25 Jahre MV – 25 Köpfe: Zimmer mit Aussicht – Angelika Gramkow

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Schwerins Oberbürgermeisterin will die BUGA nochmal in den Nordosten holen

SCHWERIN   Von wegen "Freitag nach eins macht jeder seins". Die Schweriner Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow lädt auch um drei zum Gespräche ein, sogar um fünf hat sie noch einen Termin in ihrer zusätzlichen Funktion als Kulturdezernentin. Und sie zeigt dem Gast in ihrem Arbeitszimmer einigermaßen stolz den phänomenalen Ausblick auf das malerische Panorama der Landeshauptstadt samt Schloss, Dom, Schelfkirche und den Seen.

Aber das ist schließlich nicht der Grund des Besuchs. Also kommt die diplomierte Ökonomin schnell zu Sache und erzählt in ihrer bekannt eloquenten Art: "Vor der Wende habe ich als Lehrerin an der Fachschule für Finanzen Studenten unterrichtet. Die wollten von mir wissen, wie es nun weiter geht. Darauf Antworten zu geben, war schwer. Aber mir war schnell klar, dass ich mich wegen meiner Sozialsierung in der DDR und als politischer Mensch nicht aus der Verantwortung stehlen durfte, sondern zu meiner Überzeugung stehen musste."

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Sie blieb in der SED, später PDS, heute Die Linke und resümiert aus heutiger Sicht: "Es war gut, dass wir mit allem Für und Wider weitergemacht haben." Sie hätte seinerzeit allerdings den sogenannten 3. Weg einer demokratischen DDR und einer kooperativen Konföderation mi der alten BRD favorisiert. Dieser Wunsch wurde schnell zur Utopie. Gramkow wechselte bereits 1991 in den Schweriner Landtag und avancierte dort schnell zur ausgewiesenen Haushalts- und Finanzexpertin.


Markenzeichen in ihrer parlamentarischen Arbeit und als spätere Fraktionsvorsitzende ihrer Partei war (und ist) ihre ausgeprägte Emotionalität. Etwas kokett-verlegen, aber auch amüsiert erinnert sie sich im Gespräch an eine Episode, da sie von einer Boulevardzeitung wegen ihrer zahlreichen Zwischenrufe im Parlament mit "Krakelika" betitelt wurde. Gramkow: "Ich bin inzwischen etwas ruhiger geworden. Aber ich stehe nach wie vor dazu, dass man Emotionen und damit Wahrheit und Moral zeigen muss."


Im Landtag hatte Gramkow den Vorteil, Politik sowohl aus Oppositions- als auch aus Koalitionssicht erlebt und gestaltet zu haben. "Das prägt das Verständnis für tragfähige Kompromisse ungemein", schätzt sie ein und gesteht, sehr gern Finanzministerin gewesen zu sein. Das haben aber die politischen Konstellationen nicht ermöglicht. Punkt. Man habe aber in der Rot-Roten Koalition Weichen gestellt und eine Menge bewegt, wovon das Land heute noch profitiert. Es ist ökologischer geworden, die Landwirtschaft hat einen hohen Stellenwert und auch in der Arbeitsmarktpolitik sind wichtige Akzente gesetzt worden. Sozusagen als "unerledigt" sieht sie Dinge wie die Sportgymnasien, die in Landesträgerschaft gehören, und das längere gemeinsame Lernen in den Schulen an.


2008 dann ein für viele völlig unerwarteter Sieg der Angelika Gramkow: Sie setzte sich in der Stichwahl zum Schweriner Oberbürgermeister gegen den SPD-Kandidaten Gottfried Timm durch und sitzt nun im siebten Jahr in dem besagten "Zimmer mit Aussicht". Als OB hat man übrigens, so Gramkow, ähnliche Gestaltungsmöglichkeiten wie ein Finanzminister. Für Schwerin habe man angesichts der schwierigen Finanzlage mit dem Innenministerium einen vertretbaren Rahmen abgesteckt, sich aber die Umsetzung in kommunaler Selbstverwaltung bewahrt. "Das nenne ich friedliche Koexistenz zwischen Stadt und Land", meint sie schmunzelnd, merkt aber kritisch an, dass der vom Land eingesetzte Berater "durchaus nicht beeindruckend" agiert.


Trotz vieler Schwierigkeiten bei der Umsetzung von kommunalpolitischen Zielen, konstatiert die Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt eine gute Entwicklung. Es hat sich einiges in Sachen des Zuzugs neuer Einwohner, der Sanierung, Schulen und Kitas sowie im Bereich wirtschaftlicher Investitionen und in der touristischen Ausstrahlung getan. Das führt sie auch auf eine sachorientierte, pragmatische Arbeit der Schweriner Verwaltung abseits aller parteipolitischen Kalküle zurück. Ein guter Grund also, auch zur nächsten OB-Wahl 2016 wieder anzutreten und im Amt zu bleiben. Auf mögliche Gegenkandidaten geht sie nicht ein. "Jeder Kandidat ist ein ernsthafter", so ihre Einschätzung. Sie will mit ihren eigenen Argumenten punkten, dann möge der Wähler entscheiden.


Nach ihren Wünschen gefragt, wie sich die Landeshauptstadt in zehn Jahren präsentiert, braucht Angelika Gramkow nicht lange nachzudenken: "Bis dahin wird zum zweiten Mal eine BUGA in Schwerin stattfinden, die wir zusammen mit dem Umland organisieren. Und vor allem, dann sind wir mit über 100.000 Einwohnern wieder Großstadt und halten auch Bildungsangebote universitärer Ausrichtung vor." Bevor das realisiert ist, meint die lese-, sport- und kulturbegeisterte Oberbürgermeisterin, gibt es noch viel zu tun. Ihren Teil an Aufgaben möchte sie deshalb weiterhin aus ihrem jetzigen Büro heraus erledigen. Man(n) ist geneigt, ihr abzunehmen, dass sie das nicht wegen des Zimmers mit der schönen Aussicht sagt.


Hinweis: Angelika Gramkow unterlag zur OB-Wahl 2016 dem SPD-Bewerber Dr. Rico Badenschier.

Dieser Beitrag erschien am 8. September 2015 in der Schweriner Volkszeitung.

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