Restaurant Yoso in Andernach: Kulinarisches Spiel der Elemente

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Restaurant Yoso

Schafbachstraße 14 - 56626 Andernach

www.yoso-food.de

Auf einer kürzlichen Fahrt ins Rheinland kam mir eine Episode aus meiner Kindheit in Erinnerung. Meine Tante Emma in Aue, die Schwester meiner Großmutter und eine begnadete Köchin, hatte in ihrer Küche eine Art Volksempfänger von anno dunnemals.  Sie wissen schon, das ist etwa das, was man heute Dampfradio nennt. Da standen Namen  von Sender-Standorten aus aller Welt drauf. Etwa Hilversum, Monaco, Lüttich oder eben auch Andernach. Und obwohl ich geografisch ganz gut bewandert war, Andernach habe ich immer mit Belgien oder den Niederlanden assoziiert. Heute weiß ich es längst besser und war zum ersten Mal auf dem Weg in diese etwas größere Kleinstadt am Rhein, die zu den ältesten Deutschlands zählt.


Mein Ziel war ein Restaurant, das erst Ende 2015 neu eröffnet wurde. Wenn dessen Küchenchefin Sarah Henke heißt, ist für einigermaßen Kenner der kulinarischen Szene ganz klar: Es muss sich um ein asiatisches Restaurant handeln, denn die frühere Sterneköchin ist für ihre kreative fernöstliche Aromenküche bekannt. Dass es die Spitzenköchin nach schöpferischer Pause von Sylt nach Andernach zog, ist wohl eher dem Zufall und ihrer privaten  Lebenssituation geschuldet. Ihr Restaurant trägt den schlichten Namen „Yoso“ mit dem Zusatz „Streetfood & Sushi“.

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Alles klar – Yoso als koreanische Bezeichnung für die vier Grundelemente des Seins – dort gehört Sarah Henke hin. Wenn man dann noch weiß oder erfährt, dass Henke in weitere kulinarische Projekte eingebunden ist, kommt eine Mischung aus Ahnung und Gewissheit auf, dass man von Andernach kulinarisch gesehen noch einiges zu erwarten hat.


Aber zurück ins Yoso, das im Altstadt-Kern von Andernach liegt und sich äußerlich eher unscheinbar präsentiert. Weinrote Fassade, hohe, schmale Fenster, ein schlichtes Yoso-Schild aus Glas, das sind die einzigen schmückenden Elemente. Umso mehr ist man überrascht, was einen drinnen erwartet. Ich definiere es mal mit dem Begriff „modern interpretierte asiatische Tischkultur“.


Eher schlichte, in Braun gehaltene Tische, dazu kontrastierend einfache Holzstühle in Rot. Dezent und sehr geschmackvoll eingesetztes Interieur mit erkennbar fernöstlicher Note. Fast puritanisch, aber zweckmäßig und für meinen Geschmack mit wohltuend schlichter Eleganz eingedeckte Tische.

Besonders effektvoll, aber nicht überladen, der zweite und etwas kleinere Gastraum mit einem wunderbaren, nicht kitschigen asiatischen Flair. Eingerichtet mit ähnlichem Mobiliar wie im großen Gastraum, aber durch großflächige Tapeten mit den typischen asiatischen Pagodenhäusern nach historischem Vorbild, kuscheligen Kissen mit harmonierenden Motiven und reichlich eingesetzte Korblampen fernöstlicher Prägung. Der direkte Blick nach draußen, oder, je nach Standort, nach drinnen wird von licht- und sichtdurchlässigen Bastvorhängen, so habe ich es jedenfalls auf den ersten Blick wahrgenommen, begrenzt. Das schafft zudem eine sehr angenehme, um nicht zu sagen, intime Atmosphäre. Kommt dem aber sehr nahe.


Im Gespräch mit der jungen Küchenchefin erfahre ich viel von dem, was das Yoso und die kulinarische Philosophie des Hauses betrifft. Dazu lesen Sie bitte das ausführliche Interview mit Sarah Henke, die mit ihrer Meinung und ihren kulinarischen Ambitionen nicht hinter den Berg hält. Zum Essen bin ich diesmal leider noch nicht gekommen. Deshalb maße ich mir auch nicht an, darüber zu urteilen und in meinen MGQ einzubauen. Das wird nachgeholt, wenn ich in absehbarer Zeit wieder am Rhein unterwegs bin.

Insofern kann ich mich schon heute viel Vorfreude genießen, wenn ich auf die Yoso-Speisekarte schaue. Henke beweist mit ihren Gerichten zu den vier Elementen Erde, Feuer, Luft und Wasser eine vergleichsweise kleine, aber von der geschmacklichen Kombination her sehr feine Auswahl an. Mich werden das Tataki vom gebratenen Entrecote mit Limonenkartoffeln ebenso anziehen wie das indisch marinierte Kiko Huhn mit Cranberry. Nicht weniger verlockend, ich bin schließlich ein scharfer Max, ist für mich die Currysuppe mit gebratenen Garnelen. Sicherlich nicht verschmähen würde ich Dinge wie gebratene Kräutersaitlinge mit Teriyaki Soße, pochierte Lachs mit Shimeji Pilzen oder geflämmte Cobia Sashimi mit grünem Papaya Salat.


Ich schmecke schon beim Lesen die für mich faszinierende asiatische Schärfe. Und obwohl für mich das Dessert allgemein wenig Bedeutung hat, könnte mich ein Kokos Mousse mit Mango-Chutney und Passionsfrucht Mango-Sorbet durchaus auf geschmackliche Abwege verführen. Und vielleicht gelingt es Sarah Henke, deren kulinarische Interpretationen ich schon zu verschiedenen Anlässen genie0en durfte, mir endlich auch den Thunfisch schmackhaft zu machen, den ich bisher eher intuitiv scheue. Stichwort: Kopfkino.

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Dem Streetfood-Gedanke folgend, bietet das kleine Team um Sarah Henke auch Sushi to go an. Also Sushi zum bestellen, abholen und genießen. Richtig gut gefallen mir die 2-Gang-Mittagsmenüs in Kombination von Salaten oder Suppen, Nudeln und Fleisch wie koreanischer Schweinebauch. Davon gibt’s auch eine vegetarische Version. Und das zum unfassbar günstigen Preis von zehn Euro. Hier wäre ich über Mittag sicher zweimal die Woche zu Gast.


Und ich bin mir sicher, dass die geschmacklichen Variationen sich über lange Zeit nicht wiederholen. Sarah Henke ist schließlich Garant für kochende Kreativität. Nicht zu vergessen, dass man durch die verglaste Küche der Küchenmannschaft sozusagen beim Arbeiten zuschauen kann. Ich verabschiede mich von der sympathischen Köchin mit einem richtig guten Yoso-Eindruck, gebe (m)ein Versprechen auf baldiges Wiederkommen ab, und muss mich nicht einmal mit der typischen fernöstlichen  Verbeugung zurückziehen. Obwohl, das hätte auch etwas…

  • 92%
    Max’ Geschmacks Quotient (MGQ)

Der MGQ ist der Quotient aus der Summe der Einzelbewertungen in Bezug auf 
Angebot / Geschmack / Präsentation / Preis-Leistung / Service / Ambiente / Konzept

Kategorie: Restaurants

  • Angebot 90%
  • Geschmack 0%
  • Präsentation 0%
  • Preis-Leistung 0%
  • Service 0%
  • Ambiente 95%
  • Konzept 90%

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