Rezensiert: Wie man(n) Anders kocht…

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Der Mann kann nicht mal richtig schreiben. Dreht einfach das ö um, lässt damit die  Pünktchen schier ins Bodenlose fallen und besitzt noch die Frechheit, sich diesen orthographischen Fauxpas markenrechtlich schützen zu lassen. Mehr noch, er wagt sich sogar an ein Buch mit dem Titel "Anders kochen" heran, das er im Untertitel "Meine Lieblingsrezepte" nennt. Aber bei dem ist sowieso alles anders, denn er heißt nicht nur Anders: Sören Anders (mit dem besagten auf dem Kopf stehenden ö im Vornamen).

Bei dem kochenden "Knaben" (29) mit der markanten dunklen Brille handelt es sich immerhin um den seinerzeit jüngsten Sternekoch Deutschlands, der bereits mit 24 Lenzen den begehrten Koch-Meriten verliehen bekommen hat. Grund genug, anzunehmen, dass es in seinem Erstlingswerk um Gourmetküche geht. Weit gefehlt: Anders hält das, was er auf dem Umschlag und in der Einleitung verspricht. Er beschreibt seine Lieblingsrezepte und beweist, dass er nicht nur ein exzellenter Koch, sondern auch einer ist, der es versteht, mit der Sprache zu jonglieren. Insofern sei mir die Eingangspointe verziehen...

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Er nennt seine Rezepte "ein bisschen Elementarküche" und tischt von allem etwas auf. Das reicht von A wie Vorspeisen und Suppen über K wie Fleisch und Fisch bis Z wie Backen und Wein. Haben Sie die Pointe erkannt? Seine Rezeptempfehlungen sind auch eine kleine kulinarische Reise durch sein bisheriges Leben und seine Region, denn er kocht vor, was ihm überliefert wurde und was die Region an Wohlgeschmack zu bieten hat. Er verbindet dabei, wie er es selbst bezeichnet, traditionelle Küchenmeisterei mit modernen Interpretationen. Und er erklärt in vielen Fällen auch kurz und bündig, was es mit Begriffen und Produkten auf sich hat.

Mir gefällt besonders die nahezu simple Beschreibung seiner Rezepte. Damit kann gleichermaßen ein kochender Laie und ein ambitionierter Hobbykoch etwas anfangen. Andererseits bleibt Anders auch seinem Ruf als Spitzenkoch verpflichtet und setzt im Detail raffinierte geschmackliche Nuancen, gepaart mit visuell ansprechenden Serviervorschlägen. Was an sich einfach und sehr bodenständig erscheint, bekommt dadurch eine sehr persönliche Note. Das ist eben Anders.

Sehr schmackhaft virtuos arbeitet Anders auch mit Fisch und Meeresfrüchten. Sein Saibling mit Blumenkohlpürree, Tomate und Zimtblüte beispielsweise ist ein echter Leckerbissen. Damit kann man(n) nicht nur die Liebste, sondern auch Freunde und Bekannte echt überraschen. Nicht minder verlockend auch sein gebratener Rheinzander auf Gaisburger Marsch, einem traditionell schwäbischen Eintopfgericht.

Wer es, wie ich, lieber "fleischig" mag, kommt bei bodenständigem Rindertartar, Kalbsfilet mit Schwarzwurzelragout oder Hirschkalbsrücken mit Spitzkohl ganz auf seine Kosten. Ich habe mich mal an die "Geschmorte Schweinebacke mir gebratener Wassermelone auf Linsen" gewagt. Ein Gaumenschmaus, kann ich versichern. Auch seinen süßen und gebackenen Empfehlungen regen mit Sicherheit die Fantasie jeder Hausfrau und jedes kochenden Hausherren an. Wer da angesichts der Vielfalt der Empfehlungen noch von kulinarischer Eintönigkeit und Langeweile spricht, der sollte seinen Geschmack hinterfragen und ins Fastfood-Kloster gehen.

Das Anders in seinem Buch auch ein wenig Werbung für diverse Weingüter sowie Händler und Produzenten aus seiner Region macht, kann man ihm ebenso wenig vorwerfen wie die Tatsache, sich selbst trefflich ins Bild gesetzt zu haben. Die Fotos verkörpern eine wohltuende Leichtigkeit, den Sinn für's schöne Detail und den Humor, den sich der Koch offensichtlich bewahrt hat. Nicht umsonst schreibt der bekennende Feinschmecker und Hobbykoch Alfred Biolek im Vorwort, dass Sören Anders (trotz seiner Erfolgs als Spitzenkoch) ein faszinierender, sehr positiver Mensch mit großem Charme (geblieben) ist. Den Eindruck hat mir das Buch auch vermittelt.

Fazit: Kochen Sie einmal Anders. Sie werden viel Freude beim Kochen und Essen mit erstaunlichen  geschmacklichen Erlebnisse haben. Das Buch ist übrigens auch ein sehr passendes Geschenk für alle diejenigen, die sich mit Kochbüchern nicht schmücken, sondern mit ihnen leben, sprich: Genuss haben, wollen. Dann können auch Sie sagen: Ich bin Anders.

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