Seiten-Blicke: Leidenschaft mit Bodenhaftung

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Geschmackvoll: Kulinarische Erinnerungen

Wenn es in meiner Kindheit einmal kulinarisch ganz einfach zugehen sollte, sagte meine Großmutter Martha Lucas im erzgebirgischen Aue zu mir: "Geh mal auf die Wolle-Wiese und hole eine große Schüssel Sauerampfer." Dass das sammelnde Unterfangen dann meist trotzdem etwas länger gedauert hat, war kindlichem Übermut und Entdeckerdrang geschuldet. Was gab es schließlich auf einer blühenden Sommerwiese nicht alles zu erleben und zu begutachten. Was Oma aber aus dem Grünzeug gemacht hat, wurde zu (m)einem kulinarischen Leitmotiv: Suppen in allen Varianten wurden meine Welt. Bis auf die, wo Graupen oder Reis drin sind... Geblieben ist bis heute die Vorliebe vor allem für deftige Suppen, gern auch in raffinierter Kombination mit Obst. Auch diesbezüglich habe ich große Fantasie und würze gern sehr markant, um es einmal vorsichtig auszudrücken. Besonders angetan haben es mir aber auch raffinierte Zutaten und Einlagen, die man in der oder zur Suppe reicht. Wenn dann die geschmackliche Kombination einmal nicht so auf den Punkt passt, ist das auch nicht schlimm. Dann bin ich eben um eine Erfahrung reicher und beweise künftig kulinarische Einsicht.

Conow. Wenn unsere Zeitung zu einer kulinarischen Leseraktion aufruft, sind bestimmte Hobbyköche immer mit von der Partie. Eine Hausfrau, auf die das zutrifft, ist Brigitte Kunze. Sie erzählt im Gespräch in ihrer Küche in Conow bei Malliß: "Ich habe bisher an allen diesen Leseraktionen teilgenommen und sammle die daraus entstanden Kochbüchlein. Das macht richtig Spaß und schmeckt dann natürlich auch der Familie." Ihre kochende Leidenschaft hat sie sogar schon im Fernsehen unter Beweis stellen können.


Da hat die rüstige verwitwete Rentnerin mit dem Alter von "50 plus", wie sie augenzwinkernd verrät, bei einem Privatsender mit einem Sternekoch gekocht. Das war mächtig spannend, gesteht Brigitte Kunze. Wie der Koch hieß, sei ihr leider entfallen. Aber die Moderatorin war Britta von Lojewski. Also nichts mit Alzheimer, meint sie schmunzelnd. Auch ein Besuch im Ludwigsluster "Hotel de Weimar" bei Küchenchef Glania-Brachmann im Rahmen einer SVZ-Leseraktion war ein ganz besonderes Erlebnis für sie.

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Viel zu ihrem Hobby beigetragen haben ihre Mutter und Schwiegermutter. Da waren tolle Köchinnen, die nahezu aus allem etwas machen konnten, so die frühere Lehrerin. Sie selbst hält sich übrigens für keine perfekte, aber durchaus für eine passable Köchin, die vor allem  das verarbeitet, was sie selbst im Garten anbaut und der Kühlschrank hergibt. Eigenem Bekunden zufolge kocht sie vor allem einfach und bodenständig. Obst und Gemüse haben diesbezüglich immer einen hohen Stellenwert.


Brigitte Kunze: "Eine Mahlzeit ohne Gemüse, Salat und eine Nachspeise war für meinen Mann seinerzeit undenkbar. So kocht sie auch heute noch, was die Saison hergibt und freut sich beispielsweise über frische Pellkartoffeln mit Butter ebenso, wie auf einen knackigen Salat, den sie sich oft zum Abendessen bereitet. Und wenn ihr mal ein Einfall oder ein guter Rat fehlt, ruft sie einfach ihre Bekannte Hilma Jahnke an und führt mit ihr einen kulinarischen Klönschnack.

Neben zwei weiteren Rezepten hat Brigitte Kunze das Rezept für eine schmackhafte Birnensuppe eingereicht. Die sieht nach Meinung von Gunnar Hesse, Küchenchef im "Seeblick" Genuss und Spa Resort in Norddorf auf Amrum "klassisch aus wie von meiner Oma aus und schmeckt wahrscheinlich auch so..." Er würde allerdings das Eiweiß und das Vanille-Soßenpulver weglassen. "Heute sind Suppen eher etwas dünner. Eine gewisse Konsistenz erreicht man ja durch das Pürieren", meint Hesse.


Als raffinierte scharfe Komponente könnte man die Suppe auch schwarzen gemahlenem Pfeffer, oder in der warmen Variante mit Zitronen-Thymian-Milchschaum und Birnenchips anrichten. Als Zugabe für die kalte Suppe eignet sich ein mit Ingwer abgeschmecktes Lachstatar als Einlage.

Diese Kolumne und dieser Beitrag erschienen im Rahmen der Seite
"Kochen & genießen" in der Schweriner Volkszeitung vom 14. Juli 2015.

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