Hotel Dorotheenhof: Ganz nahe an Klassik, Kultur und Natur

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Romantik Hotel "Dorotheenhof"

Dorotheenhof 1 - 99427 Weimar
www.wellnesshotel-weimar.de

Wenn man wie ich weit über zehn Jahre in Weimar gelebt, geliebt, geweint und gelacht hat, denkt man, Stadt und Umgebung wie seine Westentasche zu kennen. Mit dem zeitlichen Abstand von über 25 Jahren ist das aber ein typischer Fall von "Denkste". Allein die verkehrstechnische Infrastruktur nach und in Weimar wurde einem grundlegenden Wandel unterzogen. Da gibt's heute Dinge, die gab's eben Ende der 1980er Jahre noch nicht.


Diesmal war das Romantik Hotel "Dorotheenhof" in der Weimarer Stadtrandlage Schöndorf das Ziel meiner Reise. Auch dieser Ortsteil hat sich markant verändert, der Begriff Dorotheenhof war mir aber bisher nicht geläufig. Ich kannte Tiefurt, Belvedere oder Buchenwald, und natürlich die Stadt an sich ziemlich gut. Das war schließlich noch meine Sturm- und Drangzeit. Umso mehr war ich auf das Anwesen des früheren Rittmeisters Carl von Kalckreuth gespannt, der offenbar schon Anfang des 20. Jahrhunderts gewusst hat, wo es sich schön ruhig und trotzdem nahe der Residenzstadt Weimar leben lässt.

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Was die offizielle Auffahrt für das Hotel ist, kann man nur erahnen. Ich jedenfalls bin aus Weimar kommend an der ersten ausgeschilderten Zufahrt rechts abgebogen und auf einer kleinen Pflasterstraße, Weg wäre die bessere Bezeichnung, auf das Hotel-Areal gefahren. Das beeindruckt auf den ersten Blick durch klare gestalterische Linien, einen gepflegten Park und einen berauschenden Ausblick auf die Klassikerstadt und die nahe Umgebung von Weimar.


Im Hotel selbst wird man an der Rezeption angenehm freundlich, aber nicht gekünstelt begrüßt. Beim Check-In erfahre ich alles, was ich über meinen Aufenthalt im Haus wissen muss und bekomme auch ein paar schriftliche Gedächtnisstützen in die Hand. Man kann auch Prospekte dazu sagen. Später erklärt mit Geschäftsführer Claus Alboth bei einem Rundgang durch das Haus, dass die Zimmer und Suiten seit Anfang des Jahres einer aufwändigen Restaurierung und Modernisierung unterzogen wurden.


Was dabei herausgekommen ist, kann sich sehen lassen. Die Zimmer sind in warmen Pastelltönen gehalten und mit dem Blick für das innenarchitektonische Detail eingerichtet. Dabei überwiegt, ganz dem historischen Umfeld verpflichtet, die klassische Komponente. Aber nichts lässt irgendwie auf verstaubte Nostalgie schließen. Da waren Fachleute mit Geschmack und dem Sinn für klassisches Ambiente in Verbindung mit zeitgemäßer Wohnkultur am Werk.

Mein Einzelzimmer war in Beige und Braun gehalten. Ein Sessel mit kleinem Couchtisch fehlte ebenso nicht, wie ein Stuhl und Schreibtisch mit ausreichend Platz für einen, der auch auf Reisen nicht auf PC und Internet verzichten kann oder will. Das kostenlose, und schnelle WLAN-Internet hat mich begeistert. Hier kann man(n) es auch länger aushalten, oder nimmt sich ein größeres Doppelzimmer, wenn man seine Liebste oder die, die es mal werden soll, an seiner Seite hat. Meine Frau jedenfalls war begeistert von den Fotos, die ich ihr präsentiert habe. Da wird wohl bald ein gemeinsamer Weimar-Besuch fällig.


Sehr komfortabel auch die Schränke mit viel Stauraum und ausreichend Ablagefächern für Mann und  Frau. Ich wollte an dem Wochenende immerhin an der Gala zum Großen Gourmet Preis Thüringen im Hotel Elephant teilnehmen. Dementsprechend umfangreicher war mein Gepäck. Alles bestens, kann ich versichern. Das trifft auch auf den sehr geschmackvollen und praktisch ausgestatteten Sanitärteil zu. Dass auch Dinge wie Telefon, TV und Radio nicht fehlten, versteht sich wohl von selbst. Von der gut ausgestatteten Minibar habe ich allerdings sozusagen als Betthupferl je Nacht nur eine kleine Buddel Bier "vernascht". Immerhin: Standesgemäß Radeberger. Guter Stoff...


Noch nicht ganz fertig war der Spa & Beauty-Bereich des Hauses. Der wird ab Juni auf über 230 qm verschiedene Saunen, ein Dampfbad, einen Eisbrunnen sowie Massage- und Kosmetikräume bieten. Neugierig wäre ich diesbezüglich bei meinem nächsten Besuch auch, was eine Erlebnisdusche ist, von der Claus Alboth geschwärmt, aber noch nichts verraten hat. Und eine Yin Yang Paarwanne mit Farblicht und Klang dürfte auch ein besonderes Erlebnis sein. Es sei denn, man hat den richtigen Part an seiner Seite. Schade nur, dass diese Wanne offensichtlich in der Mitte getrennt ist. Na ja, Vorsicht ist bekanntlich die Mutter der Badewanne. Frei nach dem Motto: Wehret den Anfängen.


Darüber hinaus bietet der Dorotheenhof für Tagungen und Feiern aller Art beste Bedingungen. Mächtig beeindruckt hat mit das "Parlament im Park", ein dem Bauhausstil, Weimar lässt grüßen, nachempfundener Funktionsbau in modernem Design. Von hier aus hat man auch einen herrlichen Blick auf den malerischen Park. Ich hatte das Glück, einmal durch die Tür zu "luschern", als gerade eine Hochzeit zu Gange war. Da ist echt gut Feiern, zumal das Team des Hotels alles daran setzt, auch die individuellsten Wünsche der Gäste zu erfüllen.


Gleiches gilt für den Dorotheensaal, die großzügige Bibliothek und der Tagungsraum Ettersburg. Hier ist auch technisch alles bereit für Seminare, Besprechungen im kleinen und größeren Kreis sowie repräsentative Empfänge. Der Geschäftsführer weißt mich auch auf die zahlreichen Arrangements des Hauses hin. Mein lieber Jonny, Männer passt auf, dass davon eure Frauen vorab im Internet nicht zu viel spitz bekommen. Da sind vielleicht Verlockungen dabei. Aber das ist gewollt, erklärt Claus Alboth schmunzelnd.

Er zeigt mir bei dieser Gelegenheit auch seine Kochschule, die den Einrichtungspreis eines noblen Oberklassewagens haben dürfte. Alles ist in der "Küchenwerkstatt", wie Claus Alboth die Kochschule nennt, sehr großzügig und modern eingerichtet, und es fehlt natürlich auch nicht an modernstem technischen Gerät. Und vor allem: Hier kocht der Chef selbst mit seinen Hausgästen. Dazu muss man wissen, dass Claus Alboth ein Spitzenkoch ist, der sich neben seiner administrativen Arbeit als Geschäftsführender Direktor ab und an auch immer wieder mal Kochvergnügen gönnt. Immerhin, so ein Kurs dauert in der Regel reichlich sechs Stunden. Also schweißtreibende Arbeit für Koch und Teilnehmer. Da kommt gerade recht, dass man am Abend das im Kochkurs vorbereitete Menü samt korrespondierenden Weinen genießen kann.

Spätestens an dieser Stelle muss ich auf die Küche des Hauses zu sprechen kommen. Im Dorotheenhof kann man im stilvollen Restaurant "Le Goullon" essen. Das frühere Gourmetrestaurant "Alboth's" ist jedoch mittlerweile geschlossen. Was nicht heißt, dass man auf Gourmet-Freuden verzichten muss, wie mir Alboth vielsagend versicherte. Und was habe ich nun nach einem ausgiebigen Weimar-Bummel an (m)einem freien Abend im Doroteheenhof gegessen?

Facebook-Leser wissen es längst: Ich konnte mir das (abgespeckte) Thüringen-Menü nicht verkneifen. Der Wildkräutersalat mit gebratener Wachtelbrust und Wachtelei war exzellent zubereitet. Das war ein gefühlvoller geschmacklicher Einstieg. Danach kam eine sehr pikante Suppe. Vergessen Sie Conchita Wurst. Die gebratene Knackwurst in der Kartoffelsuppe des Menüs ist tausendmal besser als der ESC-Sänger. Ich hätte es mir nicht verziehen, wenn ich nicht regional gegessen hätte. Das war Spitze und vor allem sehr delikat, ganz nach meinem Geschmack gewürzt. Und die deftige Rinderroulade mit Thüringer Kloß war mein finaler Gang. Den Strudel von Dorotheenhof-Äpfeln mit Vanilleeis habe ich ausgelassen. Man(n) muss ja schließlich auf seine Linie achten.


Dafür hat mich die angeregte Unterhaltung mit Service-Chefin Marta Hüller sehr angenehm berührt. Solche Mitarbeiter braucht ein Haus. Auch dafür hat Claus Alboth offensichtlich ein gutes Gespür. Nicht vergessen werden soll auch der große Kräuter- und Gemüsegarten gleich hinter dem Hotel. Das ist der ganze Stolz von Claus Alboth. Hier wachsen nicht nur die landläufigen Kräutersorten, sondern auch Portulak, Pimpernelle, Melde und Mangold. Und Alboth versichert mir, dass alle erntefrisch in der Küche verarbeitet wird.

Etwas erstaunt bin ich allerdings, dass das Haus auf seiner sehr ansprechend gestalteten Website nichts vom Keller des Hauses berichtet. Denn der ist mit Tropfen verschiedenster Anbaugebiete durchaus gut bestückt. Mehr noch, gleich neben dem Hotelareal befindet sich ein Weinberg, den Claus Alboth scherzhaft als "seinen Weinberg" bezeichnet. Korrekt ist, dass der Wein zum Weimarer Weingut des Prinzen zu Lippe gehört, der hier seit 2008 auf 46 Hektar neben klassischen Burgunderrebsorten auch Weimarer Spezialitäten wie Auxerrois, Sauvignon Blanc und Zweigelt angepflanzt hat und die Weine als Premium-, Lagen- und Gutsweine entwickelt. Klar, dass der "Dorotheenhof" auch edle Tropfen von "seinem" Weinberg im Keller hat.


Bei all den Namen wird mir übrigens gerade bewusst, dass ich Claus Alboth gar nicht gefragt habe, wer die mysteriöse Dorothee als Namensgeberin des Hotels war. Unverzeihlich, aber nachzuholen. Versprochen. Ich habe schließlich auch noch einen guten Draht zu Weimarer Archivaren und Historikern. Dazu muss man wissen, dass ich in der Goethe-und-Schiller-Stadt einst meine berufliche Laufbahn als Archivar begonnen habe. Lang, lang ist's her. Die Frage an sich hat sich aber schneller und einfacher als gedacht geklärt: Dorothea war die Frau des ollen Rittmeisters. War ja klar, oder...


Alles in allem, Weimar war einmal mehr eine Reise wert. Ich habe Erinnerungen an meine Zeit in dieser wunderschönen Stadt aufgefrischt, alte Bekannte getroffen und neue Bekannte gefunden. Mit dem Dorotheenhof aber habe ich im besten Sinne des Wortes ein gastliches Haus gefunden, in dem sich Einkehr lohnt und Entspannung breit macht. Daran haben Leute wie Claus Alboth und sein Team Schuld. Und das ist gut so.


Wieder gen Norden bin ich deshalb mit einem weinenden und einem lachenden Auge gefahren, weil ich gern noch etwas geblieben wäre, aber weil die Liebste in der Heimat auf mich wartet. Froh bin ich aber, dass ich sozusagen einen Koffer in Weimar habe und es sich lohnt, demnächst wieder hinzufahren. Würde so jedenfalls die von mir hochgeschätzte Hildegard Knef sagen. Nein, besser: singen... Und deshalb fahr' ich nächstens wieder hin.

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  • 92.9%
    Max’ Geschmacks Quotient (MGQ)

Der MGQ ist der Quotient aus der Summe der Einzelbewertungen in Bezug auf 
Angebot / Geschmack / Präsentation / Preis-Leistung / Service / Ambiente / Konzept

Kategorie: Restaurants

  • Angebot 90%
  • Geschmack 93%
  • Präsentation 92%
  • Preis-Leistung 95%
  • Service 95%
  • Ambiente 93%
  • Konzept 92%

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