25 Jahre MV – 25 Köpfe: Im Osten geht die Sonne auf – Prof. Dr. Günther Krause

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Günther Krause blickt nicht im Groll auf seine relativ kurze politische Karriere zurück

BRANDENBURG-KIRCHMÖSER   Er zählte zu den schillerndsten Personen der deutschen Einheit. Sein  privates Domizil hatte er in Börgerende bzw. Admannshagern an der Ostsee. Sein beruflicher Schreibtisch stand bis 1993 in Berlin. Seit Januar 2014 aber hat Günther Krause seinen Hauptwohnsitz in einen Brandenburger Ortsteil an der Havel verlegt. Der Grund dafür ist einfach: Die beruflichen Aktivitäten mit seiner Projektentwicklungs- und Beratungsfirma IBP erfordern europaweite Reisetätigkeit, die eben flugtechnisch von Berlin besser als von Rostock-Laage zu organisieren sind.


Der Honorarprofessor und promovierte Ingenieur war, seit 1975 Mitglied der DDR-CDU, Kreisvorsitzender in Bad Doberan und wurde im März 1990 als Vorsitzender der neugegründeten Landesverbandes M-V gewählt. Mit ein wenig Stolz erzählt Krause davon, dass der erste Runde Tisch nicht in Berlin, sondern in Bad Doberan gegründet wurde. Und er vergisst nicht, zu sagen, dass er dabei durchaus auch "gute und geradlinige SED-Leute" kennen- und respektieren gelernt hat.

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Seinem fachlichen und eloquenten Auftreten als Mitglied der DDR-Volkskammer und CDU-Fraktionsvorsitzender war es geschuldet, dass er ab April 1990 zum Parlamentarischen Staatssekretär beim Ministerpräsidenten der DDR und Verhandlungsführer bei den Gesprächen für den Einigungsvertrag avancierte. Er "verrät" in diesem Zusammenhang die wenig oder nicht bekannte Tatsache, dass der erste Entwurf dieses Vertrages von der DDR-Regierung stammte. In dem war sogar vorgeschlagen, eine "neue" Republik zu gründen, die den Namen "Deutsche Bundesrepublik" tragen sollte. Müßig, darüber zu diskutieren, warum allein der Name mit einer gewissen Utopie verbunden war, meint Günther Krause und schaut nachdenklich auf sein Exemplar des Einigungsvertrages, das offensichtlich viele Gebrauchsspuren aufweist.


Wichtig ist Krause vor allem auch, darauf hinzuweisen, dass mit Einigungsvertrag unter dem Gesichtspunkt der Rechtswahrung die DDR nicht untergegangen, sondern jedes der neuen Bundesländer weiterhin Vertragspartner ist. "Das sollten sich einige der ostdeutschen Ministerpräsidenten immer einmal wieder ins Gedächtnis rufen", so sein Kommentar. Und nicht zu vergessen ist auch, ergänzt Krause, dass in den Vertrag zahlreiche "DDR-Elemente" eingebracht wurden. Dazu zählt er das 12-jährige Abitur ebenso wie die Kita-Unterbringung und die Schwangerschaftsabbrechung. Kritisch merkt er an, dass der Vertrag bis heute bis zu 40 Prozent nicht, oder nur in Teilen umgesetzt wurde. Auch die Frage der Rückübertragung von Bodenreformland um Schutz des privaten Eigentums von DDR-Bürgern schließt der Vertrag ein und eine Rückgabe/Enteignung aus sowie orientiert im Detail auf Entschädigung in Form von Ausgleichsleistungen. "Das war eine Entscheidung der Regierung der DDR und nicht der damaligen Sowjetunion", erklärt der frühere Bundesminister.


Auf seine geschichtlich gesehen eher kurze Zeit als Bundesminister für besondere Aufgaben sowie als  Bundesverkehrsminister und interimsmäßiger Bundepostminister bis 1993 blickt Günther Krause übrigens weder wehmütig noch im Groll zurück. "Es war eine aufregende Zeit, es gab spannende Aufgaben und ich meine, in allen Ämtern etwas bewegt. Die A 20 beispielsweise hätte sich ohne das seinerzeit erreichte Planungsrecht heute gerade einmal in der Anfangsphase bewegt. Aus meiner Sicht ist auch der Westen im besten Sinne des Wortes östlicher geworden und das Verständnis für ostdeutsche Lebensläufe hat sich geschärft."


Dass er wegen sogenannten Affären seine politische Laufbahn beendet hat, sieht Günther Krause übrigens sehr gelassen. Sein lapidarer Kommentar: "Es hat keine Affären gegeben, die waren vor allem medial, um meinem Ansehen zu schaden, gesteuert, erstunken und erlogen." Die sogenannte Putzfrauenaffäre, es handelte sich um eine von seiner früheren Frau beschäftigte Haushälterin, war aus seiner Sicht eine eindeutig durch bundespolitische sanktionierte Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen. Auch dem Prozess unter anderem wegen Insolvenzverschleppung bescheinigt Krause vor allem politischen Charakter. Sicher habe er diesbezüglich wohl auch Fehler gemacht. Aber allein die Tatsache, dass renommierte Wirtschaftsprüfer und Gutachter nicht zugelassen wurden, ist für ihn ein Indiz, dass es sich um kein faires Verfahren gehandelt hat. In diesem Sinne sieht er sich auch nicht als "politischen Uli Hoeneß", denn er, Krause, sei freigesprochen und seine Affären wären von einer "bedenklichen Mediendemokratie" gelenkt worden.


Heute macht Günther Krause "in Sachen Anwendungstechnologien, beispielsweise für Wasserstoff, Textilien und Gummi, die ihrer Zeit voraus sind". Er entwickelt und berät entsprechende Projekte in Zweigniederlassungen in der Ukraine, Belgien und Spanien. Und wenn es seine Zeit erlaubt, kehrt er auch gern in den deutschen Nordosten zurück, wo alle sechs Kinder und neun Enkel (der zehnte ist im Anmarsch) seiner "Patchworkfamilie" wohnen. Vor allem auch dann, wenn Ehefrau Heike als gebürtige Warnemünderin einmal Sehnsucht nach der Heimat hat, wie sie lachend anmerkt.

Dieser Beitrag erschien am 15. September 2015 in der Schweriner Volkszeitung.

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