Geschmackssache: Räumchen wechsle dich

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In Freiberg haben in den frühen 50er Jahren mein Vater und sein bester Freund Siegfried parteipolitisch die Schulbank gedrückt. Kulinarisch ging es dann eher stets spartanisch zu. Und was die beiden nicht essen konnten, haben sie eben flüssig vernichtet. Geblieben sind treffliche Storys aus einer wilden Zeit. Wenn ich der Stadt einen Besuch abstatte, kehre ich meist im Le Bambou bei Ronny Löser ein, der mich immer wieder zu Köstlichkeiten verführt und manchen begehrenswerten Tropfen empfiehlt.


Das war diesmal anders. Denn das Le Bambou gibt es aus verschiedenen Gründen nicht mehr. Dessen Gäste aber brauchen nicht auf den exzellenten Geschmack verzichten, den Löser und sein Team in Szene setzen. Das neue Domizil heißt Genussbar und ist im Freiberger Kunsthandwerkerhof unweit der Kreuzteiche ansässig. In dem alten Bürgerhaus in der Altstadt teilen sich drei Konzepte einen Raum.


Wochentags wird dort am frühen Morgen für etwa 1500  Feinschmecker von morgen, also Kindergarten- und Schulkinder, gekocht. Ab Mittag öffnet montags bis freitags für drei Stunden die EssBar ihre Pforten und bietet abwechslungsreiche Angebote, die man nicht unbedingt als Hausmannskost deklarieren sollte.

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Und freitags und samstags schlägt die Stunde des Gastronomen Ronny Löser, der den Raum am späten Nachmittag mit geschmackvoller Gestaltung flugs in seine GenussBar verwandelt. Die bietet das bewährte Le Bambou-Niveau und jeweils zwei Menüs, die jeden Gourmet überzeugen, der Gast sich aber für ein individuelles 3- bis 5-Gang-Menü entscheiden kann.


Die gute Fee in der Küche ist die aus Brand-Erbisdorf stammende Lena Tippmann. Chef Löser schwärmt nahezu von der jungen Köchin, die bei einem französischen Sternekoch in der Nähe von Montpellier gelernt hat und viel Leidenschaft und Kreativität in ihre Tätigkeit einbringt. Sie kombiniert mutig und mit dem Sinn für Raffinesse, bringt viel französischen und mediterranen Geschmack auf den Teller. 

Das gefällt Max, der an Garnelen, Jakobsmuscheln und gewagten Kombinationen (fast) nie vorbei kommt.


Als Rezept zum Nachkochen lege ich Ihnen ein kunstvolles Türmchen auf den Tisch, dessen Name an eine Spezialität der französischen Pâtisserie angelehnt ist. Schmeckt vorzüglich und lässt viel kreativen Freiraum. Den lauwarmen Lachs kann man sowohl in den Turm integrieren als auch separat servieren.


Wenn Sie die GenussBar allerdings noch am alten Ort erleben wollen, sollten Sie sich beeilen. Die Freiberger Spatzen pfeifen es von den Dächern, dass etwa ab April GenussBar ein paar Querstraßen weiter Ecke Fischer-/Kornstraße, aber auch unter der Woche, stattfindet. Ich wette, das ist kein April-Scherz.

Diese Kolumne erschien samt Rezeptempfehlungen für ein Mille-feuille mit Lachs
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m 8. Februar 2018 in der Sächsischen Zeitung und in der Freien Presse.

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