25 Jahre MV – 25 Köpfe: Erster Akt wider Willen – Ekkehard Hahn

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Ein gefühlter Thüringer versteht sich längst als eingemeindeter Mecklenburger

SCHWERIN   Sein Spitzname "Ekke" ist für ihn ebenso ein Markenzeichen wie sein unverwechselbares schauspielerisches Können. Weit über 40 Jahre gehörte Ekkehard Hahn am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin zu den prägenden Mimen des Hauses, dessen Ehrenmitglied er heute ist. Mit einem schelmischen Lächeln erinnert er sich, wie es ihn 1962 von Weimar nach Schwerin "verschlagen" hat. Schon während und nach des Studiums an der Hochschule für Musik "Franz Liszt" in Weimar war Hahn schon gut im Geschäft, machte auch in Tanzmusik war Sprecher beim Sender Weimar. Außerdem wohnte seine Mutter in seiner Geburtsstadt Naumburg an der Saale und eine Liebste war auch schon aktuell. Kein Grund also, die Klassikerstadt zu verlassen.


Als ihm dann der Ruf des damaligen Schweriner Generalintendanten Martin Hellberg nach Schwerin erreichte, wollte er dem bekannten Regisseur und Schauspieler seine Absage im persönlichen Gespräch in Schwerin mitteilen. Hahn: "Die Unterhaltung hatte aber einen ziemlich einseitigen Ausgang. Der wortgewaltige Intendant nötigte mir nach einem Essen und 3 plus x Weinbrand eine Unterschrift für ein einjähriges Engagement ab. In diesem Sinne war mein erster Auftritt in Schwerin sozusagen ein Akt wider Willen." Ein wichtiges Argument war aber auch eine erste eigene Wohnung im Hochhaus am Lamprechtsgrund, in die dann auch seine spätere Frau Erika einzog und am Theater seine Kollegin wurde.

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Der ersten Rolle als Mackie Messer folgten in Schwerin bis 1999 mehrere hundert Rollen aller Genres vom Musical über klassisches und politisches Theater bis zum Kabarett sowie Dutzende Auftritte in Funk und Fernsehen wie in der Sendung "Musik und Snacks vorm Hafen...". Ein Höhepunkt in seiner langen Karriere war für den schauspielerischen Tausendsassa die Paraderolle als "Hauptmann von Köpenick", die ihm Peter Dehler zu seinem beruflichen Ausstand bescherte. Die Wendezeit hat der heute 80-Jährige natürlich auch aus künstlerischer Sicht erlebt und Dinge ausprobiert, die bis dahin so nicht denkbar gewesen wären. Dazu gehörten FDJ- und Volkslieder, die man völlig neu interpretiert und hintergründig-humorig aufgeführt hat.


Bereut, so Ekkehard Hahn heute, hat er seinen Umzug in die heutige Landeshauptstadt nie. Und er habe auch trotz anderer Angebote nie einen Gedanken an einen Umzug verschwendet. Ekkehard Hahn: Als gefühlter Thüringer verstehe ich mich heute längst als eingemeindeter Mecklenburger. Soll auch heißen: Die Green Card habe ich längst abgegeben. Ich fühle mich angenommen und mag die ruhige, bedächtige, ja fast gemütliche und trinkfeste Art der Mecklenburger sehr." Heute, so Ekke Hahn, genießt er vor allem den Ruhe- und Unruhestand, kocht gern und verwöhnt damit gelegentlich auch die Enkelsöhne mit einem guten Happen. Hin und wieder kehrt er auch in seiner Stammkneipe ein, wo er gern gesehener Gast ist, oder fährt auf die Insel Poel oder nach Warnemünde. Und ein Ort der Entspannung ist das Gartenhaus am Ostorfer See, wo seine Frau Erika das Regiment führt, aber auch seinen tätigen Rat sucht, wie er augenzwinkernd verrät.


Dass es seit 1990 wieder ein Land Mecklenburg-Vorpommern gibt, habe er seinerzeit sehr begrüßt. Hahn: "Ich bin da eher Traditionalist und kann der Länderstruktur mehr abringen als kommunalpolitischen Gebilden wie Bezirken. Als dann noch Schwerin Landeshauptstadt wurde, hatten sich schon zwei meiner Wende-Wünsche erfüllt", meint Hahn lachend. Das Meiste, was sich bisher im Land bewegt hat, gefalle ihm übrigens. Was nicht heißt, dass es auch eine lange Wunschliste gibt, an der es noch zu arbeiten gelte. In die Politik aber wollte er nie einsteigen. "Mit den Politiker zu tauschen würde mir nie in den Sinn kommen", so sein Kommentar. Und obwohl er kein ausgeprägter politischer Mensch sei, gebe es eine Partei seines Vertrauens. Hahn salomonisch: "Ich stehe da in der Tradition vieler Theatermenschen, die sich ihres sozialen und kulturellen Auftrags verpflichtet fühlen..."

Dieser Beitrag erschien am 8. April 2015 in der Schweriner Volkszeitung.

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