Rezensiert: Suppen als Nahrung für die Seele

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Das sollte man sich vormerken: Am 21. März kommt ein ganz besonderes Buch auf den Markt. Es hat den eher schlichten Titel „Suppen für Syrien“ und stellt 80 Suppenrezepte aus aller Welt vor. Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches, denn vergleichbare Titel gibt es in vielen Facetten. Was jedoch die libanesische Food-Journalistin, Fotografin und Kochbuchautorin Barbara Abdeni Massaad (Foto) auf 224 Seiten in Szene gesetzt hat, ist ein Projekt zum Innehalten und Nachdenken.


Denn das in deutscher Fassung im DuMont Buchverlag Köln erscheinende Buch ist eigens dafür gedacht, die Not und das Leid von syrischen Kindern und Jugendlichen lindern zu helfen. Der Verkaufserlös des Buches zum Preis von 34 Euro geht zu 100 Prozent an Schams e.V. Das ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein mit Sitz in Tübingen. Er wurde 2012 auf Initiative u.a. des Schriftstellers Rafik Schami gegründet wurde und hat sich auf die Fahnen geschrieben, in Zusammenarbeit mit ausgewählten Organisationen unmittelbare Hilfe vor Ort zu leisten.


Die Idee zu dem Buch entstand aus Begegnungen der Autorin in einem Flüchtlingslager in ihrer Heimatstadt Beirut im Libanon. Nach den Erfolgen des Buches in den USA, Großbritannien und anderen Ländern weltweit wurde es in Zusammenarbeit mit DuMont neu gestaltet und mit Rezepten deutscher und internationaler Köchinnen und Köche ausgestattet, die auch aus zahlreichen Kochsendungen bekannt sind.

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Darunter prominente Namen wie Christian Rach, Nelson Müller, Sarah Wiener, Mario Kotaska und Ralf Zacherl, Meta Hiltebrand, Jaqueline Amirfallah und Martin Baudrexel. Ich hatte die Möglichkeit, das reich bebilderte Buch vorab in Augenschein zu nehmen und bin gleichermaßen begeistert vom caritativen Anliegen wie von Umsetzung der Rezeptideen.


Die Rezepte sind eine facettenreiche Reise durch die internationale Suppenwelt. Aus einfachsten Zutaten haben die teilnehmenden Köche raffinierte deftige Suppen-Kreationen gezaubert, die einem schon beim Lesen das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Es ist wahrlich für jeden Geschmack etwas dabei. Verarbeitet werden zum Teil auch internationale Produkte, die man jedoch auch in deutschen Geschäften erwerben kann.

Die Rezepte sind einfach und verständlich geschrieben, so dass auch das Nachkochen leicht gemacht wird. Und ich bin sicher, mit dem Gedanken der Hilfe im Hinterkopf entwickelt man eine ganz andere kochende Leidenschaft und damit auch ein besonderes Gefühl für vielseitigen Geschmack. Mario Kotaska und Ralf Zacherl, die in Berlin gemeinsam ein Restaurant betreiben, waren begeistert von dem Projekt.


Kotaska: „Für uns war der ausschlaggebende Punkt das Motto, dass helfen besser ist, als zuschauen. Und außerdem sind  wir Köche ja eher als Praktiker, denn als Theoretiker bekannt.“ Ähnlich äußerte sich auch Jaqueline Amirfallah aus Göttingen. Als Tochter iranisch-deutscher Eltern war es für sie sehr wichtig, eine „winzige Hilfe“ für das so misshandelte Syrien leisten zu können. 

Und sie bricht auch eine Lanze für den Einsatz von vermeintlich einfachen Zutaten. Jede gute Küche, so Amirfallah, basiert auf solchen Zutaten. Es kommt „nur“ auf die richtige Zubereitung und geschmackliche Kombination an.


Im Chatgespräch mit der Buchautorin habe ich übrigens erfahren, dass es für Barbara Abdeni Massaad die wichtigste Erfahrung war, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, ihre Geschichten zu erfahren und ein klein wenig dazu beizutragen, Not lindern zu helfen.


Und auf die Frage, was solche Projekte bewegen können, antwortete sie kurz und bündig: „Es ist die Botschaft, dass man die Welt auch im Kleinen ändern, Toleranz üben und Hoffnung geben kann.“

Warum man übrigens Suppenrezepte in Szene gesetzt hat, wird im Buch von einer Filmemacherin so erklärt: „Suppen sind ein unübertrefflicher Seelentröster. Während wir diese Rezepte genießen, beten wir dafür, dass auch die Syrer eines Tages wieder in ihrer eigenen Küche bei einer Schüssel Suppe zusammensitzen werden.“                 


Das ist das Buch: Barbara Abdeni Massaad/Rafik Schami, „Suppen für Syrien“ – 80 Lieblingsrezepte aus aller Welt, 224 Seiten, 115 Abbildungen, DuMont Buchverlag Köln, 2017, ISBN 978-3-8321-9925-8, Originalverlag: Interlink Publishing, Northampton, 2015, Originaltitel: Soup für Syria. Recipes to Celebrate Our Shared Humanity


Diese Rezension erschien am 7. März 2017  auch in der Schweriner Volkszeitung.





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