25 Jahre MV – 25 Köpfe: Vollzeitminister mit Visionen – Prof. Dr. Wolfgang Methling

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Wolfgang Methling war als Minister ein Vorreiter für konsequenten Umweltschutz

SCHWERIN   Wenn einer seit 1966 Mitglied der SED war und im Wendeherbst 1989 zur Nachfolgepartei PDS gestanden hat, dann muss er sich schon fragen lassen, wie viel politische Kontinuität und wie viel Neuanfang in dieser Entscheidung lag. Für Prof. Dr. Wolfgang Methling ist diese Frage leicht und zugleich schwer zu beantworten. Der in Niendorf bei Rostock lebende Tierhygieniker erinnert sich: "Für mich war der Verbleib in der PDS ein längerer gedanklicher Prozess. Letztendlich wollte ich dabei bleiben, um mitzugestalten. Ich wollte zu meiner Biografie stehen und zeigen, dass ich eben kein Karrierist bin, der seine Fahne in den Wind hängt." In diesem Sinne fühle er sich, so Methling, nicht als gewendeter SED-Kader, sondern als einer, der die richtigen Schlussfolgerungen gezogen hat.

Wie viele andere Bürger aller parteipolitischen Couleur wollte er zunächst eine bessere DDR. Seine Intention war zunächst ein konföderaler Prozess zwischen beiden deutschen Staaten, eine Idee, die durch die rasante gesellschaftliche Entwicklung schnell zu den Akten gelegt wurde. Wolfgang Methling gibt aber auch  zu, dass er und viele seiner Mitstreiter Bedenken hatten, was beruflich aus ihnen wird. Sogar an Auswandern hätten seine Frau und er gedacht.

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Auch das wurde schnell verworfen und er blieb an der Universität Rostock, wurde 1992 Professor und engagierte sich weiterhin für seine Partei, kandidierte für ein Direktmandat im Bundestag, bis ihn 1998 der Ruf als Minister ins Kabinett Ringstorff erreichte. "Ich wollte zunächst kein Minister werden", so Methling, der vom PDS-Landesvorsitzenden Helmut Holter gefragt wurde. Schließlich aber habe sich Holter noch Gregor Gysi zu Hilfe geholt, so dass er letztendlich zugestimmt hat und neben Dr. Martina Bunge und Helmut Holter ein Ministeramt übernahm. Sein Ressort wurde das Umweltministerium.


Man habe Chancen genutzt, Spielräume erarbeitet und gestaltet, auch linke Positionen in die Landespolitik eingebracht. Dazu zählen für ihn vor allem ein genereller Nachhaltigkeitsansatz, der Klimaschutz, die Förderung erneuerbarer Energien sowie die Weiterentwicklung von Naturparken. Es wurden EU-Richtlinien zum Vogelschutz und zu FFH-Gebieten anspruchsvoll umgesetzt und eine fortschrittliche Abfallwirtschaftspolitik durchgesetzt. Methling, der nach der Landtagswahl 2002 auch stellvertretender Ministerpräsident unter Ringstorff wurde: "Wichtig war mir auch die Berufung eines Wissenschaftlichen Beirates und die Gründung von Umweltallianzen."  Besondere Herausforderungen linker Politik  bedeuteten für ihn in dieser Zeit außerdem die Enthaltung von M-V zur EU-Verfassung, die Proteste gegen den Bush-Besuch im Land, den G8-Gipfel und das sogenannte Bombodrom in der Wittstock-Ruppiner Heide sowie die Verhinderung der Ausweitung der Lagerung von Atommüll in Lubmin.


Dass die politische Algebra 2006 angesichts nur einer Stimme Mehrheit nicht ausreichte, um eine dritte rot-rote Legislaturperiode gestalten, hat Methling inzwischen abgehakt. Politisch wäre es möglich gewesen, numerisch nicht. Das wäre eine Zerreißprobe, eine Gratwanderung auf zu dünnem Eis gewesen, so sein Kommentar. Aber Gemeinsamkeiten, sicher auch Streitpunkte, mit der SPD hätte es wohl gegeben und diese Regierungskonstellation habe nicht nur M-V gut getan, sondern auch gewisse Weichenstellungen in Deutschland geschaffen.


Über den seinerzeitigen Vorwurf der Opposition, er sei wegen seiner übergangsweise notwendigen Lehrtätigkeit an der Uni Rostock nur ein Halbtagsminister gewesen, kann Wolfgang Methling nur lächeln. Er habe natürlich nur in seiner Freizeit gelehrt und halte es für eine gute Sache, wenn sich Landespolitiker und Beamte auch solchen Aufgaben stellen. Auch die Kritik an seiner konsequenten Naturschutzpolitik und seinem Einsetzen für erneuerbare Energien weist er von sich. "Heute tun manche jener Kritiker so als hätten sie diese Politik erfunden und auf den Weg gebracht", meint der Ex-Minister. Und den Unterschied zwischen seinem Nachfolger Till Backhaus (SPD) im Umweltressort kennzeichnet er so: "Ich stehe für Glaubwürdigkeit und Konsequenz. Und ich setze vor allem auf das 'wir'."


Heute ist Wolfgang Methling ein vielbeschäftigter Rentner mit einer stattlichen Anzahl von Ehrenämtern in der Kommunalpolitik und Kultur, hilft "regelmäßig im Haushalt", geht gern ins Theater und zu Konzerten und ist "topfit" wie er schmunzelnd versichert. Soll aber auch heißen: Für ein Ministeramt steht er nicht mehr zur Verfügung. "Ich habe schon 2011 Platz für Jüngere gemacht", meint der 67-Jährige.

Dieser Beitrag erschien am 7. Juli 2015 in der Schweriner Volkszeitung.

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