Geschmackssache: Max is(s)t gräun…

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Max' Kulinarische Kolumne - Frittierter Mozzarella mit Salbei

Es ist eine alte Weisheit: Im Krug macht man die besten Geschäfte. Da gibt’s immer einen, der einen kennt, der einen kennt, der was hat oder kann. Und natürlich ist am Stammtisch immer viel Humor angesagt. So auch dieser Tage. Ein guter Bekannter von mir war aus Respekt vor seinem 60. Geburtstag nach Rügen „geflohen“ und hat dort ein paar schöne Tage mit seiner Frau verbracht.


Der erzählte folgende Episode: Auf der Überfahrt von Schaprode nach Hiddensee sprach ein Großvater mit seinem Enkel konsequent platt. Finde ich gut, kann man ja nicht genug üben. Schließlich fragte der Opa angesichts zweier Seezeichen in der Ostsee den gerade mal drei bis vier Jahre alten Enkel: „Wecker Farf hett dei lütt Tunn, mien Jung?“ Auf gut Deutsch: Welche Farbe hat die kleine Tonne, mein Junge?“ Der Butscher guckt naseweis über die Reeling, blickte triumphierend zum Großvater auf, und sagte mit wissendem Augenaufschlag: „Gräun…“ Für Unwissende: Grün. Ich habe ob meines Kopfkinos über diese „Szene“ herzhaft gelacht und werde sogar nachts wach, um darüber zu grienen.

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Sie wissen schon, was jetzt kommt: Ein „grünes“ Rezept. Wie wäre es mit frittiertem Mozzarella mit Salbei? Das sieht nicht nur vorwiegend grün aus, sondern ist auch sehr geschmacksintensiv. Los geht's: Nehmen Sie eine rosa Grapefruit, schälen Sie sie und schneiden die Filets heraus. Den Saft nicht wegschütten. Der wird mit einer fein gewürfelten Schalotte, Zucker, Balsamico, Salz, Pfeffer und Olivenöl verrührt. Dann werden einige Stangen rohen Spargels, aus der Region natürlich, in sehr dünne Scheiben gehobelt und mit den Grapefruit-Filets unter das Dressing gehoben. Nun ist Zeit für Mozzarella-Kugeln, die mit Salz und Pfeffer gewürzt und je einem Salbeiblatt eingewickelt werden. Diese Kügelchen in Mehl, Ei und Semmelbröseln wälzen und in heißem Fett zwei bis drei Minuten ausbacken. Auch weitere Salbeiblätter werden frittiert. Alles auf Küchenpapier abtropfen lassen. Fertig.


Nun bekommen Rucola, Löwenzahn und Dill ihren Auftritt. Waschen, trocken schütteln, klein zupfen, mit dem Spargel-Grapefruit-Salat vermischen und mit dem Mozzarella sowie dem frittierten Salbei anrichten. Ich habe es ausprobiert: Schmeckt gar trefflich als Vorspeise. Wenn man das als Hauptgericht ausbauen möchte, kann man ja die Grapefruit- und Spargelanteile aufstocken und mit  dem Mozarella zu einer Kaninchenvariante aus Keule oder Rücken ausbauen. Na gut, Karnickel ist nicht so Max‘ Ding, aber der Hunger, besser: der Geschmack, treibt’s rein. Lamm geht ja auch, oder ein „lütt Steak“.  Dazu braucht man außer einem Glas guten Rotweins keine Sättigungsbeilage.


Und wie kriege ich nun den Bogen zur eingangs genannten „gräunen“ Variante?  Nichts leichter als das. Es gibt ein plattdeutsch-diabolisches Sprichwort, das heißt: „…‘n bäten mihr Farf kann nich schäden, secht dei Düwel, un striekt sien Grotmutter schwart an…“ Den Satz übersetze ich aus Respekt nicht. Aber wenigstens „gräun“ hätte „der Düwel“ ja nehmen können. Smiley. Wollen wir aber hoffen, dass noch viele Kinder „gräun“ schnacken lernen. Das ist nämlich im übertragenen Sinne mehr als nur Farbe, sondern ein echtes Bekenntnis.

Diese Kolumne erschien am 16. Mai 2017  in der Schweriner Volkszeitung.
Anmerkung: Leider wurde durch die Redaktion das Wort "grün" mit "greun" ersetzt.
Das ist definitiv nicht meine sprachliche Farbenlehre. Bei mir geht's plattdeutsch "gräun" zu. Smiley.

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