Hotel Fichtelberghaus: Erholung und Genuss in luftiger Höhe

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Hotel Fichtelberghaus

Fichtelbergstraße 8 - 09484 Oberwwiesenthal
www.hotel-fichtelberghaus.de

Als gebürtiger Erzgebirger muss man den Fichtelberg natürlich kennen. Zumal mein Geburtsort Aue nicht sehr weit entfernt ist vom höchsten Berg der neuen Bundesländer. So ergab es sich in meiner Kindheit und Jugend schon, dass ein Ausflug nach Oberwiesenthal auf dem Programm stand. Mein Ski- und Rodelrevier aber war eher der Auersberg, der Kuhberg oder die Rodelwiesen in  und um Aue. So richtig kennengelernt habe ich das gastliche Haus erst, als ich 2008 eine "Kulinarische Entdeckungsreise durch Sachsen" geschrieben habe. Damals hat mich Harry Meinel empfangen und mit faszinierender gastgeberischer Freundlichkeit und erzgebirgischer Herzlichkeit über das Angebot es Hauses informiert.


Acht Jahre später hat mich wieder ein  Meinel empfangen. Diesmal war es jedoch Meinel Filius Dirk, der damals wie heute Küchenchef war/ist und gemeinsam mit Schwester Isa das Hotel leitet. Die allerdings konnte ich diesmal nicht begrüßen. Denn die junge Frau ist seit März 2016 glückliche Mutter. Gute Aussichten also für die gastgeberische Familientradition. Dirk Meinel, rank und schlank, mit schelmischem Jungenblick, sieht man seine 43 Lenze beileibe nicht an. Er führt mich nahezu euphorisch und mit viel Hintergrundwissen durch das Haus, zeigt mir die Zimmer, den großzügigen Wellnessbereich und natürlich sein Küchenreich samt den dazu gehörigen Restaurants.

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Die Zimmer und Suiten des Hauses kannte ich bisher noch nicht. Dort herrscht, wie der Erzgebirger kurz und bündig sagen würde, Ordnung. Soll heißen, alles ist eher einfach und übersichtlich, dem natürlichen Umfeld geschuldet bodenständig. Das Mobiliar besteht aus hellem Fichtenholz. Die Zimmer sind zweckmäßig, aber mit Geschmack und Gespür zum liebevollen Detail eingerichtet. Dazu die überall vorherrschende Aussicht in die Natur. Gratis, versteht sich.


Und natürlich fehlen auch die Standards modernen Wohnens nicht. Dazu gehören für mich WLAN und TV ebenso wie Telefon und eine Minibar. Hoffentlich mit einem Wernesgrüner drin. Dass die Gäste auch ein sehr ansprechender Sanitärbereich erwartet, versteht sich für mich von selbst. Reizen würde mich einmal eine Auszeit in der Großen Suite des Hauses mit einem phänomenalen Aus- und Weitblick auf das Erzgebirge und die umliegenden Ortschaften. Kann ja noch werden, der Preis ist selbst in der Wintersaison vergleichbar günstig. Mal schauen, welcher Anlass sich anbietet.

Nicht unbedingt erwarten kann man im Fichtelberghaus die umfangreiche Kunstsammlung der Familie Meinel mit einer riesigen Anzahl an Gemälden mit Landschaftsmotiven aus dem Erzgebirge  und Skulpturen aus Holz wie eine nahezu monumentale Wand, die aus dem Holz der Erzgebirgswälder geschlagen und kunstvoll zusammengesetzt wurde. Da kann man stundenlang davorstehen und entdeckt immer wieder neue Details, die die Fantasie anregen. Ich beispielsweise habe die Umrisse einer halbseitigen Gesichtspartie mit Schnurrbart und Augenbrauen entdeckt. Das wiederum war Dirk Meinel bisher neu.    


Bei so einem Rundgang kommt man schnell ins Plaudern. Ich vergesse fast, dass ich vor allem der Kulinarik Willen auf den Fichtelberg bekraxelt bin. Na gut, mein Skoda hat mir beim Kraxeln geholfen. Oben angekommen hat es mir trotzdem ob der Eindrücke erst einmal den Atem genommen. Ähnlich ging es mir dann in Küche von Dirk Meinel. Hier offenbart der junge Mann nahezu seine Seele und zeigt, wie sehr er in sich und seiner Arbeit ruht. "Das Guck", in dem ich ein ausführliches Interview mit dem Küchenchef geführt habe, hat natürlich noch geschlossen. Meinel aber lädt mich zu einer Art Privat Dining am Mittag in seiner großzügig und modern eingerichteten Küche ein und lockt mich mit frischem Saibling, Brennnesselsuppe mit pochierten Ei und Holunderblütensorbet. Mehr noch, wir wollen das zusammen zubereiten. Da nehme ich doch gern an. Mein Part besteht im Zureichen von Gerätschaften, gelegentlichem Abschmecken, und natürlich im Fotografieren.


Inzwischen bereitet der Koch seine Arbeit vor, entpuppt sich als Perfektionist im Mise en Place und als gut gelaunter kulinarischer Moderator. Bevor es aber ans eigentliche Kochen geht, führt er mich in seinen Kräutergarten. Der ist aber kein abgezäuntes Gärtchen, sondern die Natur am Fichtelberg. Dort findet Meinel alles, was sein Kräuterherz begehrt. Sein Blick wirkt nahezu verzückt angesichts der Kräuter und Blüten, die er dort liebevoll zupft. Ich ahne, wie sehr er seine Heimat liebt. Und ich ahne schon, wie er die auf dem Teller umsetzt. Mir tropft der Zahn.


Zurück in der Küche geht er mit geübten Handgriffen des Profis ans Werk, filetiert den Saibling, gießt den Holunderblüten-Sud ab, schnippelt Gemüse, würzt behutsam die Suppe und lässt mit Fingerspitzengefühl das Ei ins kochende Wasser gleiten. Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich nicht unbedingt ein Freund pochierter Eier bin, respektive war. Aber Dirk Meinel hat mich auf den Geschmack gebracht. Das werde ich mir jetzt öfters gönnen.


Ich kann es kurz machen: Der Fisch war ein schmackhaft-zartes Sommergedicht feinster Art, die Suppe auf den Punkt abgeschmeckt und mit dem Ei optimal in Liaison gebracht. Und der geschmackliche Kracher war das Holunderblüten-Sorbet, das immerhin eine Flasche guten Sekt intus hatte. So hätte das bis zum Abendessen weitergehen können. Die Art Meinels, zu kochen, hat für mich eine wohltuend puristische Note ohne viel Schnickschnack, aber auf der Grundlage handwerklicher Meisterschaft. Der Mann weiß einfach, wie man Natur auf den Teller bringt. Und das auf hohem Niveau. warum sich übrigens die einschlägig verdächtigen Rdestaurantsführer noch nicht auf den Berg verirrt haben, wissen wohl nur die Küchengötter oder andere Tester.

So weiß ich, was mich im "Guck" erwartet, wenn ich dort einmal mit meiner Frau einen kulinarisch-untermalten Sonnenuntergang genießen werde. Ein Blick auf die Speisekarte des Restaurants verrät mir, dass ich dazu aus einem bunten geschmacklichen Potpourri wählen kann. Das roh marinierte Rinderfilet mit Kräuteröl und Hartkäse wäre sicher ebenso einer meiner Favoriten wie die Sächsische Fischsuppe oder das gebackene Ei mit Blattspinat und luftgetrocknetem Speck. Als Hauptgang würden mir das Angusrind Entrecote gratiniert mit Estragonbutter und grünen Bohnen oder der Rehrücken mit Staudensellerie und Steinpilzkrapfen die Qual der Wahl bereiten.


"Mei Fraa", wie man sein Weib im Erzgebirge nennt, würde sicher dem Zanderfilet mit Sommergemüse und Gnocchi und/oder der Wachtel in Rosmarinjus mit glasiertem Knoblauch verfallen. Obwohl: Letztere würde auch noch zu meinem Appetit passen. Einig wären wir uns sicher in Sachen Sorbet. Sie eines mit Zitronen und Melisse, ich eines mit Gurke und Dill. Und ich wette, die Dame an meiner Seite würde als Dessert ein Joghurt mit Honig, Gartenbeeren und frittiertem Salbei wählen. Mein Dessert wird eindeutig ein Ziegencamembert mit Portweinpflaumen sein. Danach kann man sich ja gemeinsam noch eine Sommerbowle mit Holunderblüteneis gönnen. Nur Fahren geht dann nicht mehr. Also noch einen Absacker in der stilvollen Bar und dann "Husch, husch, die Waldfee."


Nicht fehlen darf bei einem  Besuch im Fichtelberghaus natürlich auch eine Einkehr in die Erzgebirgsstuben mit klangvollen und inhaltsreichen Namen wie Arthur-Schramm-Hütte, Dichter-, Erzgebirgs- und Jagdzimmer. Und wer Glück hat, kann auf der Sonnenterrasse Grillspezialitäten genießen und dann durchaus auch den "alten und jungen Meinel" gemeinsam am Grill erleben. Ich habe seinerzeit mit dem Senior im Dichterzimmer gart trefflich auf erzgebirgisch geplaudert und konnte mich zudem von der vorzüglich-bodenständigen Küche der Erzgebirgsstuben überzeugen. Hier geht es kulinarisch nicht minderwertiger, aber eben rustikaler und damit etwas einfacher zu.

Mir gefallen in diesem Zusammenhang Gerichte wie Pilztopf mit Semmelknödel als vegetarische Variante ebenso wie der Erzgebirgische Sauerbraten, der ist nicht so quieksauer wie in Dresden, Wildragout oder Steaks vom Hirschkalb. Und überhaupt: Knödel in allen Varianten lasse ich nie links liegen. Und nahezu mutig ist hier die Hähnchenbrust mit Foccacciabrot und Avocadocreme überbacken mit Tomate und Mozarella. Das nenne ich Taktik, um die Ausländer jenseits des Erzgebirges an die regionale Küche heranzuführen. Und wer es ganz Karo einfach, aber schmackhaft liebt, der bekommt Kartoffelsuppe und Soljanka ebenso wie frische Pilze mit Butter und Brot. Dass es hier keine Grünen Klöße (Griene Kließ) gibt, nehme ich dem Küchenteam nicht übel. Da würde der Aufwand dem Nutzen nicht entsprechen.


Virtuell  punktet das "hohe Haus" für mich übrigens mit kleinen Abstrichen. Durchaus ideenreich aufgebaut, muss man für meinen Geschmack beispielsweiseweise (nicht nur) auf der Startseite zu viel rollen, um alles zu erfassen. Kurze Teaser zu einzelnen Themen würden diesbezüglich mehr Übersicht schaffen, die den Fichtelberg sonst prägt. Dazu braucht man auch keinen Klick mehr als sonst, erspart sich aber den ermüdenden Rollbalken. Schön finde ich aber die gut gestalteten Einstiegs-Schaltfotos für die einzelnen Bereiche. Das erzeugt virtuelle Vorfreude, was man gleich erleben wird. Eine dezent eingesetzte erzgebirgisch-mundartlich geprägte und erläuterte Ansprache an den virtuellen Besucher würde der Seite zudem einen  besonderen Reiz verleihen.


Mein Fazit: Den Fichtelberg, wie auch immer, zu erklimmen, ist ein Erlebnis in jeder Beziehung und Auslegung. Ihn zu genießen, ist gleichermaßen ein natürliches wie ein kulinarisches Erlebnis. Hier wird einem das Erzgebirge in jeder Hinsicht auf dem Tablett präsentiert. Dank Leuten wie Isa und Dirk Meinel samt ihrem engagierten, sympathischen Kollektiv, wie es früher einmal hieß.  In diesem Sinne "Glück Auf.", wie man im Erzgebirge allerorts sagt.

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(Anmerkung: Hier hat der MGQ seine Grenzen. Eigentlich war ich geneigt, das "Guck" in die Kategorie A "Spitzengastronomie" einzuordnen, oder die Erzgebirgsstuben in die Kategorie C "Gasthäuser". Um das von mir intuitiv-individuell festgeschriebene Werteschema nicht zu verschieben, habe ich mich in beiden Fällen für Kategorie B entschieden.)

  • 90.7%
    Max’ Geschmacks Quotient (MGQ)

Der MGQ ist der Quotient aus der Summe der Einzelbewertungen in Bezug auf 
Angebot / Geschmack / Präsentation / Preis-Leistung / Service / Ambiente / Konzept

Kategorie: Restaurant
Das Guck

  • Angebot 91%
  • Geschmack 92%
  • Präsentation 90%
  • Preis-Leistung 90%
  • Service %
  • Ambiente 91%
  • Konzept 90%
  • 87.4%
    Max’ Geschmacks Quotient (MGQ)

Der MGQ ist der Quotient aus der Summe der Einzelbewertungen in Bezug auf 
Angebot / Geschmack / Präsentation / Preis-Leistung / Service / Ambiente / Konzept

Kategorie: Restaurants
Erzgebirgsstuben

  • Angebot 85%
  • Geschmack 90%
  • Präsentation 85%
  • Preis-Leistung 90%
  • Service 85%
  • Ambiente 90%
  • Konzept 87%

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