ergänzt bissfest gegart werden.

Wer etwas Besonderes anbieten möchte, kann sich mit etwas mehr Mühe, aber trotzdem nicht allzu zeitaufwendig, an Schinken im Brotteig oder würzigen Kasslerbraten im Römertopf wagen. Und wer nicht auf Kartoffeln verzichten möchte, kann die beispielsweise mit dem Lamm zusammen braten und mit Rosmarin würzen. Das schafft lockere, mediterrane Atmosphäre. Mit dem Spargel allerdings sollte man noch warten, bis der in Deutschland Saison hat. Die Ausnahme bildet dabei der grüne Spargel, den auch Spitzenköche nahezu ganzjährig anbieten.

Eine ebenso gesunde wie schmackhafte Alternative für das Osteressen, besonders am Karfreitag, ist natürlich Fisch. Auch der bietet tausendundeine Möglichkeit geschmacklicher Vielfalt. Ich war überrascht, mit welcher Kreativität Köche diesbezüglich am Herd stehen. Küchenchef Daniel Reuner aus Zossen hat sogar eigens für diesen Beitrag ein würziges Saltimbocca vom Welsfilet kreiert, das ich zur Nachahmung sehr empfehle.

Kein Wunder also, dass ich diesmal, zumindest virtuell, gleich mehrere Rezepte vorstelle, die gar trefflich munden und kochtechnische Freiräume für zu Hause bieten.


Fazit: Ostern ist wohl auch so eine Art kulinarische Auferstehung, der man getrost erliegen sollte. Spätestens jetzt wird der Frühling richtig eingeläutet. Da darf  Genuss in jeder Form nicht fehlen.

Diese Kolumne und dieser Beitrag erschienen im Rahmen der Seite
"Kochen & genießen" in der Schweriner Volkszeitung vom 31. März 2015.

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