Kommentiert: Fettige EU-Verordnung

olivenoel

Die EU, will man den Gazetten glauben, plant doch tatsächlich eine RFVÖ. Das soll im Beamtendeutsch dann "Restaurant-Flaschen-Verordnung für Olivenöl" heißen. Und bedeutet, dass ab Januar 2014 die Karaffen mit Olivenöl von den Tischen der Restaurants verbannt werden müssen.

Weil: die Gäste müssen sicher sein, dass auch das Olivenöl in den kleinen Fläschchen drin ist, das ihnen der Gastronom verspricht. Das heißt: die Fläschchen müssen "besonders verschlossen" und nicht wieder auffüllbar sein. Top secret für Olivenöl sozusagen.

Was sagt uns dieses aberwitzige Vorhaben? Für mich gibt es da zwei Varianten, obwohl auch weitere denkbar sind. Entweder die Brüsseler Ordnungshüter, mir liegt der Begriff Ladenhüter auf der Zunge, haben nichts zu tun und müssen sich solchen wichtigen Sachen wie Olivenöl-Karaffen widmen. Oder sie glauben tatsächlich an den Sinn solchen Widersinns. Vor allem die Begründung der geplanten Verordnung haut der Flasche den Boden aus.

Nein, es geht nicht etwa um hygienische Aspekte, sondern um die Abschaffung des Grundsatzes: im Zweifel für den Angeklagten. Pardon: für den Gastronomen. Denn die werden per se zu potenziellen Etikettenschwindlern verdammt, weil man ihnen Unredlichkeit unterstellt.

Ok, das mag es im Detail geben. Schwarze Schafe gibts nicht nur in der Gastronomie. Aber welcher ambitionierte Koch oder Gastronom wird sein Renommee auf's Spiel setzen, in dem er minderwertiges Olivenöl auf den Tisch bringt? Zumindest anspruchsvolle Gäste werden den Schwindel schnell (v)erkosten und solche Lokalitäten künftig meiden. Das spricht sich schnell herum und führt im schlimmsten Fall zur Aufgabe des Restaurants.

Aber es drängt sich auch noch ein anderer Gedanke auf. Diese neuen Olivenöl-Flaschen müssen ja produziert werden. Vielleicht will sich ja damit jemand eine goldene Nase verdienen. Fragt sich dann bloß, wie die Olivenöl-Hersteller reagieren. Könnte ja sein, dass gerade die kleinen dann einen nicht reparablen Schaden erleiden, weil sie die Kosten für eine aufwändigere Abfüllung nicht mehr tragen können.

Man sieht also, des einen Freud, des anderen Leid. Was man gegen solche Pläne tun kann, darauf weiß ich keine wirkliche Antwort. Auf die Straße zu gehen und gegen RFVÖ zu protestieren, ist wohl etwas naiv und wenig Erfolg versprechend. Aber vielleicht könnte man den Eurokraten einmal tüchtig die Suppe versalzen, wenn sie nach den Mühen des Tages ein opulentes Mahl genießen wollen.

Kann doch sein, dass dann der Lieblings-Grieche oder -Italiener eine verschweißte Kanne auf den Tisch stellt, um zu beweisen, dass sein Olivenöl nicht gepanscht ist. Wenn man dann noch liest, dass die EU ähnliches für Essig, Salz, Pfeffer und Hauswein plant: da bleibt einem doch der Bissen im Hals stecken. Gute Nacht, Europa...

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