Im Interview: Sylvia Neidhardt – eine Köchin mit Grundsätzen

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Sylvia Neidhardt

Jahrgang 1961, verheiratet, 2 Kinder.

Nach anfänglicher beruflicher Tätigkeit als Verkäuferin lernte sie in Frankfurt/Oder Köchin, hat in der Seeburg Storkow gearbeitet und schwingt seit 2008 im familiär geführten Restaurant Alter Weinberg in Storkow das Küchenzepter.

Was ist für Sie Genuss im Allgemeinen und in kulinarischer Hinsicht?

Allgemein ist das für mich Entspannung im weitläufigsten Sinne des Wortes. Und in kulinarischer Hinsicht ist es frisches, schmackhaftes Essen. Nichts hochtrabendes, aber handwerklich gut zubereitet und gut gewürzt.

Wie beschreiben Sie Ihre kulinarische "Philosophie"?

Einfach, gut, schnörkellos, aber immer mit Überraschungseffekt.

Beschreiben Sie Ihr kulinarisches Angebot in einem Satz?

Deftige, bodenständige, regional verbundene Küche.

Wie setzen Sie diesen Anspruch praktisch um?

Was die Saison hergibt, kommt eben zu seiner Zeit auf den Tisch. Die Palette reicht von Spargel und Pilzen über Erdbeeren und Schmorgurken bis hin zum Fisch aus der Region.

Was zeichnet Ihre Küche zu vergleichbaren Angeboten im kulinarisch Umfeld aus? Worin wollen Sie sich bewusst unterscheiden?

Wir bleiben unserem Anspruch treu und kümmern uns nicht, was Mitbewerber machen. Allein das unterscheidet uns...

Sie bieten eine recht umfangreiche Paletten an bodenständig-deftigen Speisen. Ist das nicht eigentlich zu viel des Guten?

Wir setzen auch weiter auf Vielfalt, berücksichtigen aber auch den Trend zu leichter oder vegetarischer Küche. Und die Praxis zeigt, dass das unsere Gäste schätzen. Warum sollten wir daran etwas grundsätzlich ändern?

Gesetzt den Fall, ein Gast wünscht sich spontan ein Drei-Gänge-Überraschungsmenü. Was würde Ihnen dazu spontan einfallen?

Spargelsuppe, so die Saison passt, Rumpsteak und ein Erdbeerdessert mit Eis und Sahne.

Nach welchen Kriterien entwickeln Sie Ihre Speisen?

Sagte ich schon: Die Saison ist unser Maßstab. Dabei muss man aber auf den Preis achten, damit  die Leute auch bleiben und wiederkommen.

Kommt Ihre Küche ohne  "Verstärker" oder Convenience-Produkte aus?

Aber klar, an diesem Grundsatz wird auch nicht gerüttelt. Ich bereite alles frisch zu, so, wie ich es gelernt habe.

Woher beziehen Sie Ihre Produkte? Wie wichtig ist Ihnen die Zusammenarbeit mit regionalen Erzeugern?

Wir suchen schon die Zusammenarbeit mit regionalen Erzeugern, beispielsweise den Fischern. Aber da reicht oft die Menge nicht aus und es ist auch eine Preisfrage. Aber der Großhandel bietet qualitativ sehr gute Produkte an.

Können Sie sich einen Mittelweg zwischen bodenständiger und Gourmet-Küche vorstellen? Ergänzend: Praktizieren Sie diesen Mittelweg im Detail?

Ich könnte es, möchte es aber nicht. Wir wollen unser kulinarisches Profil pflegen, können aber natürlich auch Dinge zaubern, die durchaus gehobenen Anspruch haben. Ohne dabei das Wort Gourmet zu strapazieren.

Was ist für Sie ein Spitzenkoch? Ist ein Stern dafür das Muss?

Nein, es kommt auf solides Handwerk an. Bei aller Wertschätzung kann aber auch ein Spitzenkoch nur mit Wasser kochen.

Wie sehen Sie die Situation hinsichtlich des Nachwuchs im Koch-Metier? Wo liegen hier aus Ihrer Sicht die Reserven und Notwendigkeiten?

Die Gastronomie hat es schwer. Der Gast setzt auf preiswerte Masse und Klasse. Da beißt sich der kulinarische Hund in den Schwanz. Es muss auch ein neues Werteverständnis der Gäste her. Und die politischen Rahmenbedingungen für die Branche bedürfen auch dringender Veränderung.

Nachgefragt: Was halten Sie von der aktuellen Flut von Kochsendungen aller Couleur? Auf welche Art davon kann die Welt verzichten?

Die Mehrheit davon spottet angesichts von Show und Klamauk jeder Beschreibung. Das verklärt das Berufsbild und erklärt auch, warum viele junge Köche das Handtuch schmeißen und den Beruf nicht als Berufung verstehen.

Welche der bekannten deutschen oder internationalen Köche sind für Sie eine Art Vorbild in Bezug auf Authentizität und Qualität des Kochens?

Ich mag Kolja Kleeberg, der natürlich ist und kocht.

Welchen Traum als Köchin würden Sie sich gern noch verwirklichen?

Die Hauptsache ist es, gesund zu bleiben. Ich bin sehr zufrieden, so, wie es ist...

Wie muss ein Restaurant aussehen und was muss es Ihnen bieten, um sich dort als Gast wohl zu fühlen?

Hell, freundlich, individuelles, unaufdringliches Ambiente. Alles in Verbindung mit gutem Essen.


Was haben Sie für Hobbys? Spielt Kulinarik für Sie auch in der Freizeit eine Rolle?

Ich fühle mich im Garten und am Kräuterbeet sehr wohl. Da kommen mir auch die besten Einfälle für die Küche. Und natürlich genieße ich auch die Ruhe und Entspannung nach Feierabend.

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