25 Jahre MV – 25 Köpfe: In Zahlen gegossene Politik – Sigrid Keler

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Sigrid Keler hat fast 20 Jahre aktiv Finanzpolitik im Nordosten mitgestaltet

BORN A. DARSS   Sie stammt aus Schlesien, ist in Thüringen aufgewachsen, hat in Sachsen Volkswirtschaftslehre studiert und anfangs in Sachsen-Anhalt gearbeitet. Seit 1963 aber hat es sie regelmäßig nach Born auf dem Darß "getrieben", wo der Schwiegervater eine Art Wochenendhaus hatte. Das hat bei Sigrid Keler die Sehnsucht geschürt, sich mit ihrem Mann in den Nordosten "abzusetzen". 1971 schließlich fanden sie in Ribnitz-Damgarten Anstellung und Wohnung. Der Weg bis auf den Darß war nicht mehr weit. Heute ist die frühere Schweriner Finanzministerin mit ihrem Mann Dauergast am Bodden und hat das malerische Anwesen zum Zweitwohnsitz auserkoren. "Sommerresidenz ist zu hochtrabend, passt nicht zu unserem naturverbundenen Lebensstil", scherzt Keler.


Den Wendeherbst und die darauffolgenden Jahre hat sie als eine "unglaubliche Zeit" erlebt, der von dem Wunsch nach dem einheitlichen Deutschland geprägt war. Trotzdem gibt sie zu, anfangs auch den Aufruf für eine reformierte DDR unterschrieben zu haben. "Man kann diese Erinnerungen kaum in Worte fassen. Die Entwicklung war atemberaubend und täglich von Überraschungen begleitet. Letztlich haben meine Kinder dann gesagt, jetzt müsse ich mich auch engagieren", verrät Sigrid Keler. Das war der Beginn ihrer politischen Karriere. Sie schloss sich 1990 der SPD an und freut sich noch heute darüber, dass auch einige ihrer Geschwister unabhängig voneinander diesen Schritt gingen. Den Ausschlag für ihre SPD-Mitgliedschaft haben Personen wie Willy Brandt und Helmut Schmidt, aber auch sozialdemokratische Inhalte gegeben.

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Seit 1990 im Schweriner Landtag war sie als Finanzexpertin tätig und wurde 1996 als Nachfolgerin von Finanzministerin Bärbel Kleedehn (CDU) ins Kabinett Seite berufen und gehörte diesem auch der Regierung unter Harald Ringstorff (SPD) an. Keler: "Als Finanzministerin braucht man nicht Mathematik studiert zu haben. Aber man braucht Vorstellungskraft über Größenordnungen und das Zusammenspiel von Verteilen und Kürzen. Der Haushalt ist in diesem Zusammenhang in Zahlen gegossene Politik."


Zu den Erfolgen ihrer Amtszeit zählt sie den erstmals ausgeglichenen Haushalt 2006, der in der gemeinsamen Regierung mit der PDS, heute: Die Linke, erreicht wurde. Viel investiert wurde in ihrer Amtszeit auch in den Staatlichen Hochbau, die Sparkassenstrukturen wurden stabilisiert und der Ausstieg aus den NORD LB vollzogen. Dass bestimmte Ziele nicht reibungslos und wunschgemäß erfüllt werden konnten, liegt für sie in der Natur der Sache. Insgesamt, so Keler, hat die Arbeit immer Spaß gemacht und auch die Stimmung im Ministerium war stets gut. Sie schätzt ein, ihrer Nachfolgerin ein gut bestelltes Ressort übergeben zu haben. Mit dem Rücktritt Ringstorffs Ende 2008 schied auch sie neben Wirtschaftsminister Otto Ebnet aus dem Kabinett aus. Man wollte neue, junge Kräfte in Verantwortung bringen, so ihr Kommentar.


Auch nach der aktiven Politik wurde es für Keler nicht langweilig. Als frühere aktive Leichtathletin nahm sie nur zu gern den Ruf als Finanzvorstand beim FC Hansa Rostock an. Keler: "Ich bin 2010 freiwillig angetreten aber auch 2012 freiwillig wieder ausgestiegen, weil die Zusammenarbeit zwischen Vorstand, Aufsichtsrat und Fans durchaus nicht optimal lief. Da hätte im besten Sinne des Wortes auf allen Leitungsebenen mehr passieren müssen. Bei allem Verständnis dafür, dass Hansa eine ganz wichtige Marke für das Land ist, darf man Solidarität nicht überstrapazieren. Das gebietet auch die Fairness gegenüber anderen Vereinen aller Couleur, die mit weitaus schlechteren Bedingungen kämpfen mussten und müssen." Man brauche, so Keler, zwar Geld, aber vor allem fachlich gute, integere Leute, die sich voll und ganz dem Geist der Sache verschreiben.


Heute bekleidet Keler eigenen Aussagen zufolge noch sehr anspruchsvolle Ehrenämter im Verwaltungsrat des NDR, im Aufsichtsrat der Festspiele MV und im Kuratorium der Deutschen Wildtierstiftung. Ihr Refugium aber ist und bleibt das Anwesen auf dem Darß. Hier tankt sie Ruhe und Kraft. "Das war schon zu meiner Zeit als Ministerin so", sagt sie lächelnd und blickt über die bunte Sommerwiese nahezu verliebt in Richtung Bodden.

Dieser Beitrag erschien am 16. Juni 2015 in der Schweriner Volkszeitung.

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