Landgasthof Roger – Löwenstein: Zu Besuch in der Schwäbischen Toskana

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Flair Hotel Landgasthof Roger

Heiligenfeld 56 - 74245 Löwenstein-Hößlinsülz
www.landgasthof-roger.de

Zugegeben, der Begriff "Schwäbische Toskana" war mir bisher nicht untergekommen. Und der Ort Löwenstein war mir auch nicht wirklich ein Begriff. Man(n) lernt eben nie aus. Aus Richtung Stuttgart kommend habe ich aber zunehmend geahnt, was sich dahinter verbirgt. Leicht hügelig-gewellte Landschaft, kleine Orte, die sich malerisch an die Landschaft schmiegen, und Weinberge nahezu allerorts. Es fällt mir nicht schwer, mir diese Landschaft vorzustellen, wenn dort alles in voller Blüte steht. Ein Flair von Toskana mitten in Schwaben eben.

Mein Ziel ist das Flair Hotel Landgasthof Roger in Löwenstein-Hößlinsülz. Und ich freue mich auf Michael Roger, mit dem ich schon längere Zeit regen Kontakt über virtuelle Kanäle hatte. Große Enttäuschung, als mir der Herr an der Rezeption offenbart, dass der Chef einen Termin hat und erst am Nachmittag zurück ist. Kaum hatte ich mich vom ersten Schreck erholt, kam er aber freudestrahlend  aus dem Restaurant und bat mich schwäbisch-herzlich herein. So viel zum Thema Mitarbeiter, die ihrem Chef den Rücken von Vertretern aller Art frei halten wollen. Dabei bin ich doch nur ein Vertreter guten Geschmacks.

Mein erster Eindruck vom Hausherrn: "Is des e Schwob". Groß, stattlich, verwegener Schnauzbart, der sich auch im Logo des Hauses wiederfindet, und einen herrlichen schwäbischen Dialekt. Einziger Stilbruch: Der Mann erwartete mich in eher bayerischer Tracht mit einer echt Krachledernen. Macht nichts, der Mann ist ein Unikat (um nicht zu sagen: Unikum) an sich.


Er erzählt mir lebhaft von der Schönheit der Löwensteiner Berge und dem Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald. Er schwärmt von seiner Mutter, die in ihm die Liebe zum Kochen geschürt hat. Er freut sich über sein Drei-Generationen-Haus, in der die Mutter noch ein fester und nicht wegzudenkender Bestandteil des Lebens und Schaffens ist. Ihr letzter Arbeitstag wird ihr Tod sein, meint Michael Roger. Fügt aber schnell hinzu: Der möge noch lange auf sich warten lassen.


Während des Hotelrundgangs erzählt mir der Hausherr außerdem schmunzelnd, dass er auf seiner kulinarischen Wanderschaft seine Frau Claudia aus der Schweiz "mitgebracht" hat. Die kümmert sich vor allem um den gastronomischen Service. Obwohl ich zu früher Mittagsstunde noch der einzige Gast im Restaurant bin, glaube ich ihm auf den ersten Blick, dass die Chefin die Gäste mit Charme und Gastfreundlichkeit verwöhnt.

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Das Hotel verfügt über fast 70 Zimmer verschiedener Kategorien. Sie sind ebenso geräumig wie geschmackvoll eingerichtet und bieten in fast allen Richtungen einen weitschweifenden Blick auf die reizvolle Landschaft der Schwäbischen Toskana. Farblich sind die Zimmer in warmen Pastelltönen gehalten, verfügen über geschmackvolles Interieur und natürlich alle Annehmlichkeiten modernen Wohnens. Die räumlich besonders groß gehaltenen Superior-Zimmer eignen sich auch gut als Familienzimmer.


Gleiches gilt für die Komfortzimmer mit einer Verbindungstür, so dass Eltern und Kinder getrennt und doch zusammen einen erholsamen Aufenthalt verleben können. Wundervoll anzuschauen und Wohlbehagen versprechend auch der textilfreie Wellnessbereich mit finnischer Sauna, Biosauna, Dampfbad, Whirlpool, Tauchbecken, Solarium, Wärmebank, Erlebnisdusche und Ruheliegen. Hier ist man Mensch, hier kann man's  sein.

Erwähnenswert an dieser Stelle sind auch die Arrangements, die die Rogers ihren Gästen bieten. Die reichen von Wellness über Aktivurlaub bis hin zu All-Inklusive-Angeboten. Mich würde zum Beispiel einmal ein Schwäbisches Weinwochenende mit diversen kulinarischen Überraschungen und heimischen Trauben reizen. Mal sehen, auch der Herbst hat schöne Tage...


Leider wird da wohl nicht mehr die Zeit für ein Bett im Maisfeld sein, das Roger für Verliebte und alle, die es werden wollen, anbietet. Aber keine Angst, bei verhangenem Sternenhimmel und unkuscheliger Witterung stehen den Gästen natürlich auch komfortable Doppelzimmer zur Verfügung, verspricht Michael Roger augenzwinkernd. Und beim Lachen bebt sein monumentaler Bart leicht mit. Sympathisch, der große Schwabe...

Wobei wir beim Thema Küche wären. Küchenchef Michael Roger bietet seinen Gästen vor allem das, was die Region zu bieten hat: bodenständige Gerichte, die den Anspruchs des Küchenmeisters nicht übersehen lassen. Die Speisenkarte ist überschaubar, aber durchaus einladend verlockend für alle, die deftige Kost schätzen und auch einmal neue geschmackliche Nuancen kennenlernen wollen.


Denn schließlich muss Roger und sein Küchenteam auch dem Anspruch von Toskana gerecht werden. Das setzt er mit nahezu leichter Hand um, indem er beispielsweise bei den Vorspeisen viel mit Kräutern und Salaten hantiert und leichte, bekömmliche Nuancen in die durchaus "stattliche" schwäbische Küche zaubert.


Das Interview mit dem Küchenchef können Sie hier nachlesen...

Ich habe mich für eine Flädlesuppe und eine Miniversion seiner "Schwobapfännle" entschieden. Schließlich wollte ich ja auch wissen, wie Michael Roger seinen "Roschtbrate" interpretiert, dem ihm schon die Mutter beigebracht hat. Er hat mich nicht enttäuscht. Die Suppe war ein herzhafter Appetitanreger. Das "Pfännle" eine gut, aber nicht aufdringlich gewürzte Kombination aus eben dem Rostbraten  und Schweinslendchen mit Champignons. Dazu eine Maultausche und Spätzle.


Das war ein Hochgenuss für meines Vaters Sohn. Leider hatte ich nicht die Zeit, die Speisenkarte weiter zu bemühen, denn mit vollem Bauch fährt es sich nicht unbedingt gut, zumal noch eine Reise ins Thüringische auf mich wartet. Meine Frau hätte sich sicher an dem schwäbisch-toskanischen Vorspeisenteller und Schweinelendchen nach Art der schönen Schweizerin mit Käsewürfeln auf Rahmsoße (nicht: Sauce) angefreundet. Wer die schöne Schweizerin als Namensgeberin ist, lässt sich leicht erraten.

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Ganz verführerisch aber auch die Wildspezialitäten des Hauses. Oder die Fischspezialitäten. Alles keine aufwändigen Gourmet-Kreationen, aber sehr anspruchsvoll zubereiteten Gerichte. Das will der Küchenchef auch nicht, sondern mit seinen Möglichkeiten den Geschmack der Region an den Gast weiterreichen. Michael Roger schreibt übrigens auch auf der Speisenkarte oft wie ihm der schwäbische Schnabel gewachsen ist. Bei ihm heißt es eben Wildsaubraten, Pfännle und Bubaspitzle (Schupfnudeln). Wäre schön, vielleicht mit gelegentlich hochdeutscher Übersetzung, wenn er das auf der gesamten Karte durchhalten würde.


Für einen ausgedehnten Aufenthalt im Landgasthof Roger, der Chef spricht den Namen übrigens sehr bodenständig "Rooger" und nicht "Rotscher" aus, hätte darüber hinaus noch viele kulinarische Wünsche. Die Fischgerichte lassen mir das berühmte Wasser im Munde ebenso zusammenlaufen wie die vermeintlich kleinen Gerichte von A wie Schnitzel nach Wiener Art (wer den alphabetischen Scherz erkennt, bekommt 100 Punkte) über H wie Herrentoast und M wie Maultaschenblattspinatpfanne und S wie Straßburger Wurstsalat. Dass da auch K wie Käse oder R wie Rauchfleischplatte nicht fehlt, ist aus der Karte unschwer ersichtlich und mehr als verlockend.

Neben den wohnlichen Zimmern und dem gediegenen Essen bieten Claudia und Michael Roger ihren Gästen noch eine Reihe weiterer Annehmlichkeiten. So hat das gastliche Haus eine Reihe von Veranstaltungen unter dem Motto "Dinner & Show" zu bieten. Keine Frage, dass dabei der Chef mit von der kulinarischen Partie ist und alle Register seines schwäbischen Humors zieht. Versprochen, da bleibt kein Auge, auch keine Kehle, trocken. Für Freunde des Grillens ist bei Rogers ebenfalls eine nahezu sinnlich-kulinarische Oase. Und das bei jedem Wetter, denn der Biergarten ist überdacht. In der sogenannten "Stibbicher Hütte", einer rustikalen Bar im Hotelkeller, hält der Hausherr allerlei gute Tropfen parat, die auch verwöhnte Gaumen jauchzen lassen und einen entspannten Tagesausklang, je nach Stimmung, garantieren.


Auf der Internet-Seite gibt's darüber hinaus eine Menge Informationen zu den Sehenswürdigkeiten der Region. Das Hotel ist in diesem Sinne idealer Ausgangspunkt für Wanderungen und Fahrradtouren zu allen Jahreszeiten und bei (fast) allen Witterungslagen. Die virtuelle Darstellung des Hauses ist für mich allerdings etwas gewöhnungsbedürftig. Das ist mir in farblich-gestalterischer Hinsicht etwas zu unruhig, im Detail etwas zu piepselig und auch redaktionell manchmal holperig. Hier fehlt etwas die toskanische Leichtigkeit in seriöser Verbindung mit dem schwäbischen Humor. Wer weiß, kann man ja ändern...

  • 90.4%
    Max’ Geschmacks Quotient (MGQ)

Der MGQ ist der Quotient aus der Summe der Einzelbewertungen in Bezug auf 
Angebot / Geschmack / Präsentation / Preis-Leistung / Service / Ambiente / Konzept

Kategorie: Gasthäuser

  • Angebot 85%
  • Geschmack 93%
  • Präsentation 90%
  • Preis-Leistung 90%
  • Service 95%
  • Ambiente 90%
  • Konzept 90%

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