Hotel & Restaurant Reuner: Gastlichkeit am Rande der großen Stadt

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Hotel & Restaurant Reuner

Machnower Chaussee 1a - 15806 Zossen
www.hotel-reuner.de

Kommt man aus Richtung Berlin in die ehemalige Kreisstadt Zossen, wird kurz nach dem Ortseingang  linkerseits ein stattlicher Neubau sichtbar, der sich dank weithin sichtbarer Bewerbung als Hotel vorstellt. Nun ja, habe ich mir gedacht, eines von vielen, was soll die Leute schon an die B 96 locken? Aber schon bei der Auffahrt auf das weiträumige Hotel-Gelände wird der Eindruck konkreter: Das Ganze hat Charme und Flair. Und richtig, es handelt sich um eines von deutschlandweit rund 100 Flair-Hotels. Die wissen also offenbar, wen sie in ihre Reihen aufnehmen. Gemeint ist natürlich das Hotel & Restaurant Reuner, das 1994 im sogenannten Speckgürtel von Berlin erbaut wurde.


"Eben diese Lage zur Hauptstadt macht unseren Standort für die Berliner und ihre Gäste so interessant", erklärt mir Daniel Reuner, der Chef des Hauses. "Binnen einer guten halben Stunde können sie dem lärmigen Großstadttrubel buchstäblich entfliehen und die Ruhe und Beschaulichkeit der märkischen Landschaft am Naturschutzgebiet Prierowsee genießen. Das ist ein wichtiger Teil unseres Konzepts." Ich ahne schnell, dass ich an diesem Nachmittag noch eine Menge zu sehen bekomme und freue mich, das Haus und natürlich auch seine Küche zu erkunden.

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Angefangen hat der Familienbetrieb, erzählt mir der junge Hotelier nicht ohne Stolz, mit der Wende. Seine Eltern hatten seinerzeit an dieser Stelle einen kleinen Imbiss, der sich bei den Durchreisenden immer größerer Beliebtheit erfreute. Das bewog die Familie dazu, die eigentlich bislang nichts mit Gastronomie zu tun hatte, ein Hotel zu bauen. Ganz ohne die Berliner Mentalität, einen auf "dicke Hose" zu machen, wurden realistische Pläne erarbeitet und vor allem die Finanzierung sichergestellt, die auch in Nachwendezeiten kein leichtes Unterfangen darstellte.


Dass sich die Mühen gelohnt haben, wird auch dadurch deutlich, dass Vater Reuner längst den Staffelstab an Sohn Daniel und Schwiegertochter Silke weitergegeben hat und einen florierenden Gasthof im unweit gelegenen Glashütte am Rande des Spreewalds betreibt. Mehr noch, das frühere Haupthaus wurde im September 2013 mit einem repräsentativen Anbau erweitert, so dass das gastliche Haus am Rande der großen Stadt jetzt 30 Zimmer mit einer Kapazität von 50 Betten aufweist. Hinzu kommen zwei vollklimatisierte Wintergärten und Tagungsräume mit allen Möglichkeiten modernen technischen Komforts. "Das macht das Hotel für Geschäftsreisende attraktiv, die in größerem Rahmen beraten, aber am Abend auch in geselliger Runde entspannen wollen", erklärt mir Daniel Reuner augenzwinkernd. Recht hat er, nach des Tages Mühen müssen schließlich auch die Freuden des Feierabends kommen.

Ein Rundgang durch das Haus und die Zimmer ringt mir Hochachtung ab. Hier waren offensichtlich Leute am Werk, die den Blick für's schöne Detail haben und wissen, wie Gäste sich wohlfühlen. Die Zimmer sind zweckmäßig, ohne Schnickschnack, aber mit allen modernen Wohnkomforts eingerichtet. Es dominieren helle Pastelltöne, die auf die Möblierung der Zimmer abgestimmt sind und auch mit dem dezent-schmückenden Interieur recht geschmackvoll kombiniert sind. Ganz begeistert war ich von den geräumigen Mansardenzimmern, die nicht nur viel Platz, sondern auch stilvolle Gemütlichkeit bieten. Hier lässt sich mit Sicherheit ebenso gut arbeiten wie ausspannen. Soll auch heißen: Geheimtipp für alle, die sich einmal einen Arbeitsurlaub gönnen wollen oder müssen. So ganz am Rande muss ich an dieser Stelle wohl auch noch auf die Aussicht in die herrliche märkische Natur hinweisen, die sich von nahezu allen Zimmern bieten.


Die Kinnlade staunend herunter geklappt hat sich mir dann angesichts des weitläufigen Areals der Reunerschen Gärtnerei, die der Chef von drei Mitarbeitern betreuen lässt. Da wächst in einem riesigen Gemüsegarten und Gewächshäusern fast alles, was man in der Küche verarbeiten kann. Auch Lämmer und Federvieh wird hier gehalten. Und durch das ganze Areal verstreut, wächst allerorts die wohlschmeckende und gesunde Physalis, die eine besondere Rolle für das Haus und seine Küche spielt, wie Daniel Reuner mir im Interview verrät. "Det is ne Wolke", würde der Berliner sagen. Und genau dieses sprachliche Bonmot ging mir dabei durch den Kopf.

Ins Haus zurückgekehrt geht's im Interview natürlich um das Thema Küche. Und, "icke war baff", es hat sich rein zufällig herausgestellt, dass der Hotelier auch Küchenchef ist. Spaß beiseite, Daniel komm her, denn das habe ich natürlich gewusst. Reuner schwört auf die sogenannte "Cuisine naturelle", die er von Anton Mosimann, einem seiner wichtigsten Lehrmeister mit auf den Weg bekommen hat. Übersetzt soll der Begriff wohl heißen: frische, naturnahe, also bodenständige Küche. Dass dabei auch raffinierte, zeitgemäße geschmackliche Akzente und Produktkombinationen einfließen, versteht sich für den jungen Küchenchef von selbst. Und noch was: Daniel Reuner gehört zu den konsequenten Verfechtern des regionalen Küchen-Gedanken. Er verarbeitet alles, was in seinem regionalen Umfeld wächst und gedeiht und in der Natur kreucht und fleucht.


Ein Blick auf die Speisekarte verrät mir im doppeldeutigem Sinn: Der Mann hat was "uffe Pfanne", wie es wohl im Berliner Jargon heißt. Neben einem monatlich wechselnden Menü bietet er eine Vielzahl schmackhafter Gerichte an, die ganz dem genannten regionalen Anspruch entsprechen. Und vor allem durchweg in einer verlockenden Kombination der einzelnen Produkte und Zutaten. Im aktuellen Menü bietet er Gurken Gazpacho mit gebratener Garnele oder Tranchen vom Rostbeef mit Tomaten-Kürbisragout an. Mir tropft der Zahn. So viel Zeit habe ich aber leider nicht, wie gern hätte ich in aller Ruhe das 4-Gang-Menü genossen...

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Das alles kann man in der Gaststube ebenso genießen wie in dem Wintergarten-Restaurant mit dem freien Blick auf die kleine Terrasse. Auch im Innenhofbereich kann man gar trefflich sitzen und genießen. Das ist ein echtes naturnahes Refugium, das die Reuners für ihre Gäste geschaffen haben. Man möchte es abgewandelt mit Goethe sagen: "Hier bin ich Gast, hier darf ich's sein..." Und wer die Gemüseschnitzereien von Daniel Reuner gesehen hat, der staunt gleichermaßen über seine Fingerfertigkeit und Kreativität. Ich bin zwar sonst nicht unbedingt ein Liebhaber solcher Kunstwerke, weil mir da die Bodenständigkeit etwas abgeht. Aber Respekt vor solchen gestalterischen Ideen.


Kritik gibt's auch: Wie (fast) immer im virtuellen Bereich. Die Internet-Seite ist informativ und gut illustriert. Aber man muss oft lange rollen, bis es wirklich zur Sache geht. Das erschwert die Übersicht und letztlich auch das Verständnis für das Ganze. Hier könnte man sprachlich und gestalterisch straffen und beispielsweise für die Videos einen eigenen Menüpunkt schaffen. Aber insgesamt: Chapeau an das Team des Hauses, das in jeder Beziehung wirklich eine gute Adresse ist.

  • 94.1%
    Max’ Geschmacks Quotient (MGQ)

Der MGQ ist der Quotient aus der Summe der Einzelbewertungen in Bezug auf 
Angebot / Geschmack / Präsentation / Preis-Leistung / Service / Ambiente / Konzept

Kategorie: Restaurants

  • Angebot 92%
  • Geschmack 95%
  • Präsentation 93%
  • Preis-Leistung 94%
  • Service 95%
  • Ambiente 95%
  • Konzept 95%

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