Restaurant Vincenz Richter: Genuss in historischem Ambiente

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Restaurant Vincenz Richter

An der Frauenkirche 12 - 01662 Meißen
www.vincenz-richter.de

Ein Freund hat mir vor einigen Jahren den Rat gegeben: "Wenn du mal wieder in Meißen bist, geh' unbedingt zu Vincenz Richter." Unbedarft wie ich zu diesem Zeitpunkt war, fragte ich, wer denn das wohl sei. "Eine geile Kneipe in herrlicher Altstadt-Lage", war die lakonische Antwort. Aber schon ein Blick ins Internet reichte, mich für dieses gastliche Haus zu interessieren, dessen Name auf einen Meißner Gastwirt und Fleischer zurückzuführen ist, der 1873 das Schank- und Braurecht des 1523 erbauten Tuchmacherzunfthauses in die Tradition der Familie Richter übernahm. Kurioserweise habe ich auf diese Weise auch erfahren, dass Richters Bruder Emanuel als Zuckerbäcker die Cognac-Bohne erfunden hat. Kein Wunder also, dass die Richters sich geistigen Getränken zuwandten.


Kein Wunder also, dass ich schon bald den Weg in das gastliche Haus unweit der Frauenkirche gefunden und als Archivar und Historiker, aber auch als Journalist gar trefflich über die wechselvolle Geschichte des Hauses gestaunt habe, die aus der Chronik deutlich wird. Nicht minder eindrucksvoll war und ist für mich aber das imposante architektonische Ensemble des Fachwerk-Hauses. Überall wandelt man dort auf Pfaden, die von handwerklicher und künstlerischer Meisterschaft künden. Ganz zu schweigen von den wunderschönen historischen Möbeln und die Sammlung kostbarer historischer Krüge, Waffen, Rüstungen und Bildern. Man muss bei Vincenz Richter richtig aufpassen, dass man vor lauter Entdeckungsdrang den eigentlichen Grund des Besuches, nämlich gutes Essen und Trinken nicht vergisst.

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Die Weinstube ist natürlich ganz entsprechend dem historischen Anspruch des Hauses eingerichtet. Man sitzt (weich) auf rustikalen Holzstühlen oder -bänken. Und wer Glück hat, sitzt sogar auf einem originalen Holzstühle, die weiland noch das Wirken des Vincenz Richter begleitet haben dürften. Wer in kleiner Gesellschaft tafeln möchte, kann darüber hinaus die separate Weinstube buchen. Und für ganz besondere Anlässe öffnen die heutigen Besitzer Helga und Gottfried Herrlich auch die Meisterstube der Tuchmacherzunft, in der schon manche Prominente aus Politik und Kultur bewirtet wurden. Ganz herrlich auch der romantische Weinhof, in dem man in lauen Sommernächten nicht nur die köstlichen Tropfen vom Weingut Vincenz Richter genießen, sondern in frischer Luft auch manchen deftigen Happen verspeisen kann. Und wer im Sommer auf der Terrasse vor dem Haus sitzt, kann sich natürlich auch bewirten und dabei das bunte Treiben auf dem Meißner Marktplatz beobachten.


Vincenz Richter steht eigenen Angaben zufolge auch für anspruchsvolle Tafelkultur. Davon konnte ich mich überzeugen. Die eingedeckten Tische sind dem Ambiente des Hauses angepasst. Ganze Tischdecken fehlen, meist sind es nur schlichte Textilläufer, auf denen die Gläser, Kerzenständer und Blumen stehen. Besteck und Servietten ruhen auf den rustikalen Holztischen. Und die Speisen werden teils sogar auf Meißner Porzellan. Das hat schon was. Allein der Gedanke. Was die Dekoration der Tische betrifft, würde ich im Detail zwar etwas dezenter vorgehen, aber "meckern" kann man durchaus nicht. Einfarbige Servietten beispielsweise passen aus meiner Sicht besser zum ohnehin opulenten und markanten gestalterischen Ambiente der Räume. Und, trotz allem Amüsements, da haben für meinen Geschmack auch Osterhasen und Tulpen nichts als Schmuck zu suchen. Das mit den Blumen, nichts gegen Tulpen, geht passender mit weniger knalligen Farben und heimischen Gewächsen, was immer man darunter versteht. Ist kein Vorwurf, aber meine Meinung.

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Nun geht es sozusagen an das Eingemachte, das aus der Küche auf die Tische des  Hauses kommt. Der junge Küchenchef Matthias Behl verspricht selbstbewusst "feine, filigrane Küche mit Geschmack". Egal, was man in diesem Zusammenhang unter filigran versteht: Schmackhaft und mit dem, gewissen Etwas haben Behl und sein Team durchaus drauf. Deutlich erkennbar ist der Trend, regionale Produkte geschmacklich kreativ mit raffinierten Zutaten zu kombinieren. Da spielen neben Gänsen und deftigem Kümmelbraten auch Jakobsmuscheln und Hummer sowie pikantes Gemüse eine Rolle.


Für mich waren der gratinierte Ziegenkäse mit geschmortem Chicorée sowie der Kümmelbraten genau das richtige. Den Vincenz-Flammkuchen hätte ich auch gern noch probiert, war aber satt und musste weiter in die Oberlausitz. Ob der Zusatz Gourmet-Flammkuchen genuss-taktisch sinnvoll ist, wage ich allerdings zu bezweifeln. Wer meine Interviews mit Köchen aus ganz Deutschland liest, weiß, wie vielfältig und umstritten dieser Begriff nicht nur in der Branche ist.  Die Karte könnte aus meiner Sicht allerdings eine noch klarer erkennbare kulinarische "Linie" des Küchenchefs erkennen lassen, die seinem Anspruch an originale Regionalität noch mehr entspricht.

Letzteres setzt Behl aber in seinem Meißner Menü geschmacklich trefflich um. Nach einer  Meißner Weißweinbouillon tafelt er, aus Meißner Porzellan, versteht sich, ein auf den Punkt gegartes rosa Kalbsrücksteak unter einer Kräuterhaube auf. Dazu gibt es einen hausgemachten Kartoffel-Baumkuchen in Form der Meißner Domtürme und saisonales Gemüse. Das hat visuell und geschmacklich seinen Reiz. Abgerundet wird das Ganze durch ein Vincenz Richter Riesling Eis in  einer Schokoladentulpe mit Obst und Beeren. Und das, neben den saisonalen Menüs, zu einem vergleichbar günstigen Preis mit Potenzial für einen Bib Gourmand. Wie gesagt, man kann durchaus noch an der Karte feilen und damit eine schlüssigere kulinarische Linie entwickeln.

Empfehlenswert sind auch die preisgünstigen Weinproben im Hause Vincenz Richter. Ins Glas kommen natürlich die Weine aus dem gleichnamigen Weingut, das Thomas herrlich bereits in 5. Generation fortführt. Ich muss sagen, mir gefallen diese prägnant-mundigen Weine vor allem trocken. Davon gibt es ein breites Angebot von Riesling, Burgunder und Traminer und anderen. Nicht ganz billig, aber mit dem Anspruch auf sächsische Weinbau-Tradition. Der Meißner Kapitelberg Riesling sorgt tatsächlich für Gefühle als würde einem sprichwörtlich-humorig ein Engel auf die Zunge pinkeln.


Lobenswert auch die virtuelle Umtriebigkeit des Hauses Vincenz Richter. Hier allerdings sehe ich große strukturelle und redaktionelle Reserven. Die Internet-Adresse führt erst einmal "nur" zum Restaurant an der Frauenkirche. Ganz nach Laune des Browsers kommt aber auch plötzlich und unerwartet, aber wohl nicht unerwünscht, auch das Weingut auf dem Bildschirm. Das Ganze ist aber für den unbedarften, im Detail auch für den versierten Internet-Besucher einigermaßen benutzerunfreundlich und demzufolge nur suboptimal.

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Sinnvoll wäre eine Startseite in deutlich erkennbarer Kombination von Stammhaus und Weingut, weniger Spielen mit vermutlich virtuellen Effekten und ein durchgängiges Etwas, was man neudeutsch Corporate Identity nennt. Ich bezeichne es mal als Wiedererkennungs-Effekt. Sodann könnte man eine geschickte Struktur aufbauen, die auch redaktionell aus einem Guss ist.


Das trifft im Besonderen auf den Restaurant-Bereich, wo auch einige Fehler "grüßen". Der gestalterische Ansatz im Detail ist gut. Die webtechnische Umsetzung hat die bereits genannten Reserven. Das hält mich aber mit Sicherheit nicht davon ab, bei meinem nächsten Besuch in Meißen bei Vincenz Richter einzukehren, noch mehr zu entdecken und neue geschmackliche Erfahrungen zu machen.

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